„Heimat“ greifbar machen

An einem Freitag Ende Januar sind in der Hausener Kirche alle Bänke eng besetzt. Kinder führen ein Musical auf. Die ersten Sätze des kleinen Erzählers umreißen die Spannungen im 2000-Seelen-Dorf. „Besonders in letzter Zeit gibt es ständig Ärger in der Schule. Immer wieder geraten Leute aus unterschiedlichen Ländern mit verschiedenen Religionen aneinander.  Nicht selten wird es handgreiflich. Manchmal kann man überhaupt nicht verstehen, warum sich Leute streiten, die nur verschiedene Religionen haben!“

Vordergründig erzählt das Singspiel von der Sklaverei und der Flucht, die Moses und die Israeliten vor Jahrtausenden erlebt haben. Doch um die biblische Geschichte herum hat Beate Korf aus Hausen den Alltag in Kindergarten und Schule verwoben. Seit vielen Jahren leitet sie gemeinsam mit Birthe Steiß die Arbeit mit Kindern in der Kirchengemeinde. Nun hatte die Grundschule Beate Korf gebeten, aktiv zu werden. Denn dort traten in letzter Zeit zunehmend Spannungen zwischen den Kindern auf, die die Lehrerinnen vor Herausforderungen stellen.

Seit Jahren wird Hausen, am östlichen Gießener Stadtrand gelegen, multi-kultureller. Zahlreiche aramäische Familien sind zugezogen, „weil sie ihre christliche, syrisch-orthodoxe Tradition und ihren Glauben in der Türkei oder in anderen muslimischen Ländern im Mittleren Osten ohne Diskriminierung nicht leben konnten“, erzählt Beate Korf. Nach 2015 flohen nun auch muslimische Familien vor dem Krieg in Syrien und dem Irak in eine für sie fremde Umgebung. Wie auch Menschen aus Afghanistan oder Nordafrika landeten sie in Hausen. Daraus erwachsen Spannungen und die zeigen sich zuerst in der Schule. In einer überschaubaren Einrichtung wie der Hausener Grundschule sind Kinder aus über zehn Nationen vertreten. „Heimat“, diese Kategorie ist im Wandel, global und genauso am Schiffenberg.

Im Musical werden die unterschiedlichen Perspektiven krass offenbar. Die Kinder singen: „Was wollt ihr hier in unsrem Land | hat euch wer von zu Haus verbannt? |Ihr seid ganz anders, seid uns fremd, |ich muss es sagen- ungehemmt!“ Ihnen wird geantwortet:  „Was soll‘n wir hier, es ist so kalt, | gibt wenig Freundschaft, viel Gewalt! | Versteh’n kein Wort hier, sind allein, | Soll das die neue Heimat sein?“

Beate Korf ist eine gute Vermittlerin. Seit vielen Jahren verantworten die Lehrerin Birthe Steiß und sie im Team in der Kirchengemeinde Hausen die Kinder- und Jugendarbeit. Beate Korf vermittelt Inhalte mit Musik. Die promovierte, aber nicht praktizierende Ärztin, die auch in Lich und Laubach aktiv ist, gestaltet seit 1998  gemeinsam mit der Birthe Steiß und einem Team aus Jugendlichen  die monatlichen Treffen „Bibel auf – hereinspaziert“.

Vor dem Hintergrund zunehmender Spannungen zwischen den Schülern  bittet die Schulleiterin Mareike Kollmann Beate Korf, die in der 1. und 2. Klasse der Hausener Grundschule Musik unterrichtet und den Schulchor leitet, um Unterstützung bei der Planung und Gestaltung der Projektwoche. Kollmann weiß von der Arbeit mit Kindern in der Kirchengemeinde  zum Jahresthema „Heimat“. Dieses Projekt wurde  2019 vom Evangelischen Dekanat Gießen gefördert, das Mittel für ein Jahresthema „Heimat. Lust auf Region“ ausgelobt hatte.

So entsteht das Musical „Fern der Heimat. Und wo sind Milch und Honig? Auszug aus Ägypten“. Beate Korf schrieb die Texte, ihre Tochter Johanna Korf, Kantorin in Mansfeld (Südharz), komponierte die Musik. Jahr um Jahr verfassen die beiden Musicals für die Ferienspiele im Sommer und für Weihnachten. Kinder vom Kindergartenalter bis zur 8. Klasse singen und spielen dabei mit.

„Unser Ziel war es, das Thema Heimat für Kinder greifbar zu machen. Dass sich Heimat verändert, dass Familien ihre Heimat verlassen mussten und im Ort neue Heimat finden mussten, ist uns in Hausen und Garbenteich vertraut.“ 

Deutlich wurde Beate Korf dabei, die Maßstäbe für Heimat sind zwar unterschiedlich und geprägt von der individuellen Biografie und doch bilden sie die gleichen ur-menschlichen Bedürfnisse nach Geborgenheit und Sicherheit ab. Heimat das ist in der Welt von Kindern Familie, Freunde, eine vertraute Sprache, gemeinsames Essen, das nach Kindheit schmeckt, Geschichten, Musik, religiöse Riten, angenehmes Klima und Landschaft.

