Gemeindebrief Frühjahr 2018

Der Herr ist mein Hirte

Titelseite des Gemeindebriefes Frühjahr 2018
Titelseite des Gemeindebriefes Frühjahr 2018

Hirte – Schafe, das war in der Fotogruppe die erste Assoziation zu Psalm 23. Wo ein Hirte ist, da muss es Schafe geben. Schafe wie auf dem Titelbild. Versehen mit einer Nummer oder sogar einem eigenen Namen. Dass es auch Hirten gibt für Ziegen und Rinder, für Schweine und Gänse und für manch andere Tiere – das dämmerte uns erst etwas später. Dabei: Ganz egal, wo auf der Welt Tiere draußen gehalten werden – überall gibt es Menschen, die sich um sie kümmern. Die mit Sachverstand und Überblick und einer gehörigen Portion Know-How dafür sorgen, dass die Tiere es gut haben. Dass Sie versorgt sind und ihnen möglichst wenig zustoßen kann. Und dass sie Hilfe bekommen, wenn Ihnen doch einmal etwas passiert ist. Gute Hirten eben, die sich kümmern. Und denen die Tiere am Herzen liegen.

Und wie ist das bei uns Menschen – brauchen wir auch so einen Hirten?
Mein erster Impuls ist: Wofür brauche ich einen Hirten, ich habe doch mein Leben selbst im Griff und weiß, was gut für mich ist und was nicht. Ich kann und will selbst entscheiden.

Und dann schaue ich manchmal zurück auf das, was ich alles schon erlebt habe. Welchen Menschen ich begegnet bin. An welchen Orten und auf welchen Wegen ich unterwegs war. Und wenn ich ehrlich bin, kann ich nur feststellen: Das Wenigste, von dem, was meinen Werdegang und mein Leben ausmacht, habe ich selbst entschieden. Und trotzdem ist so vieles so erstaunlich gut geworden.

Der Herr ist mein Hirte – dieser Satz, dieser ganze Psalm hält für mich fest, dass ich als Mensch keine Laune der Natur bin, kein Zufall in der Evolutionsgeschichte, sondern Gottes Absicht. Und weil Gott mich als sein Gegenüber und als seinen Ansprechpartner will, deshalb lässt er mich auch nicht einsam und alleine durch die Welt stolpern, sondern kümmert sich. Das bin ich ihm offensichtlich wert.

Mir tut es gut, dass mich der Psalm mit seinen Worten und Bildern immer wieder daran erinnert: Gott ist da. Auch für mich. So wichtig bin ich ihm.
Deshalb stimme ich gerne zu: Ja, der Herr ist auch mein Hirte.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie das so auch für sich entdecken und sagen können.

Ihr Andreas Specht

Gemeindebrief Winter 2017/2018

Wintertraum

Titelseite des Gemeindebriefes Winter 2017/2018
Titelseite des Gemeindebriefes Winter 2017/2018

Alle Jahre wieder wünsche ich mir einen kalten Winter mit Schnee und Eis.
Adventssonntage an denen es Freude macht die Kerze am Adventskranz anzuzünden, in Ruhe Tee zu trinken und es zu genießen in einer gemütlichen Wohnung zu sitzen, während es draußen kalt ist.

Ich wünsche mir klare, kalte Wintertage mit blauem Himmel und Sonnenschein, die dazu einladen spazieren zu gehen. Ich möchte dann einen zugefrorenen Teich oder Bach fotografieren und festhalten, wie die Eiskristalle im Licht blitzen. Spuren im Schnee sind auch sehr fotogen und einen Schneemann zu bauen, macht auch Spaß. Mit Bing Crosby träume ich von einer „weißen Weihnacht“ und erwische mich dabei dass ich „I m dreaming of a white christmas“ vor mich hin summe.

Warum eigentlich? Was steckt hinter diesem Weihnachts-Winter-Traum?

Der Winter bringt manches mit sich, was mir gut tut, wonach ich mich sehne.

Wenn Schnee liegt, ist alles leiser. Der Schnee dämpft die Geräusche. Man hört ganz deutlich, dass es draußen leiser ist als sonst. Mir tut das gut.

Der Schnee bremst auch meine Geschwindigkeit. Wenn ich draußen zu Fuß oder mit dem Auto unterwegs bin, bin ich vorsichtiger als sonst. Ich kann nicht mal eben schnell noch etwas erledigen. Ich werde durch Schnee und Eis entschleunigt. Ich gebe zu, manchmal erhöht das auch meinen inneren Druck und macht Stress, aber andererseits könnte ich es ja auch einfach genießen, dass alles seine Zeit braucht und auch hat.

