Gemeindebrief Sommer 2013

Titelseite des Gemeindesbriefes Sommer 2013
Titelseite des Gemeindesbriefes Sommer 2013

Liebe Gemeindeglieder!
Liebe Leserin! Lieber Leser!

Probier’s mal mit Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gemütlichkeit wirfst du den Alltag und die Sorgen fort, und wenn du stets gemütlich bist und etwas appetitlich ist, dann nimm es dir, egal von welchem Ort, singt der Bär Balu in dem bekannten Walt-Disney-Zeichentrickfilm „Das Dschungelbuch“. Und wer den Text liest, hat auch schnell die Melodie im Ohr und swingt mit. Der Bär ist uns sofort sympathisch, und wir beneiden ihn um seine Lebenskunst: Alltag und Sorgen über Bord zu werfen, einfach mal abzuschalten und alle Viere von sich zu strecken.

Doch dann holt uns meistens die Realität schnell wieder ein: Gemütlichkeit und Ausruhen ist unmodern geworden, wird mit Faulheit gleichgesetzt. Das Wort „Stress“ steht hoch im Kurs. Ich höre es oft in Gesprächen.

Balu der Bär ist eine Comic-Figur – beneidenswert vielleicht – aber halt eine Comic-Figur aus einer Märchenwelt. Ich frage mich: Hat er deshalb unrecht?

Während meines Studiums bin ich in der Literatur einem für mich hochinteressanten Menschen begegnet. Bernhard von Clairvaux heißt er, ein Zisterzienser-Abt, mit viel Lebenserfahrung. Er schreibt im Jahr 1150 n. Chr. in einem Brief an Papst Eugen III.:
Es ist viel klüger, du entziehst dich von Zeit zu Zeit deinen Beschäftigungen, als dass sie dich ziehen und dich nach und nach an einen Punkt führen, an dem du nicht landen willst. Du fragst, an welchen Punkt? An den Punkt, wo das Herz hart wird. Frage nicht weiter, was damit gemeint ist; wenn du jetzt nicht erschrickst, ist dein Herz schon so weit. (…) Ja, wer mit sich selbst schlecht umgeht, wem kann der gut sein? Denk also daran: Gönne dich dir selbst. Ich sage nicht: tu das immer, ich sage nicht: tu das oft, aber ich sage: tu es immer wieder einmal. Sei wie für alle anderen auch für dich selbst da, oder jedenfalls sei es nach allen anderen.

Bernhard von Clairvaux, selbst ein unermüdlicher Arbeiter, der immer für andere da war, weiß um die wertvollen Stunden und Tage, an denen er für sich selbst da ist und neue Kraft tanken kann.

In der Bibel weisen uns die Evangelien immer wieder darauf hin, dass auch Jesus für sich und seine Jünger Ruhephasen einplant. Im Markusevangelium sagt er einmal zu seinen Jüngern, die von einem „Missionseinsatz“ zurückkommen: Geht ihr allein an einen einsamen Ort und ruht euch ein wenig aus.

Jesus gönnt uns Ruhephasen in unserem Leben. Jetzt im Sommer freuen sich viele Menschen auf ihren Urlaub, auf Gemütlichkeit und Entspannung. Ich wünsche Ihnen allen, die Sie Urlaub haben und wegfahren, aber auch allen, die hier im Ort bleiben, Stunden und Tage der Erholung, der Besinnung und Gemütlichkeit. Ich wünsche Ihnen, dass Sie Zeit finden für sich, für Ihre Liebsten, aber auch für Gott. Eine gute Möglichkeit, all das an einem Punkt umzusetzen, ist der anstehende „Gottesdienst zum Mitgehen“, zu dem ich Sie am 14. Juli um 9.30 Uhr ganz herzlich einlade.

Mit den besten Grüßen und Wünschen
Ihr Alexander Klein

Gemeindebrief Frühjahr 2013

Titelseite des Gemeindesbriefes Frühjahr 2013
Titelseite des Gemeindesbriefes Frühjahr 2013

Das Foto (siehe Gemeindebrief) zeigt die Garbenteicher Kirchturmuhr, sonntags um halb zehn (um 10.00 Uhr haben wir uns dann getroffen zum Gottesdienst zum Mitgehen). Sonntagmorgen, eine ganz besondere Stimmung herrscht im Dorf. Beim Betrachten des Bildes wurden Sonntagserinnerungen aus meiner Kindheit bei mir wach: sonntags gab es zwischen 8.30 und 9.00 Uhr Frühstück. Meistens mit Frühstücksei und zum Abschluss: ein Stück Kuchen.