In den Gesprächen nimmt sie viele Ängste vor dem Fremden wahr. Die Aramäer sorgen sich vor einer Zunahme von Muslimen. Die Muslime vor der Missionierung in einer christlich geprägten Umgebung. Und die alteingesessenen Hausener Familien fürchten den Verlust heimatlicher Traditionen, die seit Generationen das Leben am Schiffenberg prägen.

Beate Korf und Birthe Steiß machen die Erfahrung, dass die Kinder, die Freunde quer durch alle Kulturen haben, die Ängste der Eltern hören und teilweise übernehmen.

Birthe Steiß und Beate Korf arbeiten mit Kindern zwischen vier und sechzehn Jahren. Bevor sie die Texte des Musicals schreibt, hat sich Beate Korf eingearbeitet, Bücher gelesen und mit Eltern gesprochen.  „Wir haben versucht, Raum zu geben, um offen über die Spannungen zu reden.“  Auch die Kinder durften bei den „Bibel auf“-Terminen ungeschützt und ohne moralische Sanktionen sprechen. Sie haben durch das Miteinander in den Gruppen der Kirchengemeinde und in der Schule aber auch schon gelernt, die Unterschiede gelassener darzustellen.

Während der „Heimat“-Sommerspiele 2019 geht das Team nicht nur auf evangelische, sondern auch syrisch-orthodoxe und muslimische Kinder zu. Dass ihr Hauptdarsteller Mose eine über Konfessions- und Religionsgrenzen hinweg verbindende Gestalt ist, macht das etwas leichter. Wenn auch muslimische Eltern nicht zur Aufführung in der Hausener Kirche kamen, so besuchten sie doch das Sommerfest im Pfarrgarten, das gemeinsam mit dem „Lernraum“ Pohlheim und Flüchtlingshelfern aus Hausen gefeiert wurde. Beate Korf sagt: „Ich akzeptiere, dass Muslime die Kirche nicht betreten wollen. Ich vertrete deutlich meinen christlichen Glauben. Und doch suche ich nach Gemeinsamkeiten zwischen den Menschen, die hier leben.“ So heißt der Laternenumzug für die Hausener Grundschüler im November auch weiterhin St.-Martinsfest. Gefeiert wird es in einem Gottesdienst. Auch hier kommen nicht alle Eltern in die Kirche, sind aber beim anschließenden Fest im Gemeindesaal dabei.

An der Projektwoche mit dem Mose-Musical im Januar beteiligen sich rund ca. 75 Kinder und das gesamte Kollegium der Grundschule Hausen. Während Beate Korf mit der Theatergruppe  in vier Tagen die anspruchsvollen Texte und Lieder in der Kirche probt, üben die 1. und 2. Klässler ihre Auftritte als farbenfrohe Statisten. Zeitgleich werden in der Schule Kulissen gebaut, Kostüme genäht, Requisiten gebastelt und das Thema inhaltlich besprochen. Zum Abschluss jedes Projekttags kommen alle für eine Schulstunde in der Kirche zusammen, um gemeinsam die Refrains der Lieder zu singen und die Szenen mit den kleineren Theaterspielern zu proben.

Am letzten Projekttag ist die Hausener Kirche voll wie sonst am Heiligen Abend. Und in den Bänken sitzen als stolze Zuschauer christliche und muslimische Eltern einträchtig nebeneinander. Für die Lehrerinnen und Lehrer ein Hoffnungszeichen und für Beate Korf ein im Grund wunderbarer Abschluss ihrer langjährigen Kinder- und Jugendarbeit. Denn im kommenden Jahr wollen sie und Birthe Steiß aufhören.

Da wird etwas fehlen in Hausen.

22. März, 15 Uhr, Familiengottesdienst „Heimat“ in der  Hausener Kirche, anschl. Kaffee im Gemeindehaus.

Text: Matthias Hartmann

Gemeindebrief Winter 2019/2020

„Dann nehme ich mal den Hut“ – Gedanken von Frank Paulmann

Liebe Gemeinde,
wie doch die Zeit vergeht. Mit dem 31. Dezember 2019 wird es mehr als ein Jahr sein, dass ich bei Ihnen in Garbenteich und Hausen die Vertretung übernommen habe.

Ich möchte Ihnen Dankeschön sagen, denn ich bin von beiden Gemeinden herzlich aufgenommen worden. Die Zeit war angefüllt mit viel Betriebsamkeit, die ich in Ihren Gemeinden miterlebt habe und begleiten durfte.

Einige möchte ich in Erinnerung rufen: Einschulungsgottesdienste im August, Adventstreff Ende November, Hirtenandacht auf dem Schiffenberg, Christmette an Heiligabend mit meiner Frau und Tochter, Sitzungen mit den Kirchenvorständen, Geburtstagsbesuche, Mitgehgottesdienst, Bürozeiten mit Frau Hickmann, Gottesdienst im Grünen in Hausen, Erntedankgottesdienst auf dem Hof Will mit meiner Tochter und den Puppen KiKi und Tim, Dienstbesprechungen mit der Kollegin Marisa Mann.

Ich durfte Menschen kennenlernen und das Lachen mit Ihnen teilen. Auf der anderen Seite wurde mir manche Not anvertraut und manches Weinen mit mir geteilt. Ich war bemüht, stets ein offenes Ohr und ein ebensolches Herz für Sie und Ihre Anliegen zu haben.