Die Natur erlebt ihre Winterruhe und ich habe das Gefühl, diese Ruhe, die brauche ich auch.

Wenn draußen alles von Schnee bedeckt ist, sieht die Welt ganz verändert aus. Diese Veränderung ist wie ein Hinweis auf die große Veränderung, die wir an Weihnachten feiern. Gott wird Mensch und das verändert alles.

Ja, ich glaube, hinter meinem Weihnachts-Winter-Traum steckt der Wunsch, mich auf Weihnachten vorbereiten zu können. Ich wünsche mir, dass ich neu entdecke, wie Gott durch die Geburt seines Sohnes alles verändert und was er uns damit schenkt.

Und was mache ich, wenn es in der Advents- und Vorweihnachtszeit nicht schneit?

Dann muss ich selbst dafür sorgen, dass ich all das bekomme, was mir der Winter sonst beschert: etwas mehr Ruhe;Tempo rausnehmen; für Veränderungen sorgen, die mich auf Weihnachten einstimmen. Ich könnte zum Beispiel Advents- und Weihnachtslieder summen und dabei auch einen Blick auf den Text werfen. Es gibt da ganz viel zu entdecken.

Aber vielleicht habe ich ja Glück und es schneit doch…

Ich wünsche uns allen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und dann ein gutes neues Jahr.
Ihre Christine Specht

Gemeindebrief Herbst 2017

Alles hat seine Zeit

Titelseite des Gemeindebriefes Herbst 2017
Titelseite des Gemeindebriefes Herbst 2017

Ein Gemeindebrief für drei ganz verschiedene Monate: Für die Einen sind im September die Ferien schon Wochen her – und damit auch der Urlaub. Andere freuen sich noch auf einen schönen Spätsommer an der See oder in den Bergen.
Es kommt das Erntedankfest in den Blick – und in so mancher Küche wird Gelee und Marmelade gekocht oder einfach Saft gepresst. Und beim Genießen des reichhaltigen Angebots kommt oft die Dankbarkeit von selbst, dass wir es hier so gut haben.
Die ersten Kürbisse werden reif und verlocken Kinder und Jugendliche, Fratzen hineinzuschneiden und Laternen damit zu basteln, während manche Erwachsenen lieber kulinarische Delikatessen daraus zaubern.
Währenddessen ist draußen der Spätsommer längst vergangen. Es gibt vielleicht noch ein paar Tage Goldenen Oktober. Aber die ersten Nachtfröste sind schon da. Und dann kommt auch der Nebel. Die Tage werden trüber und dunkler. Viele verknüpfen in ihrer Erinnerung diese Zeit um das Reformationsfest, um Allerheiligen, Volkstrauertag und Ewigkeitssonntag mit tristem Novembergrau. Auf dem Friedhof werden die Gräber für den Winter gerichtet. Und dann steht schon der Advent vor der Tür.
So viele ganz unterschiedliche Ereignisse und Stimmungen in so kurzer Zeit. Sind es zu viele? Zu viele Jahreszeiten, zu viele Themen für einen einzigen Gemeindebrief?
Andererseits: Ist das nicht das ganz normale Leben? Liegen nicht ganz oft an ein und demselben Tag Arbeit und Pause, Freude und Enttäuschung, Glücklich-Sein und Ärger, Begrüßung und Abschied dicht beieinander – und noch vieles mehr.
So wie es schon der Prediger Salomo in seinen bekannten Worten beschreibt (Buch des Predigers Salomo, Kapitel 3): Alles hat seine Zeit. – Und dann zählt er auf, noch weit mehr Situationen und Lebenslagen als hier in diesem einen Gemeindebrief Erwähnung finden. Und sein Fazit ist: Ja, das alles kommt im Leben vor. Das alles macht die Fülle und den Reichtum menschlichen Lebens aus und manchmal auch seine Probleme und Schwierigkeiten. Wichtig ist nur, dass man sich als Mensch jeweils auf das einlässt, was eben im Moment gerade dran ist. Dass man sich die Zeit nimmt, den Augenblick zu leben und zu erleben. Dann kann man in seinem Leben auch Gottes Gegenwart, seinen Segen erfahren. Oder wie es der Prediger Salomo formuliert: Wer jedem Ding die Zeit einräumt, die es braucht, der kann dabei das Stück Ewigkeit erleben, das Gott dem Menschen ins Herz gelegt hat.
Um das hinzubekommen, muss man als Mensch manchmal einen Moment Pause machen zum Überlegen. Einen Schritt zurücktreten aus dem normalen Trubel, sich in Ruhe hinsetzen, zurücklehnen, die Gedanken ziehen lassen, um dann wieder entscheiden zu können, was jetzt dran ist.
Ich wünsche Ihnen, dass auch Ihnen das gelingt: Zu erkennen, was in Ihrem Leben, was hier und jetzt gerade dran ist. Und dem dann auch die Zeit einzuräumen, die es dafür braucht. So dass Sie die ganze Fülle Ihres Lebens im wahren Sinn des Wortes „erleben“ und so bei allem zugleich Gottes Begleitung und seinen Segen.
Ihr Andreas Specht