Wie das Ei zum Frühstück, so gehörte auch der Gottesdienstbesuch um 10.00 Uhr zum Sonntag und nach dem Gottesdienst wartete unser Dackel schwanzwedelnd darauf, dass mein Vater mit ihm noch einen Spaziergang machte. Sonntag, das ist ein ganz besonderer Tag, das spürte auch unser Hund. Von Montag bis Samstag wäre er nie auf die Idee gekommen, dass mein Vater mit ihm einen Spaziergang machen könnte. Aber sonntags, da wartete der Hund ab 11.15 Uhr auf seinen Chef, der vom Gottesdienst nach Hause kam. Am Nachmittag machten wir einen Spaziergang und anschließend gab es Kaffee und Kuchen. Manchmal besuchten wir Freunde oder Verwandte oder wurden besucht, verbrachten als Familie Zeit miteinander. So war das sonntags bei uns zu Hause und der Sonntag unterschied sich in vielerlei Hinsicht von allen anderen Wochentagen.

Da war nicht nur der Gottesdienstbesuch, der ihn zu einem besonderen Tag machte, sondern er wurde auch zu einem besonderen Tag durch das, was nicht getan wurde. Am Sonntag wurde außer dem Kochen und Spülen keine Hausarbeit erledigt, mein Vater arbeitete auch nicht in seiner Werkstatt und der Sonntag war auch Hausaufgabenfrei. Die Hausaufgaben musste ich spätestens Samstag erledigt haben.

Ich genieße es auch heute noch, dass sonntags die Welt anders ist als sonst. Es ist ruhiger im Dorf, es gibt nichts, was man noch schnell erledigen kann, denn außer dem Bäcker hat kein Geschäft geöffnet. Das dienstliche Telefon klingelt nur selten und wenn, dann ist es etwas Dringendes. Gottesdienst halten ist außer dem Kochen und Spülen die einzige Arbeit, die ich mache, alles andere kann warten. Und der Gottesdienst am Sonntag, das ist nicht nur Arbeit, sondern er tut auch mir gut und ganz oft fahre ich vergnügt nach dem Gottesdienst nach Hause und denke, es war schön. Der Sonntag unterbricht wohltuend meine Alltagsroutine und ich erlebe, dass mein Leben auch noch ganz andere Seiten hat. Schön ist es, wenn ich diese Zeit mit anderen Menschen, die mir wichtig sind, teilen kann; wenn man beim Essen etwas länger sitzen bleiben und miteinander sprechen kann. Kleinigkeiten, die den Tag schön machen.

Der Sonntag als Feiertag ist eine gute und wichtige Tradition. Ob der Feiertag nun ein Sonntag oder der Sabbat ist, das spielt keine Rolle, wichtig ist, er ist frei und ein Geschenk Gottes. Im 2. Buch Mose im 20. Kapitel in den Versen 8 bis 11 ist das festgehalten:

„Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Dinge beschicken; aber am siebenten Tage ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du kein Werk tun, noch dein Sohn, noch deine Tochter, noch dein Knecht, noch deine Magd, noch dein Vieh, noch dein Fremdling, der in deinen Toren ist.

Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was drinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der Herr den Sabbattag und heiligte ihn.“


Ich wünsche Ihnen noch viele gute, gesegnete Sonntage und freue mich, wenn sie sonntags um 9.30 Uhr oder 10.45 Uhr in den Gottesdienst kommen, um sich gemeinsam mit anderen auf diesen besonderen Tag einzustimmen.

Ihre Christine Specht

Gemeindebrief Winter 2012

Titelseite des Gemeindesbriefes Winter 2012
Titelseite des Gemeindesbriefes Winter 2012

„Es gibt Tage, da wünscht ich, ich wär mein Hund …“ – Reinhard Mey hat das so gesungen und auch ich denke mir manchmal, das müsste auf jeden Fall spannend sein: Da laufe ich mit unserer Bella durch den Wald und dauernd geht ihre Nase hierhin und dorthin, auf dem Boden nach rechts und dann wieder nach links. Dann hebt sie auf einmal den Kopf und schnuppert hoch oben in der Luft, bevor sie sich plötzlich ins Gebüsch stürzt – so weit ihre Leine eben reicht.

