Weite Wege

Liebe Gemeinde,

„Sie haben einen weiten Weg vor sich.“ Das sagte mir zu Beginn meiner Reha, sechs Wochen nach dem Schlaganfall, die aufnehmende Ärztin.
Ermutigt hat mich der Satz nicht.

Zum Propheten Elia hat diesen Satz ein Engel gesagt, so erzählt es die Bibel, als Elia am Ende seiner Kräfte war: Der Engel des HERRN rührte Elia an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir (1. Buch der Könige 19,7).

Was war geschehen?
Elia hatte nicht nur einen weiten Weg vor sich, sondern bereits eine lange Strecke zurückgelegt. Die biblische Geschichte über Elia nimmt uns hinein in die Zeit des 9. Jh. vor Chr:  König Ahab, der König Israels, heiratet die phönizische Prinzessin Isebel, die den Gott Baal verehrt.
Die Menschen des damaligen Nordreiches Israel geraten in Zweifel, wem sie vertrauen, auf was sie hoffen dürfen, dem Gott Baal oder Jahwe.
Der Prophet Elia, ein glühender Verehrer Jahwes, will durch ein Gottesurteil beweisen, dass Jahwe der wahre Gott ist. Elia versammelt 450 Propheten des Gottes Baal auf einem Berg. Beide Parteien sollen bei ihren Göttern Feuer erbitten, um ein Brandopfer zu entzünden. Elias Rechnung geht auf. Während sich die anderen Propheten vergebens mühen, schickt Jahwe das erbetene Feuer vom Himmel.

Das Gottesurteil ist vollzogen. Das ganze Volk bekehrt sich zu Jahwe, dem Gott Israels. 
Doch Elia will ein für alle Mal Schluss mit der Verehrung Baals machen und lässt alle Baalspropheten töten. Isebel tobt vor Wut und lässt Elia verfolgen, um ihm das Gleiche anzutun, was der ihren Propheten angetan hat.

Elia flieht in die Wüste. Nach vielen Tagen auf der Flucht sinkt er unter einem Ginsterstrauch müde zu Boden und betet: „Es ist genug. So nimm nun, Herr, meine Seele. Ich bin nicht besser als meine Väter.“
Erschöpft schläft er ein. Gott schickt ihm einen Engel,  so erzählt es die Bibel, der ihm mehrmals etwas zu essen und zu trinken vorsetzt und ihn auffordert, sich zu stärken, mit der Begründung: „Du hast einen weiten Weg vor dir.“

Stärkung für weite Wege

Wer weite Wege zurücklegen muss, braucht Stärkung. Elia gab die Speise so viel Kraft, dass er vierzig Tage und Nächte hindurch zum Berg Horeb gehen konnte, bei dem er eine Gottesbegegnung hatte und den Auftrag bekam, einen neuen König für Israel zu salben.
Wer weite Wege zurücklegen muss, braucht Stärkung. Menschen, die jemanden verloren haben, brauchen so eine Stärkung, um zurück ins Leben zu finden. Kranke Menschen auch.
Und uns allen dürfte längst klar geworden sein, dass auch der Weg aus der Corona-Krise heraus ein langer Weg sein wird.

Wer weite Wege zurücklegen muss, braucht Stärkung. Wie gut, dass wir wieder Gottesdienste feiern dürfen, in denen Gott uns mit seinem Wort berührt und stärkt.
„Gott ist mein Hirte, er weidet mich auf grüner Aue und erquickt die Seele“, so singt es der berühmte Psalm.
Viele erleben das im Gottesdienst. Er gibt ihnen Kraft, um die Krise, in der sie stecken, durchzustehen, um zu kämpfen, um sich auf den Weg in die Zukunft zu machen.
„Wenn du glaubst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her.“ Dieser Spruch ist wohl genau so bekannt wie der Psalm.
Dabei wird sicher auch an ein ‚Licht von oben‘ gedacht, an die Hilfe, die durch Gott geschickt wird, vielleicht durch einen leibhaftigen Engel, vielleicht auch durch einen Menschen, durch ein Wort aus der Bibel, einen wohltuenden Gottesdienst oder auch durch das Lächeln und gute Worte oder die liebevolle Zuwendung eines Anderen.

Um Gottes Segen bitten

Ich weiß aus Erfahrung heraus, dass es gut tut, bei Geburtstagsbesuchen und Telefonaten um Gottes Segen zu bitten. Und dabei vertraue ich darauf, dass Gott dem Geburtstagskind die Kraft und das Licht gibt, die er auch mir für den langen Weg damals gegeben hat.

Gott segne und stärke Sie für den Weg, der vor Ihnen liegt!


Pfarrer Merten Teichmann


Gedanken zum Pfingstfest

Liebe Gemeinde,

ich weiß, es ist allgegenwärtig! Vieles hat sich verändert, das vor wenigen Monaten noch undenkbar schien.

Nun leben wir schon eine ganze Weile mit den veränderten Bedingungen, ausgelöst durch Corona. Abstandsregeln, Shutdown, Lockerungen. Hygieneschutzmaßnahmen wurden erstellt, die uns in diesem Spannungsfeld sicherlich noch eine Weile begleiten.

Sie spüren, das geht natürlich auch an uns als Kirchengemeinde nicht spurlos vorbei. Trotz der vielen Einschränkungen und Bestimmungen, die es zu beachten gilt, bin ich frohen Mutes über das, was in den Gemeinden während dieser Wochen alles auf die Beine gestellt wurde. Kirchenöffnungen mit Mitnehmandachten, digitaler Konfi-Kontakt und verschiedene Formen der Kommunikation, wie z.B. der Ostergemeindebrief etc.