Weitere Inhalte aus dem Gemeindebrief:
Unsere neue Organistin
Ups, ich spreche ja Englisch
Luther
u.v.m.

Gemeindebrief Sommer 2017

Begeistert sein!

Titelseite des Gemeindebriefes Sommer 2017
Titelseite des Gemeindebriefes Sommer 2017

Liebe Gemeinde,
so manche Kanzel habe ich in meinem zu Ende gehenden Vikariat betreten. Eindrucksvoll bleibt mir aber vor allem die Garbenteicher Kanzel im Gedächtnis. Es war und ist immer ein besonderes Gefühl im „Schrank“ zu verschwinden, die kleine hölzerne Treppe hinaufzusteigen und dann dort oben anzukommen. Bevor ich aber herunterschauen kann und mit meiner Predigt beginne, fällt mein Blick auf etwas, das oben im Kanzeldeckel aufgemalt ist. Es ist die kleine weiße Taube, wie Sie sie auf dem Titelbild des Gemeindebriefes sehen. Die Taube ist im Christentum das Symbol für den Heiligen Geist. Oder anders gesagt: Ein Bild für Gott. Warum finden wir aber gerade dieses Gottesbild über der Kanzel? Die Taube dient uns hier als ein Zeichen. Die Taube soll uns an etwas erinnern. Sie zeigt uns, dass das was auf der Kanzel passiert – die Predigt! – nicht einfach nur eine herkömmliche Rede ist. Etwa so, wie wir sie etwa aus der Politik und den Wahlkämpfen kennen oder den Kommentaren am Ende der Tagesschau. Die Predigt will und soll etwas Besonderes sein. Sie soll als eine besondere Art der Rede über Gott verstanden werden. In der Predigt wirkt der Heilige Geist. Der Heilige Geist will es sein, der im Zuhörer das Verstehen weckt für das, was ich oder was andere Pfarrerinnen und Pfarrer in der Predigt sagen. Das klingt – zugegebener Maßen – erstmal ziemlich gewöhnungsbedürftig. Woran soll man nun so etwas wie das Wirken des Heiligen Geistes erkennen?
Der Apostel Paulus hat betont, dass es der Heilige Geist ist, der uns lebendig macht und uns dazu befähigt die Geister zu unterscheiden. Jede Predigt ist anders und soll anders sein. Hauptsache ist aber, dass eine Predigt uns von Gott und seinem Wirken in der Welt erzählt. Es geht also dabei nicht darum, dem „Zeitgeist“ nach dem Munde zu reden, sondern im Hier und Heute Gottes Spuren in unserem eigenen Leben zu entdecken. Eine Predigt kann also im wahrsten Sinne des Wortes „begeistern“. Das gelingt nicht immer auf Anhieb oder noch gleich im Gottesdienst am Sonntagmorgen. Manchmal braucht es ein wenig Zeit, sich vom Heiligen Geist überzeugen zu lassen. Das kann den Hörer der Predigt auch entlasten. Niemand muss gleich auf das gepredigte Wort laut mit einstimmen. Vielmehr geht es darum die Worte bei sich zu behalten – sie im Herzen zu bewegen. Sie abzulehnen – oder zuzustimmen. Und auch ich als Prediger bin entlastet. Nicht jeden kann ich mit den Worten meiner Predigt begeistern. Einen Teil muss und will ich dem Heiligen Geist überlassen. Wie gut also, dass er ganz nahe über mir ist, wenn ich oben auf der Kanzel stehe!
Komm Heiliger Geist mit deiner Kraft, die uns verbindet und Leben schafft!
Ihr Vikar Johannes Lohscheidt

Weitere Inhalte aus dem Gemeindebrief:
Vikariat
Wie ist das bei euch in Spanien?
Fastenwoche
u.v.m.