Das müsste spannend sein, mitzubekommen, was der Hund so alles riecht. Mäuse, Rehe und Hasen, andere Hunde und auch Menschen und ich weiß nicht, was noch alles. Eine ganze Welt scheint es da zu geben, die mir als Menschen verschlossen ist. Und mir geht auf, wie vieles um mich herum offensichtlich Tag für Tag geschieht, von dem ich überhaupt nichts mitbekomme, weil ich die vielen Spuren nun einmal nicht erschnuppern kann.

Nur im Winter – dann, wenn es frisch geschneit hat: Dann kann ich wenigstens sehen, was der Hund erschnuppert: Spuren von Kaninchen und Mäusen, von Amseln und Katzen, von einem Fuchs – oder auch, dass der Marder wieder um unser Auto geschlichen ist.

Ja, es gibt vieles, was Tag für Tag um mich herum geschieht – ohne dass ich es sehe oder höre oder gar rieche. Und dann ist es für mich als Mensch gar nicht einfach, trotzdem herauszubekommen, wer oder was da meinen Weg gekreuzt oder mich gar eine Weile begleitet hat.

So sitze ich manches Mal auch da mit den trauernden Angehörigen eines Verstorbenen und wir machen uns auf die Suche nach den Spuren, die von Gottes Hilfe und Begleitung in diesem zu Ende gegangenen Menschenleben zu entdecken sind. Und dann wünschte ich mir schon, ich könnte wie ein Hund solche Spuren erschnuppern und einfach riechen, dass sie da sind. So aber ist es oft eine mühsame Kleinarbeit:

Damals hatte er einen Unfall, und es hieß schon, er sei gestorben – aber wie durch ein Wunder hat er überlebt … Eigentlich hatte er beruflich etwas ganz anderes vor – aber dann wären wir uns nie begegnet und hätten nicht heiraten und eine Familie gründen können … Er war immer wieder krank und saß nachher oft in seinem Sessel – aber trotzdem war er eigentlich immer zufrieden … Es war immer jemand von uns da, der sich um ihn gekümmert hat – ich weiß gar nicht, wie wir das geschafft haben …

Ja, Gott ist dabei und wenn wir uns ein bisschen Mühe machen, dann können wir die Spuren seiner Begleitung und seines Wirkens zwar nicht riechen oder sehen – aber wir können sie zumindest erspüren. Wir brauchen dafür also nicht Nase oder Augen, sondern vor allem erst einmal unser Herz.

Das hat schon vor langer Zeit der Prophet Jeremia festgehalten, wenn er in Gottes Namen verspricht: Ihr werdet mich suchen und finden; denn wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen, spricht Gott. (Jer 29,13f)

Ich wünsche es Ihnen und mir, dass uns ab und zu das Herz aufgeht und wir erspüren können, wie oft Gott unseren Weg kreuzt oder neben uns her geht. Dass wir erleben können: Ja, Gott ist da.

Ihr Andreas Specht

Gemeindebrief Herbst 2012

Titelseite des Gemeindebriefes Herbst 2012
Titelseite des Gemeindebriefes Herbst 2012

Liebe Gemeindeglieder!
Liebe Leserin!
Lieber Leser!

Geht es Ihnen manchmal auch so, dass Sie irgendwann am Tag ein Lied hören und sich danach ständig dabei erwischen, wie Sie dieses Lied auch nach Stunden noch summen oder im Kopf haben? Ich habe immer wieder mal solch einen „Ohrwurm“, gerade bei Liedern, die mir gut gefallen.

Unser Kirchenchor in Hausen feiert in diesem Jahr seinen 85. Geburtstag. Dafür dürfen wir Gott loben und ihm danken.

Musik tut unserer Seele gut! Das haben wir alle an der einen oder anderen Stelle in unserem Leben schon einmal mitbekommen. Daher verwundert es nicht, dass Menschen schon seit Jahrtausenden musizieren.
Im ersten Teil unserer Bibel, im Alten Testament, findet sich eine wunderbare Sammlung von Liedern. Wir nennen sie Psalmen. In den Psalmen wird das ganze Leben vor Gott gebracht:

Höhen und Tiefen, Lachen und Weinen, Schuld und Versagen, der zuversichtliche Glaube wie der bohrende Zweifel.