Dadurch dass ich nicht in der Gemeinde im Pfarrhaus vor Ort wohnhaft war und durch den dreimonatigen Ausfall auf Grund meines Unfalls konnte ich nicht so präsent sein, wie ich es als ehemaliger Landpfarrer in den davor liegenden 18 Jahren gewohnt war. Bei den Menschen, denen ich etwas schuldig geblieben bin, möchte ich mich entschuldigen und bitte um Nachsicht.

Während der Zeit in Ihren Gemeinden konnte ich zum Ende meiner beruflichen Laufbahn nochmals interessante Erfahrungen sammeln. Dafür möchte ich ein herzliches Dankeschön sagen.

Nun ist es an der Zeit „meinen Hut zu nehmen“, ein wenig wehmütig und zugleich zutiefst dankbar wünsche ich Ihnen Segensreiches.

Mit dem 1. Januar 2020 werde ich in Pension gehen und damit fängt für mich ein neuer Lebensabschnitt an, dem ich erwartungsvoll entgegen schaue.

Seien Sie Gott befohlen und alles Gute für die kommende Zeit wünscht Ihnen

Ihr Pfarrer Frank Paulmann

Pfarrer Frank Paulmann wird am 3. Advent, Sonntag, 15. Dezember, 15 Uhr, in der Kirche in Garbenteich durch Propst Matthias Schmidt von seinen Aufgaben entpflichtet und verabschiedet.

Gemeindebrief Herbst 2019

Gedanken von Frank Paulmann

Titelseite Gemeindebrief Herbst 2019
Titelseite Gemeindebrief Herbst 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,
wenn Sie diese Zeilen lesen, dann liegt der Sommer hinter uns und wir gehen mit großen Schritten auf den Herbst zu. Noch mögen die Sonnenstrahlen des Spätsommers unsere Herzen erfreuen, aber das Ende des Spätsommers ist absehbar.

Jedoch der Herbst hat auch seine schönen Seiten. Es ist die Zeit, in der die Tage kühler, kürzer und auch stürmischer werden. Die besondere Schönheit bildet sich heraus in der Farbenpracht der reif gewordenen Früchte und in der Blätterfärbung der Bäume. Das Morgenlicht und Abendlicht im Herbst lässt die Natur in seiner eigenen unverwechselbaren Farbenpracht erscheinen.

Die Natur schmückt sich nochmals in voller Pracht bevor dann alles kahl und trist wird.

Der Herbst ist auch die Zeit der vielen Feste. Angefangen im September und Oktober mit den Weinfesten, über die zunehmend gefeierten Apfel-, Kartoffel- und Kürbisfeste bis hin zum Erntedankfest.

Das Erntedankfest lenkt unseren Sinn darauf, dass Gott der Schöpfer ist, der mich versorgt mit allem was ich zum Leben brauche, ja weit über das Nötigste hinaus. Gerade der letzte Sommer mit seiner extremen Hitze hat uns mehr denn je spüren lassen, wie eingebunden und abhängig wir Menschen vom Kreislauf der Natur sind.

Mit dem Erntedankfest erinnern wir Christ*innen an den engen Zusammenhang von Mensch und Natur. Die Kirchen werden festlich mit Feldfrüchten ausgeschmückt und es gibt uns Anlass dem Schöpfer Dank zu sagen. Darüber hinaus bietet das Erntedankfest die Möglichkeit, den Blick auf die Verantwortung des Menschen für die Schöpfung zu schärfen.

Wenn wir weiter auf das Kirchenjahr schauen, erleben wir, dass nach der Sommerzeit mit der langen kirchlichen Trinitatisphase im Herbst das kirchliche Gemeindeleben auch wieder bunter und reichhaltiger wird. Wir feiern das Erntedankfest, den 9. November mit der Friedensdekade, den Reformationstag und ein von Kindern besonders geliebtes Ereignis, den St.-Martins-Tag. Es folgt der Buß- und Bettag und mit dem Ewigkeitssonntag schließt sich der Kreislauf des Kirchenjahres.

Nicht nur in der Natur erleben wir unsere Eingebundenheit von Werden und Vergehen, sondern das Kirchenjahr spiegelt es uns mit dem ihm eigenen Feier- und Gedenktagen wieder.

Wenn das Kirchenjahr mit dem Ewigkeitssonntag seinen Schlusspunkt setzt, dann wird an diesem Gedenktag besonders deutlich, dass Gott meine Zeit in seine Hände nimmt. Der Psalm 36 bringt das mit seiner Aussage „Meine Zeit steht in deinen Händen“ auf den Punkt.
Diese Getragensein von Gott, vom Anfang bis zum Ende, in guten wie in schwierigen Lebensphasen hat der Kabarettist Hanns Dieter Hüsch in seinem Gedicht „Ich bin vergnügt, erlöst, befreit“, in wunderbaren Worten aufgenommen und in einer Leichtigkeit beschrieben, die Trost und Hoffnung gibt. Dieses lyrische Werk mag ein Trost sein, wenn die Natur nach dem Herbst ihr Farbenkleid abwirft und die Tage trister und dunkler werden.

Es mag unsern Geist in jener Zeit erfrischen.