Gemeindebrief Frühjahr 2017

Ein kostbares Geschenk

Titelseite des Gemeindebriefes Frühjahr 2017
Titelseite des Gemeindebriefes Frühjahr 2017

Ist Ihnen die „goldene“ Schale auf unserem Titelbild aufgefallen?
Vielleicht haben Sie überlegt: „Was ist denn das?“ „Warum ist so eine Schale auf dem Titelbild des Frühjahr-Gemeindebriefes?“
Wer von Ihnen in Hausen und Petersweiher wohnt, hat in der Schale vielleicht die Hausener Taufschale wiedererkannt. Die Garbenteicher haben diese Schale eventuell noch nie gesehen. Die goldfarbene und glänzende Schale ist natürlich nicht aus Gold, sondern aus Messing. Wo sie herkommt, wie alt sie ist, dazu finden Sie in diesem Gemeindebrief noch mehr Informationen.
Mir ist aufgefallen, dass die Taufschalen in unseren Gemeinden edel und kostbar aussehen. Die Garbenteicher Taufschale sieht silbern, die Hausener golden aus. Was meinen Sie, ob das wohl einen besonderen Grund hat? Haben Sie in ihrem Schrank auch besonderes Geschirr für festliche Anlässe? Schönes Porzellan, edle Gläser? So ist es nicht nur im Haushalt einer Familie, sondern auch in der Kirche.
Die Taufe ist etwas Besonderes und das wird durch eine schöne Taufschale unterstrichen. Die Taufe ist ein Geschenk Gottes, ein Zeichen seiner Liebe. Der Täufling wird im Namen Gottes gesegnet und Gott verspricht ihm „Ich begleite dich und bin immer für dich da.“ Zu diesem großen Geschenk passt eine kostbare Verpackung. Der Mensch, der getauft wird, ist in Gottes Augen ein wichtiger und wertvoller Mensch und auch das wird durch diese schöne Schale zum Ausdruck gebracht.
In den ersten christlichen Gemeinden war Ostern der Tag, an dem getauft wurde. Ein passender Termin. Jesus ist vom Tod auferstanden und der Täufling, der im Namen Gottes getauft wird, wird durch die Taufe ein neuer Mensch, der unter dem Segen Gottes lebt. Durch die Taufe wird er mit Christus verbunden und gehört zu ihm. Darum möchten wir in diesem Gemeindebrief kurz vor Ostern mit dem Foto der Taufschale jeden an seine eigene Taufe erinnern.
Es wird erzählt, Martin Luther habe, wenn er verzweifelt war und Angst hatte, aufgeschrieben: “Ich bin getauft!“ So hat er sich daran erinnert: „Ich gehöre zu Gott, Gott liebt mich, er begleitet mich, darauf kann ich mich verlassen.“ Das war für ihn im Meer der Angst wie ein Rettungsring an dem er sich festgehalten hat.
Es tut gut sich an die eigene Taufe zu erinnern, sich zu vergewissern, Gott liebt mich, so wie ich bin. Deshalb feiern wir in unseren Gemeinden Tauferinnerungsgottesdienst und laden getaufte Kinder und ihre Eltern extra dazu ein. Auch alle anderen sind dann eingeladen sich an ihre Taufe zu erinnern. Kleinen und großen Getauften wird mit Wasser aus der Taufschale ein Kreuz auf die Hand gezeichnet und Gottes Segen zugesprochen. Es ist schön mitzuerleben, wie viele danach ein Strahlen in den Augen haben und glücklich wieder an ihren Platz zurückkehren.
Suchen Sie doch mal nach einem Foto von Ihrer Taufe und lassen Sie sich so daran erinnern, dass auch Sie ein von Gott geliebter und beschenkter Mensch sind.
Herzliche Grüße
Ihre Christine Specht

Weitere Inhalte aus dem Gemeindebrief:
Als Kamel unterwegs
Hausener Taufschale
Ostern in Griechenland
u.v.m.