In Psalm 98 heißt es: „Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder. Jauchzet dem Herrn, alle Welt, singet, rühmet und lobet! Lobet den Herrn mit Harfen, mit Harfen und mit Saitenspiel! Mit Trompeten und Posaunen jauchzet vor dem Herrn, dem König!“

Psalm 98 wirft zutiefst menschliche Fragen auf und er ermutigt uns, gegen die vielfachen Missklänge in dieser Welt, die unser Leben begleiten, Gott zu loben. Der Psalmbeter hat erfahren, dass Musik eine schöne – eine von Gott geschenkte Gabe ist.

Johann Sebastian Bach überschrieb alle seine Musikstücke mit den Worten „Soli deo gloria“, – allein zur Ehre Gottes. Alle Musik wollte er von Gott her und auf Gott hin verstanden wissen.

Musik begleitet uns durch die Hoch- und die Tiefzeiten unseres Lebens. Sie stiftet aber auch Gemeinschaft. Das haben alle, die in unserem Kirchenchor in den letzten 85 Jahren gesungen haben, auf vielerlei Weise erlebt.

Erst der Zusammenklang aller Stimmen und aller Instrumente schafft das harmonische Ganze. Jeder könnte auch alleine singen und musizieren. Aber erst, wo alle Stimmen in einem Chor zusammen kommen, da wirkt das Lied kraftvoller, jubilierender und machtvoller.

So wünsche ich nicht nur den aktiven Sängerinnen unseres Kirchenchores in Hausen, sondern Ihnen und euch allen: Möge Gott Ihnen und euch immer wieder „Ohrwürmer“ schenken, die beschwingen und dankbar werden lassen für das Geschenk der Musik und vieles andere in unserem Leben, das Gott für uns bereit hält.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und euch allen Gottes Segen für die kommende Zeit.

Herzliche Grüße, Ihr und euer
Pfarrer Alexander Klein

Gemeindebrief Sommer 2012

Alles hat seine Zeit – Wer hat meine Zeit?

Titelseite des Gemeindebriefes Sommer 2012
Titelseite des Gemeindebriefes Sommer 2012

Haben Sie meine Zeit gesehen? Irgendjemand muss sie mir geklaut haben. Im letzten Urlaub war sie noch da, da hatte ich ganz viel Zeit, aber dann auf einmal war meine Zeit weg. Ich habe mich immer wieder jammern hören: „Ich habe gar keine Zeit….“

Eigentlich ist das doch merkwürdig: 24 Stunden Zeit stehen mir pro Tag zur Verfügung. Wenn ich davon 8 Stunden schlafe, bleiben 16 Stunden übrig, an denen ich etwas machen kann. Das ist doch eigentlich eine ganze Menge, oder?

Aber ich kann es drehen und wenden, wie ich will, eigentlich habe ich Zeit und trotzdem habe ich keine Zeit für alles das, was ich tun möchte. Kennen Sie das auch? – Es gibt so viele Dinge, die man tun muss, die man eigentlich auch gerne tut, aber die so viel Zeit brauchen, dass man das Gefühl hat es bleibt keine Zeit mehr für das, was ich auch noch gerne tun möchte. Dieses Gefühl macht unzufrieden und unglücklich.

Was soll ich nur machen? Ich bin mir sicher, wenn der Tag 48 Stunden hätte, würde das an dem Problem auch nichts ändern, dann gäbe es einfach nur noch mehr zu tun und sonst bliebe alles beim Alten.

Ich habe schon versucht Zeit zu sparen. Ich habe mich beeilt, um schnell mit den anfallenden Aufgaben fertig zu werden, aber da blieb in mir das Gefühl zurück, ich hetze durch den Tag, und ich hatte den Eindruck, das tut mir nicht gut. Außerdem wurde die eingesparte Zeit gleich wieder von anfallender Arbeit aufgefressen und ich hatte immer noch das Gefühl keine Zeit zu haben.