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit.
Gott nahm in seine Hände meine Zeit,
mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Verzagen,
das Elend und die Zärtlichkeit.
Was macht, dass ich so fröhlich bin
in meinem kleinen Reich?
Ich sing und tanze her und hin
vom Kindbett bis zur Leich.
Was macht, dass ich so furchtlos bin
an vielen dunklen Tagen?
Es kommt ein Geist in meinen Sinn,
will mich durchs Leben tragen.
Was macht, dass ich so unbeschwert
und mich kein Trübsinn hält?
Weil mich mein Gott das Lachen lehrt
wohl über alle Welt.
Ich bin vergnügt, erlöst, befreit.
Gott nahm in seine Hände meine Zeit,
mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Verzagen,
das Elend und die Zärtlichkeit.

Hanns Dieter Hüsch

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gute und erlebnisreiche Herbstzeit. Möge Gott unser Fragen und Suchen, unser Tun und Lassen in seine Hände nehmen.

Mit segensreichen Grüßen
Pfarrer Frank Paulmann

Gemeindebrief Sommer 2019

Gedanken von Jutta Hofmann-Weiß

Titelseite Gemeindebrief Sommer 2019
Titelseite Gemeindebrief Sommer 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

Sommerzeit – das ist die Zeit, in der wir uns gerne Pausen gönnen. Ob nun in der Ferne oder zuhause. Pausen sind keine „leeren Zeiten“, sondern im Innehalten kann vieles geschehen. Pausen sind nicht nur Regenerationszeiten, wenn Körper und Seele erschöpft sind. Pausen sind nicht nur die Zeiten, in denen wir von Lebensumständen gezwungen werden unseren Alltag zu unterbrechen. In Pausen kann ich zu mir selbst finden und zu Gott. In Pausen kann ich neue Lebenskraft und neuen Lebensmut schöpfen. Solche Pausen brauchen die Achtsamkeit. Achtsam sein heißt hier nicht vorsichtig sein. Das ist etwas anderes. Achtsam sein – so habe ich es gelernt – hat etwas mit der Fähigkeit zu tun, ganz in der Gegenwart zu sein und den Moment genießen zu können. Sich nicht in der Vergangenheit zu verlieren und sich nicht um die Zukunft zu sorgen. Achtsamkeit braucht Entschleunigung, denn im Hetzen und Rennen geht uns Aufmerksamkeit verloren. Achtsamkeit hat etwas mit dem Mut zu tun, gut wahrzunehmen, mich selbst, meinen Lebensraum und auch meine Mitmenschen. Mit Achtsamkeit, das ist meine Erfahrung, werden Pausen zu Zeiten in denen wir neu wahrnehmen können, was alles unser Leben reich, wertvoll und schön macht.

Achtsam sein zu können ist nicht selbstverständlich und auch nicht immer einfach. Man kann es üben und darum gibt es dazu auch viele Anleitungen. Eine davon kann in der Sommerzeit das Lied sein: „Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser schönen Sommerzeit an deines Gottes Gaben……“ Der Liederdichter Paul Gerhardt schaut genau hin und beobachtet die Natur. Dabei müssen die Füße nicht weit gehen, das Herz ist gefragt, d.h. man sieht die Welt mit dem Herzen und mit der Seele. Tiere wie der Storch, die Glucke oder die Bienen, Pflanzen wie der Weizen, die Bäume und Blumen werden im Lied zum Zeichen dafür, wie gut Gott es mit uns meint und wie sehr er uns das Leben in Fülle schenkt. Aufmerksamkeit für die Wunder der Natur lassen uns staunen und wir können uns über die Vielfalt des Lebens freuen. Kinder sind übrigens gute „Achtsamkeitsbegleiter“, denn sie können sich noch über vieles freuen und staunen, was für uns schon längst selbstverständlich geworden ist.

Auch Jesus war äußerst achtsam, er hat zum Beispiel die Lilien auf dem Felde und die Vögel am Himmel zum Zeichen dafür gemacht, wie gut er für uns sorgt und dass wir unser Leben ihm immer wieder anvertrauen können.

Ich wünsche uns allen wunderbare achtsame Momente und Pausen gerade in diesen Sommermonaten. Dass wir Muße haben genau hinzuschauen, dass wir Wunder der Liebe und Kraft Gottes entdecken und dann die Freude finden, nach der das Herz sucht.

Es grüßt Sie herzlich
Pfarrerin Jutta Hofmann-Weiß

Gemeindebrief Frühjahr 2019

Gedanken von Marisa Mann

Titelbild Gemeindebrief Frühjahr 2019
Titelbild Gemeindebrief Frühjahr 2019

Liebe Gemeindebriefleserinnen und -leser, kennen Sie den Ausspruch: „Seid friedlich!“?
Mir ist er als Kind begegnet und ich habe ihn nach längerer Zeit an so mancher Stelle selbst gebraucht. „Seid friedlich!“.

Denn in einigen Fällen kann schon ein Wort oder sogar eine Geste einen Vulkan auslösen. Da fällt es schwer einfach darüber hinwegzuhören oder -zusehen und schon ist die kurze Zündschnur angefeuert und der augenscheinliche Frieden vorbei. Denn es gibt sie überall, diejenigen, die mit Begeisterung darauf warten, verborgen wieder ein Kämpfchen anfangen zu können. Dann ist die Provokation da und der liebe Friede gefährdet. Da hinein wird es gesprochen, das kleine Machtwort „seid friedlich“.