Gemeindebrief Winter 2016

Titelseite des Gemeindebriefes Winter 2016
Titelseite des Gemeindebriefes Winter 2016

Liebe Gemeindemitglieder,
Liebe Leserin! Lieber Leser,
Printen, Spekulatius, Marzipan, Stollen…. ganze Phalangen von Köstlichkeiten zur Advents- und Weihnachtszeit säumen die Wege in den Supermärkten. Sie erinnern mich daran, es ist nicht mehr weit! Allein diese Köstlichkeiten mit ihrem Duft lassen schon Erinnerungen an vergangene Advents- und Weihnachtstage mit Ausblick auf Neujahr in mir aufleben. Vieles ist bereits lange im Voraus geplant. Daran hängt das Herz, an eingespielten Abläufen, ohne die ein gelungenes Weihnachtsfest undenkbar wäre. Alle Jahre wieder….
Das eigene Herz als Ort, in dem sich alle Gefühle, Erinnerungen und Erwartungen abspielen. Alles was in dieser besonderen Zeit zwischen Advent, Weihnachten und Neujahr auf uns einwirkt und aus uns heraus strahlen kann.
Bin ich gestresst? Einsam? Oder freue ich mich darauf, dass diese Zeit endlich wieder beginnt und mir statt vor stressiger Aufregung mein Herz vor Überschwang buchstäblich bis zum Halse schlägt?
Letztlich geht es ja nicht nur um eine gute Weihnachtszeit, sondern generell auch darum einen Funken des weihnachtlichen Wunders mit durch das ganze Jahr zu nehmen. Das ist bei all diesen gemischten Gefühlen gar nicht so einfach. Denn so ist Weihnachts- und Neujahrszeit ganz oft auch Beziehungszeit. Denn ob in der Familie oder unter Freunden, oder schlicht und ergreifend zwischen Gott und uns Menschen, es geht um eine tiefe Beziehung, in der sich jeder wechselseitig ganz auf sein Gegenüber einlassen will. Das außergewöhnlichste Gegenüber schenkt uns Gott am Heiligen Abend in seinem Sohn. Gott schenkt uns das, was es für eine lebendige Beziehung braucht, sich selbst als Mensch. In Jesus kommt er uns ganz nah, lässt sich ganz auf das Mensch-Sein ein. Durch Advent und Weihnachten zeigt sich: Nichts kann ihn daran hindern, immer wieder einen Neuanfang mit uns zu wagen- jedes Jahr. Dadurch, dass er Mensch wird, legt Gott selbst den Grundstein für eine Verwandlung.
Auch da ist immer wieder neues Einstellen auf Situationen gefragt. Neue Menschen, die vor einem Jahr noch nicht in unserem Leben waren. Neue (weihnachtliche) Bräuche, die durch ein Austausch auf Augenhöhe vielleicht zu eigenen werden können.
Diesen alljährlichen Neuanfang schenkt uns Gott und legt ihn in unser eigenes Herz mit ein, das mich sogleich an eine Liedstrophe aus „Zu Bethlehem geboren“ erinnert hat:
„In seine Lieb versenken, will ich mich ganz hinab; mein Herz will ich ihm schenken und alles, was ich hab, eia, eia, und alles, was ich hab.“ (Friedrich Spee 1637)
Uns allen wünsche ich, dass unser Herz vor Freude bis zum Halse schlägt, dass wir alle diese wunderbaren Gefühle erfassen. Obwohl wir wissen, Weihnachten und Neujahr ist „…Alle Jahre wieder…“. Wir dürfen trotzdem das immer wieder Neue an der guten Botschaft wahrnehmen und erleben, wie es auch unser Leben verändert und stärken kann, und das über das ganze Jahr hinaus.
Ganz so wie die neue Jahreslosung für das Jahr 2017 uns verheißt „Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“ Ezechiel 36,26
Ich wünsche Ihnen – auch im Namen meiner Kollegen – eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und gehen Sie gestärkt in das neue Jahr 2017.
Herzlich,
Ihre Pfarrerin Marisa Mann


Weitere Inhalte aus dem Gemeindebrief:
Sternsinger
Tag des offenen Denkmals
Weihnachten in Italien
u.v.m.

Gemeindebrief Herbst 2016

Durst

Titelseite des Gemeindebriefes Herbst 2016
Titelseite des Gemeindebriefes Herbst 2016

Die Taube auf dem Marktplatz in Weikersheim hat Durst. Und sie weiß, wo und wie sie ihren Durst stillen kann. Wasser im Überfluss bietet der Brunnen. Auf einen Tropfen mehr oder weniger kommt es nicht an.

Wie gut das tut, wenn man Durst hat und es gibt Wasser im Überfluss.