Keine Zeit zu haben, das liegt anscheinend nicht daran, dass der Tag zu wenig Stunden hat, sondern es liegt daran, was ich mit der Zeit und in der Zeit, die mir zur Verfügung steht, mache.

Vielleicht hilft es mir ja, wenn ich mich auf die Worte des Predigers Salomo einlasse, der offensichtlich auch schon viel Erfahrung im Umgang mit der Zeit gesammelt hat.

Wenn er also sagt: „Alles hat seine Zeit….“, dann will ich mir das so gesagt sein lassen und versuchen auch allem seine Zeit zuzugestehen und Zeit zum Arbeiten und Zeit für Pausen einplanen. Jammern jedenfalls hilft nichts – diese Zeit kann ich getrost einsparen und für etwas anderes verwenden.

Und was hat jetzt gerade seine Zeit? Die Sommerzeit bietet sich eigentlich dazu an, das Zeit-Nehmen einzuüben, genauso wie das Zeit-Genießen: 10 Minuten in der Sonne sitzen, den Vögeln zuhören, den Wind spüren, Pause machen, die Seele baumeln lassen, das möchte ich genießen.

Ich möchte meine Zeit auf diese Weise wertschätzen, sie nicht vertreiben, sondern als etwas Kostbares achten. Und ich möchte meine Zeit teilen, mit Menschen, die ich mag.

Meine Zeit ist geschenkte Zeit. Ein Geschenk von Gott für mich. Dafür danke ich ihm jeden Tag neu und ich denke, es ist auch eine Wertschätzung dieses Geschenkes, wenn ich mir erlaube diese Zeit zu genießen.

Eine gesegnete Zeit wünscht Ihnen
Ihre Christine Specht

Gemeindebrief Frühjahr 2012

Wachsen wie Rosen und Clematis

Titelseite des Gemeindebriefes Frühjahr 2012
Titelseite des Gemeindebriefes Frühjahr 2012

„Im Vorgarten unseres Hauses haben wir drei Rankbalken aus Metall aufgestellt. An diesen Säulen aus Metallgitter sollen Rosen und Clematis wachsen und die Rankbalken begrünen. Wenn alles so gelingt, wie wir es uns vorgestellt haben, dann werden an den drei Metallsäulen zu verschiedenen Zeiten, in verschiedenen Farben und verschiedenen Höhen die Rosen und Clematis blühen und uns mit ihrem Anblick erfreuen.

Rosen und Clematis sollen sich verbinden und miteinander wachsen.
Genau das wünsche ich mir auch für unsere beiden Kirchengemeinden Garbenteich und Hausen/Petersweiher.“

So hat meine Frau vor fünf Jahren ihre Gedanken für den Gemeindebrief 2007 begonnen. Der 01.01.2007 ist das Datum, seit dem meine Frau und ich jeweils mit halber Stelle und Pfarrer Klein mit einem 30%-Dienstauftrag für Garbenteich und Hausen mit Petersweiher zuständig sind.

Seitdem ist allerhand geschehen: Wenn Sie sich das Bild auf der Titelseite anschauen, dann sehen Sie, dass Rosen und auch Clematis längst gewachsen sind und blühen. Manchmal gleichzeitig, manchmal abwechselnd und manchmal auch einfach nur wild durcheinander.
So ähnlich, habe ich den Eindruck, geschieht es auch in unseren Gemeinden: Vieles wächst oder blüht sowohl aufeinander zu als auch ganz unabhängig von einander: Die Konfirmandengruppen haben sich längst (wieder) ganz selbstverständlich daran gewöhnt, dass der Grenzweg für sie keine Grenze mehr ist. Hausener Konfirmanden bewirten auf dem Garbenteicher Adventstreff die Leute mit frisch gebackenen Waffeln. Garbenteicher Kinder spielen beim Hausener Weihnachtsspiel und machen mit beim Musical im nächsten Sommer. Die Krabbelgruppe trifft sich seit neuestem gemeinsam. Gottesdienste finden zusammen statt. Und ab sofort gibt es einen gemeinsamen Gemeindebrief.

Es tut gut, zu erleben, wie viele verschiedene Menschen hier in unseren Gemeinden jeweils ihr Teil dazu beitragen, dass es etwas zu bestaunen gibt und dass das Miteinander Freude macht.