Beim näheren Hinsehen fällt auf, Frieden zu wahren ist nicht einfach, sich in einem friedlichen Miteinander zu bewegen nicht selbstverständlich. Sei es in unseren Familien, Freundeskreisen oder in Kirchen und Gemeinden, Stolperfallen auf dem Weg zum Frieden gibt es überall. Zerbrechlich ist er und auch oft genug viel zu leicht aufs Spiel gesetzt.

„Suche Frieden und jage ihm nach!“, fordert David im 34. Psalm. Dies ist die gewählte Jahreslosung für das schon angebrochene Jahr 2019. Doch diese Losung ist bedeutungsschwanger, denn sie geht an die Grundfesten von Beziehungsgeschehen und ist daher aktueller denn je.
Vielfach wird von Frieden geredet: „Den Frieden wahren“; „Um des lieben Friedens willen“; „Den Weg des Friedens gehen“. Und es ist gut darüber zu reden, denn die allgemeine gesellschaftliche Großwetterlage zeigt momentan eher Bruch – statt Beistand, eher die harte, kalte Schulter – statt Schulterschluss. Es zeigt sich, viele sehnen sich nach Frieden. Doch Anspruch und Wirklichkeit klaffen oft weit auseinander. Wie oft sind der neidvolle Blick auf andere oder unterschwellige Sorgen, im Leben zu kurz zu kommen, Ursachen für Streit und Auseinandersetzungen.

Daher eine tiefgründige Jahreslosung, die aber auch ein zusagendes „Machtwort“ ist. Denn sie bringt eines der facettenreichsten Worte wieder ins Gespräch: Frieden! Auf Hebräisch Schalom, was nach Gesenius und bibelwissenschaft.de u.a. „ungefährdetes Wohlergehen, Glück, Ruhe und Sicherheit“, „lebensfördernde Geordnetheit der Welt“ oder auch „Zufriedenheit“ unter dem Schirm Gottes bedeuten kann.
Renate Karnstein drückt es so aus: „ ‚Schalom‘ meint eine tiefe Sehnsucht nach einer heilen, unversehrten Welt, in der keine Gefahr mehr droht. ‚Schalom‘ ist die unverbrüchliche Hoffnung auf ein gerechtes und alle Feindschaft überwindendes Miteinander der ganzen Schöpfung.“

Der Friede bzw. ‚Schalom‘ ist also für die allgemeine Großwetterlage eine Grundfeste. Sei es also in unserer Beziehung zu Gott, in persönlichen Beziehungen oder auf der Großen Weltbühne, überall kann ein Stück des Schalom werden bzw. ich ihm nachjagen. Im Kleinen z.B. indem ich mich frage, gibt es etwas, was eine Beziehung zum Zerbrechen gebracht oder gestärkt hat? Was im Handeln lähmt oder bereichert? Oder auch im Großen mit dem kritischen Blick, tut es Not immer auf die populistischen Laute zu hören oder spitzt man doch lieber mal die Ohren für die Zwischentöne des Friedens?
Einfach ist es nicht, aber es lohnt sich. Ich selbst kann aktiv werden, mich einbringen, Frieden suchen und ihm nachjagen. So wünsche ich Ihnen und uns allen ein gutes Jahr 2019 mit vielen Begegnungen, die ein Stück von der heilen Welt Gottes auf Erden spürbar werden lassen.

Es grüßt herzlich, Marisa Mann

Gemeindebrief Winter 2018/2019

Gedanken von Frank Paulmann

Titelbild Gemeindebrief Winter 2018/2019
Titelbild Gemeindebrief Winter 2018/2019