Das hat mich schon als Kind besonders beeindruckt, wenn ich mit meinen Eltern in den Bergen wandern war. Und als Kind war Wandern für mich nicht immer nur die reine pure Freude. In der Sonne schwitzend bergauf. Immer zwei Schritte machen müssen, wo meinen Eltern einer reichte. Und dann waren auch noch die Getränke rationiert – zumindest kam es mir so vor: „Trink nicht alles auf einmal aus, der Tag ist noch lang!“ Ich habe die Worte meiner Mutter noch im Ohr.

Wie paradiesisch erschien es mir dann, wenn wir an einen der häufigen Brunnen kamen. Als Tränke für das Vieh gefasst oder vielleicht wirklich auch für durstige Wanderer. Oder auch an eins der klarer Bächlein, die auch meine Eltern für sauber genug hielten, dass ich daraus trinken durfte: Trinken ohne sparen zu müssen. Trinken, dass es dabei gluckerte und spritzte, dass das ganze Gesicht nass wurde und manchmal noch mehr. Das tat gut. Das machte Lust auf mehr: Vorneweg laufen und schauen, wo es die nächste Möglichkeit gab, so den Durst zu stillen.

Manchmal mache ich das heute noch, wenn ich Durst habe: Ich drehe den Wasserhahn auf und halte die Hand unter und den Mund und trinke direkt aus dem fließenden Wasserstrahl.

Und ich erwische mich dabei, dass ich bei jedem Brunnen, an den ich komme, als erstes schaue, ob da Trinkwasser fließt. Ob ich die Hand hineinhalten und wenigstens mal probieren kann, wie das Wasser schmeckt, selbst wenn ich gar keinen Durst habe.

Denselben Durst wie auf Wasser habe ich auch manchmal auf Worte: Ich suche, ich sehne mich nach Worten, die gut tun, die erquicken, wieder lebendig machen. Spritzige, erfrischende Worte für mein Leben.

Wie gut tut es mir, wenn mir andere solche Worte sagen können. Worte der Liebe und des Verstehens. Worte der Ermutigung und der Motivation. Worte, die mich bereichern und anspornen. Die mich manchmal vielleicht auch kritisieren und wieder neu in die richtige Spur bringen.

Wo sind solche Worte zu finden? Worte, die man weitersagen kann. Worte, die weiterhelfen. Worte, die länger halten als die tägliche Wörter-Flut, die sich aus allen Kanälen über uns ergießt?

Der Evangelist Johannes hat es festgehalten: Jesus sagte: Wen dürstet, der komme zu mir und trinke! (Joh 7,37)

Hier gibt es Worte der Ermutigung und des Verständnisses. Worte der Liebe und der Versöhnung. Worte zur Orientierung und zum Weitersagen. Worte, die helfen, meinen Durst nach einem gelingenden Leben zu stillen, weil sie von Gott selbst kommen. Und Gott hat seine Worte noch immer auch in die Tat umgesetzt.

„Bei dir, Gott, ist die Quelle des Lebens“, stellt der Psalmbeter fest (Ps 36,10) – Ich wünsche Ihnen, dass auch Sie bei Gott Worte finden, die Ihnen für Ihr Leben gut tun.

Ihr
Pfarrer Andreas Specht

Hausener Wasserspiele
Der Glaube in kriegerischen Zeiten
Luthers Deutsche MEsse
u.v.m.

Gemeindebrief Sommer 2016

Titelseite des Gemeindebriefes Sommer 2016
Titelseite des Gemeindebriefes Sommer 2016

Liebe Gemeinde,

manchmal hat man so „Aha-Erlebnisse“. So ging es mir als ich auf der Suche nach einem Titelbild für den Gemeindebrief, den Sie gerade lesen, unsere Fotos anschaute. Ein Foto zum Thema Seelsorge sollte es sein. Es sollte sommerlich sein, ansprechend, vielleicht meditativ und zum Seele baumeln lassen. Ich hatte ein schönes Foto entdeckt auf dem mein Mann auf der Gartenschau in Gießen in einer orangen Hängematte seine Seele baumeln lässt. Ich erinnerte mich noch gut an diesen Tag. Blauer Himmel, Sonnenschein, wir bewunderten die Blumen und es ging uns gut.

Beim Durchstöbern der Fotos blieb mein Blick an einem anderen Foto hängen. Sie sehen es als Titelfoto auf dem Gemeindebrief. Auf der Gartenschau war mit grauen Steinwänden ein Raum aufgebaut worden. Die Wiese war der Fußboden, der Himmel war die Decke, graue Wände bildeten den Raum, Fenster hoch oben ermöglichten den Blick auf die Außenwelt. Wer wollte, konnte die Wände mit farbiger Kreide beschriften.