Diese Veränderungssituation erinnert mich an ein Ereignis, an dem Gottes Geist eine große Rolle spielt.                          

Pfingsten!

Denn als Geburtstag der Kirche angesehen ist es ein Fest mit großem Potential und Wirkungsgeschichte – bis heute.

Begeben wir uns auf Spurensuche:

Was haben die Jünger Jesu nicht schon alles erlebt seit er gewirkt, gekreuzigt, auferstanden und dann zum Himmel aufgefahren ist. Ein Wechselbad der Gefühle zwischen dem, was man erfahren und erlebt hat, und dem, was möglicherweise auf einen zu kommt. Das auszuhalten ist nicht leicht. So gerade bei uns, als auch bei den Jüngern.

Belebende Unruhe

Viele von ihnen sind durch Christus in den Glauben hineingewachsen, doch als er fortging und er nicht mehr persönlich bei ihnen sein konnte, wurde es schwer sich auch den drängenden Fragen und Anfechtungen zu stellen. Eine Unruhe erwächst, die nochmal ganz neu zum Tragen kommt.

Am Pfingstfest in Jerusalem sind sie alle beisammen, verschiedene Menschen verschiedener Länder mit verschiedenen Sprachen.

Da kommt Gottes Geist über sie und sie verstehen einander in ihrer jeweiligen Sprache. Petrus ergreift das Wort und spricht: „Da will Gott ausgießen von seinem Geist auf alles Fleisch.“ (Apostelgeschichte 2, 17)

Ungewohntes geschieht, in Jerusalem und heute hier. Aber in und aus dieser Veränderung entsteht Neues. Die Jünger begannen miteinander neu zu kommunizieren und versuchten, die jeweiligen Bedürfnisse und Glaubensansätze zu verstehen.

„Kirche“ wird geboren. Auch in der Corona-Situation haben wir uns als „Kirche miteinander“ auf kreative Art und Weise von Gottes Geist begleiten lassen und damit schon hoffnungsvoll erlebt, wie wir mit Veränderungen umgehen können.

Gottes Geist, er bringt in Bewegung, schafft neue Formen, so wie wir neue Formen finden müssen um miteinander im Kontakt zu sein und zu bleiben oder neue Formen des Miteinanders entwickeln.

Ideen dazu gibt es schon hier in diesem Gemeindebrief und den Ausblick, gerade zu diesem Fest unsere Kirchen wieder zu öffnen.

Lassen wir uns anstecken vom Geist Gottes und neben dem alltäglichen Ballast auch dankbar sein für seine Begleitung und für die Chancen, die er uns auftut.

Es grüßt sie herzlich

Ihre Spurensucherin

Pfarrerin Marisa Mann

Das Osterwort heißt Hoffung

Was ich an Ostern mag: es fällt in eine Zeit, in der sich die Natur von ihrer schönsten Seite zeigt: Die kalten Winde aus dem Osten und Norden blasen nicht mehr, T-Shirt-Wetter kommt; dann das zarte Grün an Büschen und Bäumen, überall blüht es, Schmetterlinge und Bienen fliegen.
Kurz, eine Zeit, in der die Seele auflebt und sich erheben kann.
Für mich die schönste Zeit im Jahr.

Was mir an Ostern nicht gefällt: es ist für unseren Glauben so schwer zu fassen.
Theologisch steht im Zentrum von Ostern natürlich die Auferstehung.
Die Auferstehung Jesu bezeugt die Bibel vielfach.
Vor 2000 Jahren hat sie sich ereignet – sicher für die Jünger eine unglaublich große und erhebende Erfahrung.
Nur, wie soll ich mir sie vorstellen und was bedeutet sie für mich?

Meine eigene Auferstehung von den Toten, an die ich glaube, steht hoffentlich noch nicht so bald an, denn noch will ich mich weiter am Leben freuen.  An Ostern zum Beispiel.
Es gibt aber ein Wort, das für mich beides verbindet: das sehr sichtbare und fühlbare Aufblühen neuen Lebens in der Natur einerseits, und andererseits die Unanschaulichkeit von Ostern in meinem Glauben. Dieses Wort ist: Hoffnung. Von ihr heißt es: „Sie stirbt zuletzt.“ Das ist ein trauriger und ein schöner Spruch zugleich!

Einerseits traurig: Denn wenn die Hoffnung zuletzt stirbt, dann ist ja schon anderes vorher gestorben: der Lebensmut, die Lebensfreude vielleicht, die Kräfte, die Zuversicht, Pläne, die man hatte oder im schlimmsten Fall ein Mensch, der einem nahestand.
Und zum Schluss erst die Hoffnung. 
Und das ist das Schöne an dem Satz: Dass trotz allem, was dunkel, traurig ist oder einen verzweifeln lässt, dass da noch etwas lebendig ist, das einen auf einen guten Ausgang, eine positive Wendung oder guten Fortgang des Lebens glauben lässt.

Für mich ist Hoffnung das Osterwort.