Liebe Leserin, lieber Leser,
irritierend: Was haben denn bloß diese vielen Fahrräder auf dem Bild mit Weihnachten zu tun?
Wenn Sie diese Zeilen lesen, dann sind es vielleicht noch vier Wochen bis Weihnachten.
Bekommen Sie schon Panik?
Als wir mit der Familie in Holland waren, sind wir viel mit dem Fahrrad unterwegs gewesen. Wie Sie an dem Bild sehen, waren wir nicht die einzigen Fahrradfahrer. Die Fahrradständer waren manchmal, wenn wir unsere Fahrräder wieder abholen wollten, total überfüllt, ganz so wie zu sehen ist.
Und natürlich stellt sich die Frage, wie man in diesem Chaos seinen „Drahtesel“ wieder finden kann.
Vier Wochen bis Weihnachten.
Für uns läuft also der Countdown. Und alle Jahre wieder stellt sich bei vielen Menschen die bange Frage: „Bekomme ich bis zu den Festtagen alles hin?“
Zwei Antworten gibt es darauf: Ja oder nein.
Wenn alles klappt, dann ist es gut. Weihnachtsgrüße wurden rechtzeitig verschickt, für jeden sind die richtigen Geschenke schon ausgewählt. Der Essensplan und die Einkaufsliste sind geschrieben. Ja, alles ist gut geplant und vorbereitet. Die Wohnung, wie sollte es auch anders sein, ist oder wird aufgeräumt und auf Hochglanz gebracht.
Was aber, wenn es nicht gut geht? Was, wenn die letzten Tage vor Weihnachten das Chaos ausbricht? Sollte man sich da noch mal schnell Druck machen? Sollte man sich da noch mal abhetzen „bis zum geht nicht mehr“? Warum eigentlich?
Wie wäre es, wenn sie gerade die letzten Tage vor Weihnachten, wenn das Chaos ausbrechen „will“, genießen und sich Zeit für sich nehmen.
Zeit nehmen dafür was Ihnen wichtig und wesentlich ist.
Für eine Tasse Kaffee oder Tee, einen Spaziergang, den Besuch einer guten Freundin oder eines guten Freundes, die Lektüre eines guten Buches oder, oder, oder…Sie werden garantiert mehr Atem am Heiligen Abend haben und ausgeglichener sein.
Freunde, Verwandte und Familie, wenn sie einen wirklich lieb haben, verstehen, dass es ein einfacheres Essen gibt.
Sie verstehen es, dass Küche und Wohnung so aussieht, dass man sieht und merkt, hier wird gewohnt, hier wird gelebt.
Sie verstehen es, dass Geschenke noch nicht eingepackt oder auch mal ein paar Tage später, nach Weihnachten überreicht werden – bei einem urgemütlichen Treffen bei einer Tasse Kakao oder Kaffee. Vielleicht zwischen den Jahren und dann mit ganz viel Zeit. Was macht es denn?
Das Christkind liegt in der Krippe. Im Stall ist es zwar warm aber es mieft von den Tieren, vom Ochsen und vom Esel. Schafe bringen Schmutz, Unruhe und einen scharfen Geruch mit in die gute Stube. Die Hirten geben sich alle Mühe, leise zu sein, aber sie scheppern und poltern wahrscheinlich unüberhörbar und auffällig. Und die Weisen? Ja, die Weisen haben total die Orientierung verloren und müssen sich erst nach dem rechten Weg erkundigen.
Liebe Gemeinde, der liebe Gott hat ein Herz für das Chaos, aus dem regelmäßig etwas ganz Wunderbares wird – wie schon am Anfang der Welt. Mag es manchmal auch noch so turbulent und hektisch zugehen vor dem Fest: Es wird Weihnachten. Verlassen Sie sich einfach darauf und genießen Sie es.
Und stellen Sie sich vor: Aus dem Fahrrad-Chaos in Holland haben wir unsere „Tretrosse“ nach einigem Suchen wieder herausgefischt. Es hieß Ruhe bewahren, ein wenig Abstand nehmen, den Blick schweifen lassen und darauf vertrauen, dass es schon gut wird. Siehe da, da waren sie ja unsere guten Stücke! Wie schon gesagt, der liebe Gott hat ein Herz für das Chaos (und für die Fahrradfahrer)!
Eine gesegnete Zeit wünscht Ihnen
Ihr Pfarrer Frank Paulmann

Gemeindebrief Herbst 2018

Sich erinnern

Titelbild Gemeindebrief Herbst 2018
Titelbild Gemeindebrief Herbst 2018

Ich hoffe, das Titelbild unseres Gemeindebriefes hat sie neugierig gemacht. Worum könnte es in diesem Gemeindebrief wohl gehen? Um Gedichte? Um die Schulzeit? Fast richtig. Es geht um verschiedene Facetten des Erinnerns. Wer ein Poesiealbum oder auch ein Fotoalbum in die Hand nimmt, taucht in eine Zeit ein, die vergangen ist. Wenn man den Vers liest und den Namen des Menschen, der ihn aufgeschrieben hat, dann sind da auf einmal ganz viele Erinnerungen. Man erinnert sich an Schulfreundinnen und -freunde, an schöne Erlebnisse, auch an Ärger. Es fällt einem auf, was sich seitdem alles verändert hat. Wie man sich selbst verändert hat. Manchmal denkt man „Gut, dass ich das hinter mir habe.“ Ein anderes Mal seufzt man „Es war doch eine schöne Zeit.“

Erinnern tut gut. Schöne Erinnerungen machen glücklich, zufrieden und dankbar. Erinnerungen an schwere Zeiten, lassen einen daran denken, wie man mit dieser Situation zurecht gekommen ist und machen Mut, wenn es im Leben wieder einmal schwer ist. „Damals habe ich es ja auch geschafft …“ Manchem fällt auch ein, wo und wie Gott geholfen hat und das lässt ihn hoffen, dass Gott ihm auch jetzt beisteht.

Für mich ist besonders der Herbst eine Zeit des Erinnerns. Wenn die Blätter bunt werden, die Sonne noch mal warm scheint, erinnere ich mich an schöne Sommertage, an Urlaub und gute Zeit. Am Erntedankfest erinnern mich die Blumen und Früchte daran, wie gut es mir geht und dass ich allen Grund habe Gott zu danken. Im November kommen dann mit dem Volkstrauertag und dem Ewigkeits- oder Totensonntag die Tage, die mich daran erinnern, dass jeder Mensch sterben muss – auch ich. Ich denke an die Menschen, die mir fehlen und die mein Leben geprägt haben und auch an die, die in den Kriegen ihr Leben verloren haben und heute unter Krieg leiden. Ich bin dankbar, dass ich in Frieden leben kann, und weiß, das ist nicht selbstverständlich.

Schöne und schwere Erinnerungen machen mich darauf aufmerksam, was ich in meinem Leben Gott verdanke. Wo er mich begleitet, was er mir Gutes geschenkt hat. Diese Erinnerungen bestärken mich in meinem Vertrauen, dass Gott für uns da ist. Komme was wolle.