Als ich das Foto gesehen habe, hatte ich das Gefühl, ja, das ist es. Dieses Foto drückt für mich aus, was Seelsorge bewirkt. Seelsorge öffnet einem Menschen ein Fenster.

Manchmal sieht man durch dieses Fenster den Himmel und spürt Freiheit, Weite und Gottes Liebe. Manchmal sieht man den neuen Weg, der sich eröffnet, manchmal den nächsten Schritt, den man gehen kann. Manchmal sieht man sich selbst in einem neuen Licht. Manchmal spürt man: das tut jetzt einfach nur gut.

Nicht nur Pfarrerinnen und Pfarrer sind Seelsorger. Manchmal sind es Familienmitglieder, Freunde, Nachbarn, Arbeitskollegen. Manchmal ist man selbst Seelsorger für andere. Immer wieder ist es auch nötig, dass man auf sich selbst achtet und selbst für seine Seele sorgt.

Seelsorge hat viele Gesichter. In unserem Gemeindebrief können sie einige davon entdecken. Da gibt es die Seelsorge, die auch so heißt: z.B. die Telefonseelsorge. Wenn man einen Gottesdienst besucht, sorgt man auch für seine Seele. Man singt, betet, hört auf Gottes Wort, ist mit anderen zusammen und unterbricht für 45 Minuten den Alltagstrott. Wenn man gemeinsam mit anderen etwas erlebt, so wie die Konfis in ihrer Konfizeit, wie die Pilger auf der Pilgertour, die Menschen in den verschiedenen Gruppen, dann tut man auch so der Seele etwas Gutes. Wenn man sich für andere engagiert, sorgt man nicht nur für die eigene Seele, sondern auch für die anderer Menschen. Das erleben die Ehrenamtlichen im Besuchskreis, in der Flüchtlingsbetreuung und in den Kindergruppen.

Ich wünsche uns allen, dass für uns in diesem Sommer viele Fenster aufgehen und Licht und frischer Wind in unser Leben kommt.

Ihre
Christine Specht

Ausflugs in Bibelmuseum
Telefonseelsorge
Pilgersamstag
u.v.m.

Gemeindebrief Frühjahr 2016

Titelseite des Gemeindebriefes Frühjahr 2016
Titelseite des Gemeindebriefes Frühjahr 2016

Liebe Gemeinde,

als ich mir neulich die Wiese vor unserer Kirche betrachte, fällt mein Blick auf einen einzelnen grünen Grashalm. An seiner Spitze ballt sich der morgendliche Tau zu einem kleinen Wassertropfen. Das Sonnenlicht bricht sich darin und ich kann ein Farbenspiel beobachten. Während ich den Tropfen weiter betrachte, gerate ich immer mehr ins Staunen. Ins Stauen über die Vielfalt der Schöpfung. Gerne möchte ich den Moment des Staunens festhalten. Leider ziehen Wolken auf und alles vergraut. Das Farbspiel nimmt sein Ende und auch mein „Staunensmoment“ bricht in sich zusammen. Da fallen mir Worte eines berühmten Theologen des 19. Jahrhunderts ein, die ich aus dem Studium im Kopf behalten habe: Flüchtig und durchsichtig.
Diese beiden Worte beschreiben für DANIEL FRIEDRICH SCHLEIERMACHER einen zutiefst religiösen Moment: „Flüchtig ist er und durchsichtig wie der erste Duft womit der Thau die erwachten Blumen anhaucht, schamhaft und zart wie ein jungfräulicher Kuß <..>“ Doch was soll das bedeuten?

Schleiermacher spricht hier von einem ganz bestimmten Gefühl. Eine Empfindung, die uns ergreift und uns deutlich macht, dass etwas Unendliches hinter dieser Schöpfung stehen muss. Dass nicht wir die Urheber dieser Schönheit sind. Dass nicht alles von uns abhängt, sondern wir von einer nicht fassbaren Größe. In einer Zeit, in der die Aufklärung mit den großen Programmen der Vernunft und der Freiheit Europa grundlegend verändert hatte, waren das vermutlich eher eigenartige Überlegungen. Nicht gerade en vogue. Heute vielleicht auch?