Denn uns wird verkündet, dass Gott mit der Auferweckung Jesu die Macht des Todes, des Bösen und Dunklen endgültig gebrochen hat. So betont es die Bibel an vielen Stellen.
Man sollte dem Tod die Macht nicht wieder zurückgeben, indem man resigniert und keine Hoffnung mehr hat. Wo sich die Überzeugung durchsetzt, dass keine Hoffnung mehr ist oder sie stirbt, da haben der Tod und das Dunkle gewonnen.
Ich weiß natürlich, man kann die Hoffnung nicht herbeireden, und keinen zur Hoffnung überreden, der sie nicht hat. Aber ich will mir die Hoffnung auch nicht von Pessimisten, Bedenkenträgern und Schwarzsehern kaputtreden und auch nicht ausreden lassen.
Denn die Hoffnung ist in dieser Welt, weil Gott selber sie hineingepflanzt hat.
Mit der Auferweckung Jesu durch Gott hat jede dunkle Nacht einen hellen Morgen bekommen!
Davon zeugt jedes Morgenrot und auch jeder Mensch, der gesund wird.
Und darauf will ich setzen, bei jedem Krankenbesuch und auch in meinem eigenen Leben.
Auch das Corona-Virus wird besiegt werden. So traurig das ist, es werden auch weiter Menschen an Viren sterben.

Doch das Leben wird irgendwann nach Ostern wieder aufblühen.
Überall!

Ihr

Pfarrer Merten Teichmann

„Heimat“ greifbar machen

An einem Freitag Ende Januar sind in der Hausener Kirche alle Bänke eng besetzt. Kinder führen ein Musical auf. Die ersten Sätze des kleinen Erzählers umreißen die Spannungen im 2000-Seelen-Dorf. „Besonders in letzter Zeit gibt es ständig Ärger in der Schule. Immer wieder geraten Leute aus unterschiedlichen Ländern mit verschiedenen Religionen aneinander.  Nicht selten wird es handgreiflich. Manchmal kann man überhaupt nicht verstehen, warum sich Leute streiten, die nur verschiedene Religionen haben!“

Vordergründig erzählt das Singspiel von der Sklaverei und der Flucht, die Moses und die Israeliten vor Jahrtausenden erlebt haben. Doch um die biblische Geschichte herum hat Beate Korf aus Hausen den Alltag in Kindergarten und Schule verwoben. Seit vielen Jahren leitet sie gemeinsam mit Birthe Steiß die Arbeit mit Kindern in der Kirchengemeinde. Nun hatte die Grundschule Beate Korf gebeten, aktiv zu werden. Denn dort traten in letzter Zeit zunehmend Spannungen zwischen den Kindern auf, die die Lehrerinnen vor Herausforderungen stellen.

Seit Jahren wird Hausen, am östlichen Gießener Stadtrand gelegen, multi-kultureller. Zahlreiche aramäische Familien sind zugezogen, „weil sie ihre christliche, syrisch-orthodoxe Tradition und ihren Glauben in der Türkei oder in anderen muslimischen Ländern im Mittleren Osten ohne Diskriminierung nicht leben konnten“, erzählt Beate Korf. Nach 2015 flohen nun auch muslimische Familien vor dem Krieg in Syrien und dem Irak in eine für sie fremde Umgebung. Wie auch Menschen aus Afghanistan oder Nordafrika landeten sie in Hausen. Daraus erwachsen Spannungen und die zeigen sich zuerst in der Schule. In einer überschaubaren Einrichtung wie der Hausener Grundschule sind Kinder aus über zehn Nationen vertreten. „Heimat“, diese Kategorie ist im Wandel, global und genauso am Schiffenberg.

Im Musical werden die unterschiedlichen Perspektiven krass offenbar. Die Kinder singen: „Was wollt ihr hier in unsrem Land | hat euch wer von zu Haus verbannt? |Ihr seid ganz anders, seid uns fremd, |ich muss es sagen- ungehemmt!“ Ihnen wird geantwortet:  „Was soll‘n wir hier, es ist so kalt, | gibt wenig Freundschaft, viel Gewalt! | Versteh’n kein Wort hier, sind allein, | Soll das die neue Heimat sein?“

Beate Korf ist eine gute Vermittlerin. Seit vielen Jahren verantworten die Lehrerin Birthe Steiß und sie im Team in der Kirchengemeinde Hausen die Kinder- und Jugendarbeit. Beate Korf vermittelt Inhalte mit Musik. Die promovierte, aber nicht praktizierende Ärztin, die auch in Lich und Laubach aktiv ist, gestaltet seit 1998  gemeinsam mit der Birthe Steiß und einem Team aus Jugendlichen  die monatlichen Treffen „Bibel auf – hereinspaziert“.

Vor dem Hintergrund zunehmender Spannungen zwischen den Schülern  bittet die Schulleiterin Mareike Kollmann Beate Korf, die in der 1. und 2. Klasse der Hausener Grundschule Musik unterrichtet und den Schulchor leitet, um Unterstützung bei der Planung und Gestaltung der Projektwoche. Kollmann weiß von der Arbeit mit Kindern in der Kirchengemeinde  zum Jahresthema „Heimat“. Dieses Projekt wurde  2019 vom Evangelischen Dekanat Gießen gefördert, das Mittel für ein Jahresthema „Heimat. Lust auf Region“ ausgelobt hatte.

So entsteht das Musical „Fern der Heimat. Und wo sind Milch und Honig? Auszug aus Ägypten“. Beate Korf schrieb die Texte, ihre Tochter Johanna Korf, Kantorin in Mansfeld (Südharz), komponierte die Musik. Jahr um Jahr verfassen die beiden Musicals für die Ferienspiele im Sommer und für Weihnachten. Kinder vom Kindergartenalter bis zur 8. Klasse singen und spielen dabei mit.