Er vergisst uns nicht, er denkt an uns. Beim Propheten Jesaja in Kapitel 49,14-16 lesen wir: „Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn? Und selbst wenn sie ihn vergessen würde: Ich vergesse dich nicht. Siehe her: Ich habe dich eingezeichnet in meine Hände.“

Es tut gut, sich das immer wieder ins Gedächtnis zu rufen. Mir gibt es jedenfalls viel Sicherheit zu wissen, dass Gott mich sieht und an mich denkt.

Es grüßt Sie ganz herzlich
Ihre Christine Specht

Gemeindebrief Sommer 2018

Gedanken von Marisa Mann

Titelbild Gemeindebrief Sommer 2018
Titelbild Gemeindebrief Sommer 2018

Liebe Gemeindebriefleserin, lieber Gemeindebriefleser
Sommerzeit. Urlaubszeit. Mal aus dem Alltag ausbrechen, sich andere Länder, Kulturen und Eindrücke verschaffen. Mal was anderes sehen oder einfach mal den Alltag entschleunigen, sich in die Sonne setzen und den Tag genießen. Oder sich von diesem unbeschreiblichen Gefühl berauschen lassen, das einen überkommt, wenn man ans Meer fährt, die Meeresluft in vollen Zügen einatmet, den Sand unter den Füßen spürt und diese unbändige Kraft spürt, die das Meer in sich birgt. Dieses Gefühl von Unendlichkeit.
Wenn man nicht ans Meer oder in den Urlaub fahren kann – aus welchen Gründen auch immer – sucht man sich oftmals Rückzugsorte, z.B. im heimischen Garten, dem Baggersee oder dem Schwimmbad. Ganz keck sprach neulich auch eine junge Frau, Teamerin in der Konfiarbeit, vom Urlaub auf Balkonien.
Leider sind diese Orte meistens zu nahe an unserem eigenen Alltag, sodass es schwerfällt, diesen völlig aus seinem Kopf zu streichen. Geht es Ihnen auch so?
Was oftmals kurzerhand hilft, um den Alltag mal in weite Ferne rücken zu lassen, ist das Aufsetzen einer Sonnenbrille. Vielleicht so einer, wie sie auf dem Titelblatt abgebildet ist. Sonnenbrille auf die Nase und schon sieht die Welt ganz anders aus.
Sie lässt einen dieses Gefühl von sehnsüchtigem Urlaubsgenuss und sehnsüchtigem Innehalten mitten im Alltag so ein kleines bisschen spüren.
Muss man also, um dieses Gefühl von Unendlichkeit in den Alltag zu bekommen, diesem entfliehen? Oder können wir es auch schaffen im Alltagstrott einzuatmen, sich selbst zu spüren, und der Unendlichkeit, und so auch Gottes schöpfungsumspannender Liebe ganz nahe zu fühlen?
Setzen wir die Sonnenbrille auf, sorgt sie an sonnendurchfluteten Tagen für den nötigen „Durchblick“ und lassen uns mal einen ganz anderen Blick auf die Welt erhaschen.
Überall verbirgt sich etwas, aber wir sehen selten hin. Nach jedem Schöpfungstag wird über Gott gesagt: „Und Gott sah, dass es gut war!“
Wagen wir doch mal etwas. Indem wir einfach mal die „Sonnenbrille Gottes“ aufsetzen und versuchen, die Schöpfung aus seinem Blickwinkel zu betrachten und mit genau diesem Gefühl für einen kurzen Moment auf die Welt zu blicken. Da geht es schon los! Einfach mal unter dem geschützten, getönten Blick vor den anderen, den neuen Blick gewinnen. Ich fange an im eigenen Alltag die kleinen Wunder zu sehen, die einen umgeben.
Erstmal das „Ich“ wahrnehmen, mit allem was ich grade tue oder lasse – ein Wunder. Menschen, die einen umgeben, die mit einem lachen, weinen, streiten, mich akzeptieren, lieben, mit mir diskutieren – ein Wunder. Das Werden und Vergehen eingebettet in Gottes Schöpfung, die einen umgibt – ein Wunder. So viel im Alltag, was so wunderbar ist, das uns überwältigen, erstaunen und befreien kann. So, dass wir ein Hauch von Unendlichkeit spüren können und Gott ganz nahe sind. Also, gewinnen wir mal den „neuen“ Blick auf die ganz alltäglichen Dinge durch ein paar getönte Gläser und vielleicht entdecken wir… ein kleines Wunder.
Es grüßt Sie herzlich,
Marisa Mann

Gemeindebrief Frühjahr 2018

Der Herr ist mein Hirte

Titelseite des Gemeindebriefes Frühjahr 2018
Titelseite des Gemeindebriefes Frühjahr 2018

Hirte – Schafe, das war in der Fotogruppe die erste Assoziation zu Psalm 23. Wo ein Hirte ist, da muss es Schafe geben. Schafe wie auf dem Titelbild. Versehen mit einer Nummer oder sogar einem eigenen Namen. Dass es auch Hirten gibt für Ziegen und Rinder, für Schweine und Gänse und für manch andere Tiere – das dämmerte uns erst etwas später. Dabei: Ganz egal, wo auf der Welt Tiere draußen gehalten werden – überall gibt es Menschen, die sich um sie kümmern. Die mit Sachverstand und Überblick und einer gehörigen Portion Know-How dafür sorgen, dass die Tiere es gut haben. Dass Sie versorgt sind und ihnen möglichst wenig zustoßen kann. Und dass sie Hilfe bekommen, wenn Ihnen doch einmal etwas passiert ist. Gute Hirten eben, die sich kümmern. Und denen die Tiere am Herzen liegen.