In gewisser Weise schon: Wir erleben uns heute als tätige Menschen. Wir sind es die unser Leben gestalten. Dabei wollen wir möglichst kreativ sein. Wir sind es die arbeiten, wir sind es die sich um unsere Familien kümmern – und natürlich sind wir es von denen alles abhängt. Natürlich ist es an uns gelegen Vieles zu tun. Das ist gut so! Aber es gibt auch ganz andere Momente. Das können ganz Wunderbare sein, wenn ein Mensch geboren wird und wir kaum fassen können wie ein Leben einfach so beginnt; aber auch sehr traurige, wenn uns alles entgleitet und wir an die Grenzen unserer eigenen Handlungen kommen. Wenn sich Dinge ereignen, die wir nicht in der Hand haben. Für die es auch keine Erklärungen gibt. Dann scheint es auf einmal wesentlich schlüssiger für uns, dass da noch jemand sein muss, der zuständig ist. Mit beidem leben wir. Tagaus, tagein. Und daran kann uns ein solcher Moment erinnern, wenn wir morgens durch die Stadt gehen und wir ihn wahrnehmen, diesen ganz besonderen „Duft womit der erwachte Thau die Blumen anhaucht <…>“.

Gottes Segen für Sie,
Johannes Lohscheidt

Weitere Inhalte aus dem Gemeindebrief:
Vikariat – Schulpraktikum
Flüchtlinge heute – Gastarbeiter damals
Stadtjugendpfarrer Alexander Klein
u.v.m.

Gemeindebrief Winter 2015/2016

Ein Licht geht mir auf

Titelseite des Gemeindebriefes Winter 2015/2016
Titelseite des Gemeindebriefes Winter 2015/2016

Nanu? Was ist denn das? Ein schneebedecktes Windlicht. Sieht das Zusammenspiel von einer in gefrorenem Eis geborgener Kerze und Einmachglas nicht wunderschön aus?

Betrachte ich mir das Windlicht genauer fällt auf, dass die Kerze in ihm nicht brennt. Kann es auch nicht. Die Flamme der Kerze ist von dem aufkommenden Niederschlag ausgelöscht worden und die Kerze ist nun gänzlich mit Schnee bedeckt.
Für uns heute kein Problem. Wir holen uns ein Streichholz oder ein Feuerzeug herbei und zünden die Kerze im Windlicht schnell wieder an.

Versuchen wir uns aber in Zeiten zurück zu versetzen, in denen es noch kein elektrisches Licht gab. Streichhölzer kosteten noch ein Vermögen und es leuchtete noch in keiner Straße eine Laterne.

Wie finster muss es gewesen sein. So dunkel, dass man in einer mondlosen Nacht mit bedecktem Himmel die eigene Hand vor Augen nicht erkannte. In solch einer Nacht stellen wir uns nun unser Windlicht vor.

An einen Baum gehängt und für alle sichtbar, die im Dunklen noch draußen sind. Es ist der einzige Orientierungspunkt weit und breit. Es ist das einzige, was einen davor bewahrt in einer dunkeln, kalten Nacht vom rechten Weg abzukommen und vielleicht zu erfrieren. Es ist überlebensnotwendig.

Plötzlich merken wir, wie sich unser Verhältnis zum Licht ändert. Jetzt geht von ihm eine unglaubliche Wirkung auf uns aus.
Ein Licht im Dunkel. Es ist Orientierungspunkt, auf den ich meinen Blick richten kann. Vielmehr noch: Ich bin vollständig auf die Leuchtkraft des Lichtes in der Dunkelheit angewiesen. Es bietet mir Schutz und erleuchtet mir den Weg – Schritt für Schritt. So weiß ich wohin ich gehe und es ist mir gleichsam ein Wegweiser. Außerdem geht von dem Licht eine behagliche Wärme aus, die mich, obwohl es so klein ist, innerlich erwärmt.

Zünden wir also die Kerze in dem Windlicht erneut an, damit es wieder zu einem Orientierungspunkt werden kann. Die Kraft des Lichts lässt die Dunkelheit leuchten.

Eben solch einen Orientierungspunkt bietet uns der Psalmist, indem er Gottes Wort mit der Kraft des Lichtes vergleicht:
„Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg.“ (Psalm 119,105)

Sehe ich also ein Windlicht in der dunklen Jahreszeit, oder zünde eine Kerze an, kann ich mich gleich dieser Kraft erinnern, die diese kleine Flamme in sich birgt. Sowohl die Kraft des Lichts als auch die Kraft, die sich in Gottes Wort birgt.

„Ein Licht geht mir auf, in der Dunkelheit!“
Ihre Marisa Mann

Weitere Inhalte aus dem Gemeindebrief:
Vorstellung Marisa Mann
Klinik- und Krankenhausseelsorge
Eine neue Altarplatte
u.v.m.