„Unser Ziel war es, das Thema Heimat für Kinder greifbar zu machen. Dass sich Heimat verändert, dass Familien ihre Heimat verlassen mussten und im Ort neue Heimat finden mussten, ist uns in Hausen und Garbenteich vertraut.“ 

Deutlich wurde Beate Korf dabei, die Maßstäbe für Heimat sind zwar unterschiedlich und geprägt von der individuellen Biografie und doch bilden sie die gleichen ur-menschlichen Bedürfnisse nach Geborgenheit und Sicherheit ab. Heimat das ist in der Welt von Kindern Familie, Freunde, eine vertraute Sprache, gemeinsames Essen, das nach Kindheit schmeckt, Geschichten, Musik, religiöse Riten, angenehmes Klima und Landschaft.

In den Gesprächen nimmt sie viele Ängste vor dem Fremden wahr. Die Aramäer sorgen sich vor einer Zunahme von Muslimen. Die Muslime vor der Missionierung in einer christlich geprägten Umgebung. Und die alteingesessenen Hausener Familien fürchten den Verlust heimatlicher Traditionen, die seit Generationen das Leben am Schiffenberg prägen.

Beate Korf und Birthe Steiß machen die Erfahrung, dass die Kinder, die Freunde quer durch alle Kulturen haben, die Ängste der Eltern hören und teilweise übernehmen.

Birthe Steiß und Beate Korf arbeiten mit Kindern zwischen vier und sechzehn Jahren. Bevor sie die Texte des Musicals schreibt, hat sich Beate Korf eingearbeitet, Bücher gelesen und mit Eltern gesprochen.  „Wir haben versucht, Raum zu geben, um offen über die Spannungen zu reden.“  Auch die Kinder durften bei den „Bibel auf“-Terminen ungeschützt und ohne moralische Sanktionen sprechen. Sie haben durch das Miteinander in den Gruppen der Kirchengemeinde und in der Schule aber auch schon gelernt, die Unterschiede gelassener darzustellen.

Während der „Heimat“-Sommerspiele 2019 geht das Team nicht nur auf evangelische, sondern auch syrisch-orthodoxe und muslimische Kinder zu. Dass ihr Hauptdarsteller Mose eine über Konfessions- und Religionsgrenzen hinweg verbindende Gestalt ist, macht das etwas leichter. Wenn auch muslimische Eltern nicht zur Aufführung in der Hausener Kirche kamen, so besuchten sie doch das Sommerfest im Pfarrgarten, das gemeinsam mit dem „Lernraum“ Pohlheim und Flüchtlingshelfern aus Hausen gefeiert wurde. Beate Korf sagt: „Ich akzeptiere, dass Muslime die Kirche nicht betreten wollen. Ich vertrete deutlich meinen christlichen Glauben. Und doch suche ich nach Gemeinsamkeiten zwischen den Menschen, die hier leben.“ So heißt der Laternenumzug für die Hausener Grundschüler im November auch weiterhin St.-Martinsfest. Gefeiert wird es in einem Gottesdienst. Auch hier kommen nicht alle Eltern in die Kirche, sind aber beim anschließenden Fest im Gemeindesaal dabei.

An der Projektwoche mit dem Mose-Musical im Januar beteiligen sich rund ca. 75 Kinder und das gesamte Kollegium der Grundschule Hausen. Während Beate Korf mit der Theatergruppe  in vier Tagen die anspruchsvollen Texte und Lieder in der Kirche probt, üben die 1. und 2. Klässler ihre Auftritte als farbenfrohe Statisten. Zeitgleich werden in der Schule Kulissen gebaut, Kostüme genäht, Requisiten gebastelt und das Thema inhaltlich besprochen. Zum Abschluss jedes Projekttags kommen alle für eine Schulstunde in der Kirche zusammen, um gemeinsam die Refrains der Lieder zu singen und die Szenen mit den kleineren Theaterspielern zu proben.

Am letzten Projekttag ist die Hausener Kirche voll wie sonst am Heiligen Abend. Und in den Bänken sitzen als stolze Zuschauer christliche und muslimische Eltern einträchtig nebeneinander. Für die Lehrerinnen und Lehrer ein Hoffnungszeichen und für Beate Korf ein im Grund wunderbarer Abschluss ihrer langjährigen Kinder- und Jugendarbeit. Denn im kommenden Jahr wollen sie und Birthe Steiß aufhören.

Da wird etwas fehlen in Hausen.

22. März, 15 Uhr, Familiengottesdienst „Heimat“ in der  Hausener Kirche, anschl. Kaffee im Gemeindehaus.

Text: Matthias Hartmann

Gemeindebrief Winter 2019/2020

„Dann nehme ich mal den Hut“ – Gedanken von Frank Paulmann

Liebe Gemeinde,
wie doch die Zeit vergeht. Mit dem 31. Dezember 2019 wird es mehr als ein Jahr sein, dass ich bei Ihnen in Garbenteich und Hausen die Vertretung übernommen habe.

Ich möchte Ihnen Dankeschön sagen, denn ich bin von beiden Gemeinden herzlich aufgenommen worden. Die Zeit war angefüllt mit viel Betriebsamkeit, die ich in Ihren Gemeinden miterlebt habe und begleiten durfte.

Einige möchte ich in Erinnerung rufen: Einschulungsgottesdienste im August, Adventstreff Ende November, Hirtenandacht auf dem Schiffenberg, Christmette an Heiligabend mit meiner Frau und Tochter, Sitzungen mit den Kirchenvorständen, Geburtstagsbesuche, Mitgehgottesdienst, Bürozeiten mit Frau Hickmann, Gottesdienst im Grünen in Hausen, Erntedankgottesdienst auf dem Hof Will mit meiner Tochter und den Puppen KiKi und Tim, Dienstbesprechungen mit der Kollegin Marisa Mann.