Und wie ist das bei uns Menschen – brauchen wir auch so einen Hirten?
Mein erster Impuls ist: Wofür brauche ich einen Hirten, ich habe doch mein Leben selbst im Griff und weiß, was gut für mich ist und was nicht. Ich kann und will selbst entscheiden.

Und dann schaue ich manchmal zurück auf das, was ich alles schon erlebt habe. Welchen Menschen ich begegnet bin. An welchen Orten und auf welchen Wegen ich unterwegs war. Und wenn ich ehrlich bin, kann ich nur feststellen: Das Wenigste, von dem, was meinen Werdegang und mein Leben ausmacht, habe ich selbst entschieden. Und trotzdem ist so vieles so erstaunlich gut geworden.

Der Herr ist mein Hirte – dieser Satz, dieser ganze Psalm hält für mich fest, dass ich als Mensch keine Laune der Natur bin, kein Zufall in der Evolutionsgeschichte, sondern Gottes Absicht. Und weil Gott mich als sein Gegenüber und als seinen Ansprechpartner will, deshalb lässt er mich auch nicht einsam und alleine durch die Welt stolpern, sondern kümmert sich. Das bin ich ihm offensichtlich wert.

Mir tut es gut, dass mich der Psalm mit seinen Worten und Bildern immer wieder daran erinnert: Gott ist da. Auch für mich. So wichtig bin ich ihm.
Deshalb stimme ich gerne zu: Ja, der Herr ist auch mein Hirte.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie das so auch für sich entdecken und sagen können.

Ihr Andreas Specht

Gemeindebrief Winter 2017/2018

Wintertraum

Titelseite des Gemeindebriefes Winter 2017/2018
Titelseite des Gemeindebriefes Winter 2017/2018

Alle Jahre wieder wünsche ich mir einen kalten Winter mit Schnee und Eis.
Adventssonntage an denen es Freude macht die Kerze am Adventskranz anzuzünden, in Ruhe Tee zu trinken und es zu genießen in einer gemütlichen Wohnung zu sitzen, während es draußen kalt ist.

Ich wünsche mir klare, kalte Wintertage mit blauem Himmel und Sonnenschein, die dazu einladen spazieren zu gehen. Ich möchte dann einen zugefrorenen Teich oder Bach fotografieren und festhalten, wie die Eiskristalle im Licht blitzen. Spuren im Schnee sind auch sehr fotogen und einen Schneemann zu bauen, macht auch Spaß. Mit Bing Crosby träume ich von einer „weißen Weihnacht“ und erwische mich dabei dass ich „I m dreaming of a white christmas“ vor mich hin summe.

Warum eigentlich? Was steckt hinter diesem Weihnachts-Winter-Traum?

Der Winter bringt manches mit sich, was mir gut tut, wonach ich mich sehne.

Wenn Schnee liegt, ist alles leiser. Der Schnee dämpft die Geräusche. Man hört ganz deutlich, dass es draußen leiser ist als sonst. Mir tut das gut.

Der Schnee bremst auch meine Geschwindigkeit. Wenn ich draußen zu Fuß oder mit dem Auto unterwegs bin, bin ich vorsichtiger als sonst. Ich kann nicht mal eben schnell noch etwas erledigen. Ich werde durch Schnee und Eis entschleunigt. Ich gebe zu, manchmal erhöht das auch meinen inneren Druck und macht Stress, aber andererseits könnte ich es ja auch einfach genießen, dass alles seine Zeit braucht und auch hat.

Die Natur erlebt ihre Winterruhe und ich habe das Gefühl, diese Ruhe, die brauche ich auch.

Wenn draußen alles von Schnee bedeckt ist, sieht die Welt ganz verändert aus. Diese Veränderung ist wie ein Hinweis auf die große Veränderung, die wir an Weihnachten feiern. Gott wird Mensch und das verändert alles.

Ja, ich glaube, hinter meinem Weihnachts-Winter-Traum steckt der Wunsch, mich auf Weihnachten vorbereiten zu können. Ich wünsche mir, dass ich neu entdecke, wie Gott durch die Geburt seines Sohnes alles verändert und was er uns damit schenkt.

Und was mache ich, wenn es in der Advents- und Vorweihnachtszeit nicht schneit?

Dann muss ich selbst dafür sorgen, dass ich all das bekomme, was mir der Winter sonst beschert: etwas mehr Ruhe;Tempo rausnehmen; für Veränderungen sorgen, die mich auf Weihnachten einstimmen. Ich könnte zum Beispiel Advents- und Weihnachtslieder summen und dabei auch einen Blick auf den Text werfen. Es gibt da ganz viel zu entdecken.

Aber vielleicht habe ich ja Glück und es schneit doch…

Ich wünsche uns allen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und dann ein gutes neues Jahr.
Ihre Christine Specht