Ja, Rosen sind schön. Und Clematis sind auch schön. Aber zusammen sind sie etwas Besonderes. Deshalb lohnt es sich, finde ich, mitzumachen und dazu beizutragen, dass beide weiter wachsen und weiter zusammen wachsen können. Dann gibt es vielleicht schon im nächsten Jahr wieder ein paar Blüten mehr.

Und ich bin fest davon überzeugt: Wenn Gott die Lilien auf dem Feld so wichtig sind, dass Jesus sie seinen Zuhörerinnen und Zuhörern als Beispiel für Gottes Fürsorge vor Augen halten kann, dann liegen ihm genauso auch Rosen und Clematis am Herzen. Und dann kümmert er sich auch um uns in unseren Gemeinden. So dass wir wachsen und gedeihen können unter seinem Segen.
Ihr Andreas Specht

Gemeindebrief 01/2012

Liebe Gemeindeglieder!
Liebe Leserin! Lieber Leser!

Titelseite des Gemeindebriefes 01/2012
Titelseite des Gemeindebriefes 01/2012

Gestern Abend (26.10.2011) wollte ich gerade die Tür unseres Jugendcafés im Thomashaus in Watzenborn-Steinberg aufschließen, als ich aus dem darüber liegenden großen Saal den Kirchenchor singen hörte „Herbei, o ihr Gläubgen, fröhlich triumphieret, o kommet, o kommet nach Bethlehem! Sehet das Kindlein, uns zum Heil geboren! O lasset uns anbeten, o lasset uns anbeten, o lasset uns anbeten den König!“

Mit einem Male wurde mir bewusst: Ja, es ist gar nicht mehr so lange, dann ist schon wieder Weihnachten. Dieses Weihnachtslied Ende Oktober ließ mich kurz stehen bleiben und darüber froh werden, dass die Weihnachtsbotschaft nicht nur für ein paar Tage im Dezember reserviert ist, sondern das ganze Jahr hindurch Gültigkeit besitzt, gerade auch jetzt, wo wir in den Nachrichten dieser Tage nur noch die Wörter „drohende Weltwirtschaftskrise, Krisenfonds EFSF, Risikovorsorge, Euro-Rettungsschirm, Hilfspaket,…“ hören.
Das Lied des Kirchenchores hat mich aber auch daran erinnert, dass wir noch genug Zeit haben, uns auf Weihnachten vorzubereiten. Vor uns liegt der Advent. In diesen Tagen steckt eine große Chance für Weihnachten – obwohl das Risiko groß ist. Allein schon wirtschaftlich betrachtet sehen viele in den vor uns liegenden Feiertagen Gefahren für die Wirtschaft – gerade in diesen Zeiten einer erneut drohenden Wirtschaftskrise. Ein ganzes Land macht Pause. Die Fließbänder stehen still. Und viele befürchten, dass das Weihnachtsgeschäft im Advent auch nicht so rosig ausfällt.

Aber auch menschlich gesehen ist Weihnachten ein Risiko. Viele Menschen haben Angst vor Weihnachten: weil die Vorbereitung ein einziger Stress ist und der Streit in den Familien zunimmt.

Eigentlich hat Weihnachten schon immer gestört – schon von Anfang an: Die Sterndeuter wundern sich über das Kind in der Krippe. König Herodes ärgert sich über einen neuen Konkurrenten. Die Hirten erschrecken über die Engel. Und Maria und Josef sind noch gar nicht verheiratet.
Allerdings – manchmal ist es gut, gestört zu werden: Die Sterndeuter entdecken Gott nicht im Himmel, sondern auf der Erde. König Herodes muss erkennen, dass irdische Macht nicht alles ist. Die Hirten hören auf die Engel und machen sich auf nach Bethlehem. Josef hält zu Maria.
„Sehet das Kindlein, uns zum Heil geboren.“ Ja, auch diese Botschaft von Weihnachten trägt ein Risiko in sich, zum Glück ein Risiko mit positivem Ausgang. Wer dieser Botschaft nachgeht und nachsinnt, der kann erfahren, dass Leben sich verändert. Der wird dann vielleicht innerlich gelassener, auch wenn die Wirtschaftsprognosen nicht so toll sind, der lässt sich nicht treiben von dem „immer schneller immer mehr haben wollen“, der fühlt sich gehalten – gerade auch in Krisenzeiten des Lebens.
Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie sich stören lassen von der wunderbaren Botschaft von Weihnachten und erleben, wie sie auch Ihr Leben verändert und stärkt.
So wünsche ich Ihnen – auch im Namen meiner Kollegen Christine und Andreas Specht – eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und das Allerbeste für das Jahr 2012!