Ich durfte Menschen kennenlernen und das Lachen mit Ihnen teilen. Auf der anderen Seite wurde mir manche Not anvertraut und manches Weinen mit mir geteilt. Ich war bemüht, stets ein offenes Ohr und ein ebensolches Herz für Sie und Ihre Anliegen zu haben.

Dadurch dass ich nicht in der Gemeinde im Pfarrhaus vor Ort wohnhaft war und durch den dreimonatigen Ausfall auf Grund meines Unfalls konnte ich nicht so präsent sein, wie ich es als ehemaliger Landpfarrer in den davor liegenden 18 Jahren gewohnt war. Bei den Menschen, denen ich etwas schuldig geblieben bin, möchte ich mich entschuldigen und bitte um Nachsicht.

Während der Zeit in Ihren Gemeinden konnte ich zum Ende meiner beruflichen Laufbahn nochmals interessante Erfahrungen sammeln. Dafür möchte ich ein herzliches Dankeschön sagen.

Nun ist es an der Zeit „meinen Hut zu nehmen“, ein wenig wehmütig und zugleich zutiefst dankbar wünsche ich Ihnen Segensreiches.

Mit dem 1. Januar 2020 werde ich in Pension gehen und damit fängt für mich ein neuer Lebensabschnitt an, dem ich erwartungsvoll entgegen schaue.

Seien Sie Gott befohlen und alles Gute für die kommende Zeit wünscht Ihnen

Ihr Pfarrer Frank Paulmann

Pfarrer Frank Paulmann wird am 3. Advent, Sonntag, 15. Dezember, 15 Uhr, in der Kirche in Garbenteich durch Propst Matthias Schmidt von seinen Aufgaben entpflichtet und verabschiedet.

Gemeindebrief Herbst 2019

Gedanken von Frank Paulmann

Titelseite Gemeindebrief Herbst 2019
Titelseite Gemeindebrief Herbst 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,
wenn Sie diese Zeilen lesen, dann liegt der Sommer hinter uns und wir gehen mit großen Schritten auf den Herbst zu. Noch mögen die Sonnenstrahlen des Spätsommers unsere Herzen erfreuen, aber das Ende des Spätsommers ist absehbar.

Jedoch der Herbst hat auch seine schönen Seiten. Es ist die Zeit, in der die Tage kühler, kürzer und auch stürmischer werden. Die besondere Schönheit bildet sich heraus in der Farbenpracht der reif gewordenen Früchte und in der Blätterfärbung der Bäume. Das Morgenlicht und Abendlicht im Herbst lässt die Natur in seiner eigenen unverwechselbaren Farbenpracht erscheinen.

Die Natur schmückt sich nochmals in voller Pracht bevor dann alles kahl und trist wird.

Der Herbst ist auch die Zeit der vielen Feste. Angefangen im September und Oktober mit den Weinfesten, über die zunehmend gefeierten Apfel-, Kartoffel- und Kürbisfeste bis hin zum Erntedankfest.

Das Erntedankfest lenkt unseren Sinn darauf, dass Gott der Schöpfer ist, der mich versorgt mit allem was ich zum Leben brauche, ja weit über das Nötigste hinaus. Gerade der letzte Sommer mit seiner extremen Hitze hat uns mehr denn je spüren lassen, wie eingebunden und abhängig wir Menschen vom Kreislauf der Natur sind.

Mit dem Erntedankfest erinnern wir Christ*innen an den engen Zusammenhang von Mensch und Natur. Die Kirchen werden festlich mit Feldfrüchten ausgeschmückt und es gibt uns Anlass dem Schöpfer Dank zu sagen. Darüber hinaus bietet das Erntedankfest die Möglichkeit, den Blick auf die Verantwortung des Menschen für die Schöpfung zu schärfen.

Wenn wir weiter auf das Kirchenjahr schauen, erleben wir, dass nach der Sommerzeit mit der langen kirchlichen Trinitatisphase im Herbst das kirchliche Gemeindeleben auch wieder bunter und reichhaltiger wird. Wir feiern das Erntedankfest, den 9. November mit der Friedensdekade, den Reformationstag und ein von Kindern besonders geliebtes Ereignis, den St.-Martins-Tag. Es folgt der Buß- und Bettag und mit dem Ewigkeitssonntag schließt sich der Kreislauf des Kirchenjahres.

Nicht nur in der Natur erleben wir unsere Eingebundenheit von Werden und Vergehen, sondern das Kirchenjahr spiegelt es uns mit dem ihm eigenen Feier- und Gedenktagen wieder.

Wenn das Kirchenjahr mit dem Ewigkeitssonntag seinen Schlusspunkt setzt, dann wird an diesem Gedenktag besonders deutlich, dass Gott meine Zeit in seine Hände nimmt. Der Psalm 36 bringt das mit seiner Aussage „Meine Zeit steht in deinen Händen“ auf den Punkt.
Diese Getragensein von Gott, vom Anfang bis zum Ende, in guten wie in schwierigen Lebensphasen hat der Kabarettist Hanns Dieter Hüsch in seinem Gedicht „Ich bin vergnügt, erlöst, befreit“, in wunderbaren Worten aufgenommen und in einer Leichtigkeit beschrieben, die Trost und Hoffnung gibt. Dieses lyrische Werk mag ein Trost sein, wenn die Natur nach dem Herbst ihr Farbenkleid abwirft und die Tage trister und dunkler werden.

Es mag unsern Geist in jener Zeit erfrischen.

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit.
Gott nahm in seine Hände meine Zeit,
mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Verzagen,
das Elend und die Zärtlichkeit.
Was macht, dass ich so fröhlich bin
in meinem kleinen Reich?
Ich sing und tanze her und hin
vom Kindbett bis zur Leich.
Was macht, dass ich so furchtlos bin
an vielen dunklen Tagen?
Es kommt ein Geist in meinen Sinn,
will mich durchs Leben tragen.
Was macht, dass ich so unbeschwert
und mich kein Trübsinn hält?
Weil mich mein Gott das Lachen lehrt
wohl über alle Welt.
Ich bin vergnügt, erlöst, befreit.
Gott nahm in seine Hände meine Zeit,
mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Verzagen,
das Elend und die Zärtlichkeit.

Hanns Dieter Hüsch

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gute und erlebnisreiche Herbstzeit. Möge Gott unser Fragen und Suchen, unser Tun und Lassen in seine Hände nehmen.

Mit segensreichen Grüßen
Pfarrer Frank Paulmann

Gemeindebrief Sommer 2019

Gedanken von Jutta Hofmann-Weiß

Titelseite Gemeindebrief Sommer 2019
Titelseite Gemeindebrief Sommer 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

Sommerzeit – das ist die Zeit, in der wir uns gerne Pausen gönnen. Ob nun in der Ferne oder zuhause. Pausen sind keine „leeren Zeiten“, sondern im Innehalten kann vieles geschehen. Pausen sind nicht nur Regenerationszeiten, wenn Körper und Seele erschöpft sind. Pausen sind nicht nur die Zeiten, in denen wir von Lebensumständen gezwungen werden unseren Alltag zu unterbrechen. In Pausen kann ich zu mir selbst finden und zu Gott. In Pausen kann ich neue Lebenskraft und neuen Lebensmut schöpfen. Solche Pausen brauchen die Achtsamkeit. Achtsam sein heißt hier nicht vorsichtig sein. Das ist etwas anderes. Achtsam sein – so habe ich es gelernt – hat etwas mit der Fähigkeit zu tun, ganz in der Gegenwart zu sein und den Moment genießen zu können. Sich nicht in der Vergangenheit zu verlieren und sich nicht um die Zukunft zu sorgen. Achtsamkeit braucht Entschleunigung, denn im Hetzen und Rennen geht uns Aufmerksamkeit verloren. Achtsamkeit hat etwas mit dem Mut zu tun, gut wahrzunehmen, mich selbst, meinen Lebensraum und auch meine Mitmenschen. Mit Achtsamkeit, das ist meine Erfahrung, werden Pausen zu Zeiten in denen wir neu wahrnehmen können, was alles unser Leben reich, wertvoll und schön macht.

Achtsam sein zu können ist nicht selbstverständlich und auch nicht immer einfach. Man kann es üben und darum gibt es dazu auch viele Anleitungen. Eine davon kann in der Sommerzeit das Lied sein: „Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser schönen Sommerzeit an deines Gottes Gaben……“ Der Liederdichter Paul Gerhardt schaut genau hin und beobachtet die Natur. Dabei müssen die Füße nicht weit gehen, das Herz ist gefragt, d.h. man sieht die Welt mit dem Herzen und mit der Seele. Tiere wie der Storch, die Glucke oder die Bienen, Pflanzen wie der Weizen, die Bäume und Blumen werden im Lied zum Zeichen dafür, wie gut Gott es mit uns meint und wie sehr er uns das Leben in Fülle schenkt. Aufmerksamkeit für die Wunder der Natur lassen uns staunen und wir können uns über die Vielfalt des Lebens freuen. Kinder sind übrigens gute „Achtsamkeitsbegleiter“, denn sie können sich noch über vieles freuen und staunen, was für uns schon längst selbstverständlich geworden ist.

Auch Jesus war äußerst achtsam, er hat zum Beispiel die Lilien auf dem Felde und die Vögel am Himmel zum Zeichen dafür gemacht, wie gut er für uns sorgt und dass wir unser Leben ihm immer wieder anvertrauen können.

Ich wünsche uns allen wunderbare achtsame Momente und Pausen gerade in diesen Sommermonaten. Dass wir Muße haben genau hinzuschauen, dass wir Wunder der Liebe und Kraft Gottes entdecken und dann die Freude finden, nach der das Herz sucht.

Es grüßt Sie herzlich
Pfarrerin Jutta Hofmann-Weiß

Gemeindebrief Frühjahr 2019

Gedanken von Marisa Mann

Titelbild Gemeindebrief Frühjahr 2019
Titelbild Gemeindebrief Frühjahr 2019

Liebe Gemeindebriefleserinnen und -leser, kennen Sie den Ausspruch: „Seid friedlich!“?
Mir ist er als Kind begegnet und ich habe ihn nach längerer Zeit an so mancher Stelle selbst gebraucht. „Seid friedlich!“.

Denn in einigen Fällen kann schon ein Wort oder sogar eine Geste einen Vulkan auslösen. Da fällt es schwer einfach darüber hinwegzuhören oder -zusehen und schon ist die kurze Zündschnur angefeuert und der augenscheinliche Frieden vorbei. Denn es gibt sie überall, diejenigen, die mit Begeisterung darauf warten, verborgen wieder ein Kämpfchen anfangen zu können. Dann ist die Provokation da und der liebe Friede gefährdet. Da hinein wird es gesprochen, das kleine Machtwort „seid friedlich“.