Herzliche Grüße
Ihr und euer Alexander Klein

Unser Türen-Adventskalender - 24 Türen aus Garbenteich und Hausen Fotos: Specht
Unser Türen-Adventskalender – 24 Türen aus Garbenteich und Hausen
Fotos: Specht


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Gemeindebrief 04/2011

Leben unter extremen Bedingungen

Titelseite des Gemeindebriefes 04/2011
Titelseite des Gemeindebriefes 04/2011

Mein Mann und ich waren zum Sommerurlaub in Südtirol und dazu gehörte für uns auch das Wandern in den Bergen. Neben der fantastischen Aussicht auf die Berge, begeisterten mich auch die vielen Blumen auf den Bergwiesen: Feuerlilie, Türkenbund, Knabenkraut waren die besonderen Schönheiten, die ich so bei uns in den Wiesen noch nicht gesehen habe. Aber auch Margeriten, Glockenblumen, Arnika und viele andere häufig anzutreffende Blumen haben mir gefallen. Manchmal wusste ich gar nicht, wo ich zuerst hinsehen sollte, so üppig blühte es auf den Bergwiesen.

Am meisten beeindruckt hat mich aber eine kleine Blume, die dort wächst, wo sonst kaum eine andere Pflanze gedeiht. Mitten im Geröll, in einer Art Mondlandschaft aus weißem Dolomitengestein, da wächst ganz überraschend der rhätische Alpenmohn, der auch gelber Mohn genannt wird. Die Pflanze wirkt mit ihren dünnen Stängeln und den durchscheinenden Blütenblättern sehr zart und empfindlich, kaum zu glauben, dass sie in so unwirtlichem Gelände wächst und gedeiht. Sie wächst aber auch nur dort, nur im Geröll, im steinigen, trockenen Boden. Auf den Wiesen sucht man diesen Mohn vergebens. Dieser Mohn, der im Geröll wächst, da wo Leben kaum möglich scheint, hat meine Gedanken beschäftigt. Ich musste an Menschen denken, die mir in unseren Gemeinden begegnen. Auch da staune ich immer wieder über Menschen, die unter schwierigen Bedingungen leben und dabei Lebensfreude und Zufriedenheit ausstrahlen. Vielleicht kennen sie ja auch solche Menschen oder gehören selbst zu ihnen. Ich staune immer wieder, dass oft die, die Grund zum Jammern und Klagen hätten, das nicht tun, sondern versuchen so gut wie möglich mit ihrer Lebenssituation zurecht zu kommen und trotz allem die schönen Seiten ihres Lebens sehen und genießen können. Sie erinnern mich an den rhätischen Mohn, der im steinigen Boden gedeiht und üppig blüht.

Das wünsche ich mir auch für mich, dass ich auch unter schwierigen Bedingungen leben und mich am Leben freuen kann. Ich denke, das ist zum einen eine Frage der Einstellung und hoffe, dass ich daran arbeiten und es lernen kann. Zum anderen ist es wohl auch ein Geschenk Gottes um das ich ihn bitten kann und darf. Mir fallen Jesu Worte aus der Bergpredigt ein: „Lernt bei den Lilien auf dem Feld und seht zu, wie sie wachsen. Sie mühen sich nicht. Sie spinnen nicht. Ich sage euch: Nicht einmal Salomo in all seiner Pracht war gekleidet wie irgendeine von ihnen. Wenn aber Gott das Gras – das heute steht und morgen ins Feuer fällt – so kostbar kleidet, wird er nicht noch viel mehr für euch sorgen, ihr Anfänger im Glauben?“

Mit diesen Worten Jesu im Ohr wird der rhätische Mohn, der mich im Urlaub so beeindruckt hat, zu einer Erinnerung daran, dass Gott auch Leben unter extremen Bedingungen möglich macht. Nicht nur kärgliches Leben, sondern blühendes.
Ihre Christine Specht