Beim näheren Hinsehen fällt auf, Frieden zu wahren ist nicht einfach, sich in einem friedlichen Miteinander zu bewegen nicht selbstverständlich. Sei es in unseren Familien, Freundeskreisen oder in Kirchen und Gemeinden, Stolperfallen auf dem Weg zum Frieden gibt es überall. Zerbrechlich ist er und auch oft genug viel zu leicht aufs Spiel gesetzt.

„Suche Frieden und jage ihm nach!“, fordert David im 34. Psalm. Dies ist die gewählte Jahreslosung für das schon angebrochene Jahr 2019. Doch diese Losung ist bedeutungsschwanger, denn sie geht an die Grundfesten von Beziehungsgeschehen und ist daher aktueller denn je.
Vielfach wird von Frieden geredet: „Den Frieden wahren“; „Um des lieben Friedens willen“; „Den Weg des Friedens gehen“. Und es ist gut darüber zu reden, denn die allgemeine gesellschaftliche Großwetterlage zeigt momentan eher Bruch – statt Beistand, eher die harte, kalte Schulter – statt Schulterschluss. Es zeigt sich, viele sehnen sich nach Frieden. Doch Anspruch und Wirklichkeit klaffen oft weit auseinander. Wie oft sind der neidvolle Blick auf andere oder unterschwellige Sorgen, im Leben zu kurz zu kommen, Ursachen für Streit und Auseinandersetzungen.

Daher eine tiefgründige Jahreslosung, die aber auch ein zusagendes „Machtwort“ ist. Denn sie bringt eines der facettenreichsten Worte wieder ins Gespräch: Frieden! Auf Hebräisch Schalom, was nach Gesenius und bibelwissenschaft.de u.a. „ungefährdetes Wohlergehen, Glück, Ruhe und Sicherheit“, „lebensfördernde Geordnetheit der Welt“ oder auch „Zufriedenheit“ unter dem Schirm Gottes bedeuten kann.
Renate Karnstein drückt es so aus: „ ‚Schalom‘ meint eine tiefe Sehnsucht nach einer heilen, unversehrten Welt, in der keine Gefahr mehr droht. ‚Schalom‘ ist die unverbrüchliche Hoffnung auf ein gerechtes und alle Feindschaft überwindendes Miteinander der ganzen Schöpfung.“

Der Friede bzw. ‚Schalom‘ ist also für die allgemeine Großwetterlage eine Grundfeste. Sei es also in unserer Beziehung zu Gott, in persönlichen Beziehungen oder auf der Großen Weltbühne, überall kann ein Stück des Schalom werden bzw. ich ihm nachjagen. Im Kleinen z.B. indem ich mich frage, gibt es etwas, was eine Beziehung zum Zerbrechen gebracht oder gestärkt hat? Was im Handeln lähmt oder bereichert? Oder auch im Großen mit dem kritischen Blick, tut es Not immer auf die populistischen Laute zu hören oder spitzt man doch lieber mal die Ohren für die Zwischentöne des Friedens?
Einfach ist es nicht, aber es lohnt sich. Ich selbst kann aktiv werden, mich einbringen, Frieden suchen und ihm nachjagen. So wünsche ich Ihnen und uns allen ein gutes Jahr 2019 mit vielen Begegnungen, die ein Stück von der heilen Welt Gottes auf Erden spürbar werden lassen.

Es grüßt herzlich, Marisa Mann

Gemeindebrief Winter 2018/2019

Gedanken von Frank Paulmann

Titelbild Gemeindebrief Winter 2018/2019
Titelbild Gemeindebrief Winter 2018/2019

Liebe Leserin, lieber Leser,
irritierend: Was haben denn bloß diese vielen Fahrräder auf dem Bild mit Weihnachten zu tun?
Wenn Sie diese Zeilen lesen, dann sind es vielleicht noch vier Wochen bis Weihnachten.
Bekommen Sie schon Panik?
Als wir mit der Familie in Holland waren, sind wir viel mit dem Fahrrad unterwegs gewesen. Wie Sie an dem Bild sehen, waren wir nicht die einzigen Fahrradfahrer. Die Fahrradständer waren manchmal, wenn wir unsere Fahrräder wieder abholen wollten, total überfüllt, ganz so wie zu sehen ist.
Und natürlich stellt sich die Frage, wie man in diesem Chaos seinen „Drahtesel“ wieder finden kann.
Vier Wochen bis Weihnachten.
Für uns läuft also der Countdown. Und alle Jahre wieder stellt sich bei vielen Menschen die bange Frage: „Bekomme ich bis zu den Festtagen alles hin?“
Zwei Antworten gibt es darauf: Ja oder nein.
Wenn alles klappt, dann ist es gut. Weihnachtsgrüße wurden rechtzeitig verschickt, für jeden sind die richtigen Geschenke schon ausgewählt. Der Essensplan und die Einkaufsliste sind geschrieben. Ja, alles ist gut geplant und vorbereitet. Die Wohnung, wie sollte es auch anders sein, ist oder wird aufgeräumt und auf Hochglanz gebracht.
Was aber, wenn es nicht gut geht? Was, wenn die letzten Tage vor Weihnachten das Chaos ausbricht? Sollte man sich da noch mal schnell Druck machen? Sollte man sich da noch mal abhetzen „bis zum geht nicht mehr“? Warum eigentlich?
Wie wäre es, wenn sie gerade die letzten Tage vor Weihnachten, wenn das Chaos ausbrechen „will“, genießen und sich Zeit für sich nehmen.
Zeit nehmen dafür was Ihnen wichtig und wesentlich ist.
Für eine Tasse Kaffee oder Tee, einen Spaziergang, den Besuch einer guten Freundin oder eines guten Freundes, die Lektüre eines guten Buches oder, oder, oder…Sie werden garantiert mehr Atem am Heiligen Abend haben und ausgeglichener sein.
Freunde, Verwandte und Familie, wenn sie einen wirklich lieb haben, verstehen, dass es ein einfacheres Essen gibt.
Sie verstehen es, dass Küche und Wohnung so aussieht, dass man sieht und merkt, hier wird gewohnt, hier wird gelebt.
Sie verstehen es, dass Geschenke noch nicht eingepackt oder auch mal ein paar Tage später, nach Weihnachten überreicht werden – bei einem urgemütlichen Treffen bei einer Tasse Kakao oder Kaffee. Vielleicht zwischen den Jahren und dann mit ganz viel Zeit. Was macht es denn?
Das Christkind liegt in der Krippe. Im Stall ist es zwar warm aber es mieft von den Tieren, vom Ochsen und vom Esel. Schafe bringen Schmutz, Unruhe und einen scharfen Geruch mit in die gute Stube. Die Hirten geben sich alle Mühe, leise zu sein, aber sie scheppern und poltern wahrscheinlich unüberhörbar und auffällig. Und die Weisen? Ja, die Weisen haben total die Orientierung verloren und müssen sich erst nach dem rechten Weg erkundigen.
Liebe Gemeinde, der liebe Gott hat ein Herz für das Chaos, aus dem regelmäßig etwas ganz Wunderbares wird – wie schon am Anfang der Welt. Mag es manchmal auch noch so turbulent und hektisch zugehen vor dem Fest: Es wird Weihnachten. Verlassen Sie sich einfach darauf und genießen Sie es.
Und stellen Sie sich vor: Aus dem Fahrrad-Chaos in Holland haben wir unsere „Tretrosse“ nach einigem Suchen wieder herausgefischt. Es hieß Ruhe bewahren, ein wenig Abstand nehmen, den Blick schweifen lassen und darauf vertrauen, dass es schon gut wird. Siehe da, da waren sie ja unsere guten Stücke! Wie schon gesagt, der liebe Gott hat ein Herz für das Chaos (und für die Fahrradfahrer)!
Eine gesegnete Zeit wünscht Ihnen
Ihr Pfarrer Frank Paulmann

Gemeindebrief Herbst 2018

Sich erinnern

Titelbild Gemeindebrief Herbst 2018
Titelbild Gemeindebrief Herbst 2018

Ich hoffe, das Titelbild unseres Gemeindebriefes hat sie neugierig gemacht. Worum könnte es in diesem Gemeindebrief wohl gehen? Um Gedichte? Um die Schulzeit? Fast richtig. Es geht um verschiedene Facetten des Erinnerns. Wer ein Poesiealbum oder auch ein Fotoalbum in die Hand nimmt, taucht in eine Zeit ein, die vergangen ist. Wenn man den Vers liest und den Namen des Menschen, der ihn aufgeschrieben hat, dann sind da auf einmal ganz viele Erinnerungen. Man erinnert sich an Schulfreundinnen und -freunde, an schöne Erlebnisse, auch an Ärger. Es fällt einem auf, was sich seitdem alles verändert hat. Wie man sich selbst verändert hat. Manchmal denkt man „Gut, dass ich das hinter mir habe.“ Ein anderes Mal seufzt man „Es war doch eine schöne Zeit.“

Erinnern tut gut. Schöne Erinnerungen machen glücklich, zufrieden und dankbar. Erinnerungen an schwere Zeiten, lassen einen daran denken, wie man mit dieser Situation zurecht gekommen ist und machen Mut, wenn es im Leben wieder einmal schwer ist. „Damals habe ich es ja auch geschafft …“ Manchem fällt auch ein, wo und wie Gott geholfen hat und das lässt ihn hoffen, dass Gott ihm auch jetzt beisteht.

Für mich ist besonders der Herbst eine Zeit des Erinnerns. Wenn die Blätter bunt werden, die Sonne noch mal warm scheint, erinnere ich mich an schöne Sommertage, an Urlaub und gute Zeit. Am Erntedankfest erinnern mich die Blumen und Früchte daran, wie gut es mir geht und dass ich allen Grund habe Gott zu danken. Im November kommen dann mit dem Volkstrauertag und dem Ewigkeits- oder Totensonntag die Tage, die mich daran erinnern, dass jeder Mensch sterben muss – auch ich. Ich denke an die Menschen, die mir fehlen und die mein Leben geprägt haben und auch an die, die in den Kriegen ihr Leben verloren haben und heute unter Krieg leiden. Ich bin dankbar, dass ich in Frieden leben kann, und weiß, das ist nicht selbstverständlich.

Schöne und schwere Erinnerungen machen mich darauf aufmerksam, was ich in meinem Leben Gott verdanke. Wo er mich begleitet, was er mir Gutes geschenkt hat. Diese Erinnerungen bestärken mich in meinem Vertrauen, dass Gott für uns da ist. Komme was wolle.

Er vergisst uns nicht, er denkt an uns. Beim Propheten Jesaja in Kapitel 49,14-16 lesen wir: „Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn? Und selbst wenn sie ihn vergessen würde: Ich vergesse dich nicht. Siehe her: Ich habe dich eingezeichnet in meine Hände.“

Es tut gut, sich das immer wieder ins Gedächtnis zu rufen. Mir gibt es jedenfalls viel Sicherheit zu wissen, dass Gott mich sieht und an mich denkt.

Es grüßt Sie ganz herzlich
Ihre Christine Specht