Gemeindebrief Herbst 2019

Gedanken von Frank Paulmann

Titelseite Gemeindebrief Herbst 2019
Titelseite Gemeindebrief Herbst 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,
wenn Sie diese Zeilen lesen, dann liegt der Sommer hinter uns und wir gehen mit großen Schritten auf den Herbst zu. Noch mögen die Sonnenstrahlen des Spätsommers unsere Herzen erfreuen, aber das Ende des Spätsommers ist absehbar.

Jedoch der Herbst hat auch seine schönen Seiten. Es ist die Zeit, in der die Tage kühler, kürzer und auch stürmischer werden. Die besondere Schönheit bildet sich heraus in der Farbenpracht der reif gewordenen Früchte und in der Blätterfärbung der Bäume. Das Morgenlicht und Abendlicht im Herbst lässt die Natur in seiner eigenen unverwechselbaren Farbenpracht erscheinen.

Die Natur schmückt sich nochmals in voller Pracht bevor dann alles kahl und trist wird.

Der Herbst ist auch die Zeit der vielen Feste. Angefangen im September und Oktober mit den Weinfesten, über die zunehmend gefeierten Apfel-, Kartoffel- und Kürbisfeste bis hin zum Erntedankfest.

Das Erntedankfest lenkt unseren Sinn darauf, dass Gott der Schöpfer ist, der mich versorgt mit allem was ich zum Leben brauche, ja weit über das Nötigste hinaus. Gerade der letzte Sommer mit seiner extremen Hitze hat uns mehr denn je spüren lassen, wie eingebunden und abhängig wir Menschen vom Kreislauf der Natur sind.

Mit dem Erntedankfest erinnern wir Christ*innen an den engen Zusammenhang von Mensch und Natur. Die Kirchen werden festlich mit Feldfrüchten ausgeschmückt und es gibt uns Anlass dem Schöpfer Dank zu sagen. Darüber hinaus bietet das Erntedankfest die Möglichkeit, den Blick auf die Verantwortung des Menschen für die Schöpfung zu schärfen.

Wenn wir weiter auf das Kirchenjahr schauen, erleben wir, dass nach der Sommerzeit mit der langen kirchlichen Trinitatisphase im Herbst das kirchliche Gemeindeleben auch wieder bunter und reichhaltiger wird. Wir feiern das Erntedankfest, den 9. November mit der Friedensdekade, den Reformationstag und ein von Kindern besonders geliebtes Ereignis, den St.-Martins-Tag. Es folgt der Buß- und Bettag und mit dem Ewigkeitssonntag schließt sich der Kreislauf des Kirchenjahres.

Nicht nur in der Natur erleben wir unsere Eingebundenheit von Werden und Vergehen, sondern das Kirchenjahr spiegelt es uns mit dem ihm eigenen Feier- und Gedenktagen wieder.

Wenn das Kirchenjahr mit dem Ewigkeitssonntag seinen Schlusspunkt setzt, dann wird an diesem Gedenktag besonders deutlich, dass Gott meine Zeit in seine Hände nimmt. Der Psalm 36 bringt das mit seiner Aussage „Meine Zeit steht in deinen Händen“ auf den Punkt.
Diese Getragensein von Gott, vom Anfang bis zum Ende, in guten wie in schwierigen Lebensphasen hat der Kabarettist Hanns Dieter Hüsch in seinem Gedicht „Ich bin vergnügt, erlöst, befreit“, in wunderbaren Worten aufgenommen und in einer Leichtigkeit beschrieben, die Trost und Hoffnung gibt. Dieses lyrische Werk mag ein Trost sein, wenn die Natur nach dem Herbst ihr Farbenkleid abwirft und die Tage trister und dunkler werden.

Es mag unsern Geist in jener Zeit erfrischen.

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit.
Gott nahm in seine Hände meine Zeit,
mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Verzagen,
das Elend und die Zärtlichkeit.
Was macht, dass ich so fröhlich bin
in meinem kleinen Reich?
Ich sing und tanze her und hin
vom Kindbett bis zur Leich.
Was macht, dass ich so furchtlos bin
an vielen dunklen Tagen?
Es kommt ein Geist in meinen Sinn,
will mich durchs Leben tragen.
Was macht, dass ich so unbeschwert
und mich kein Trübsinn hält?
Weil mich mein Gott das Lachen lehrt
wohl über alle Welt.
Ich bin vergnügt, erlöst, befreit.
Gott nahm in seine Hände meine Zeit,
mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Verzagen,
das Elend und die Zärtlichkeit.

Hanns Dieter Hüsch

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gute und erlebnisreiche Herbstzeit. Möge Gott unser Fragen und Suchen, unser Tun und Lassen in seine Hände nehmen.

Mit segensreichen Grüßen
Pfarrer Frank Paulmann

Gemeindebrief Sommer 2019

Gedanken von Jutta Hofmann-Weiß

Titelseite Gemeindebrief Sommer 2019
Titelseite Gemeindebrief Sommer 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

Sommerzeit – das ist die Zeit, in der wir uns gerne Pausen gönnen. Ob nun in der Ferne oder zuhause. Pausen sind keine „leeren Zeiten“, sondern im Innehalten kann vieles geschehen. Pausen sind nicht nur Regenerationszeiten, wenn Körper und Seele erschöpft sind. Pausen sind nicht nur die Zeiten, in denen wir von Lebensumständen gezwungen werden unseren Alltag zu unterbrechen. In Pausen kann ich zu mir selbst finden und zu Gott. In Pausen kann ich neue Lebenskraft und neuen Lebensmut schöpfen. Solche Pausen brauchen die Achtsamkeit. Achtsam sein heißt hier nicht vorsichtig sein. Das ist etwas anderes. Achtsam sein – so habe ich es gelernt – hat etwas mit der Fähigkeit zu tun, ganz in der Gegenwart zu sein und den Moment genießen zu können. Sich nicht in der Vergangenheit zu verlieren und sich nicht um die Zukunft zu sorgen. Achtsamkeit braucht Entschleunigung, denn im Hetzen und Rennen geht uns Aufmerksamkeit verloren. Achtsamkeit hat etwas mit dem Mut zu tun, gut wahrzunehmen, mich selbst, meinen Lebensraum und auch meine Mitmenschen. Mit Achtsamkeit, das ist meine Erfahrung, werden Pausen zu Zeiten in denen wir neu wahrnehmen können, was alles unser Leben reich, wertvoll und schön macht.

Achtsam sein zu können ist nicht selbstverständlich und auch nicht immer einfach. Man kann es üben und darum gibt es dazu auch viele Anleitungen. Eine davon kann in der Sommerzeit das Lied sein: „Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser schönen Sommerzeit an deines Gottes Gaben……“ Der Liederdichter Paul Gerhardt schaut genau hin und beobachtet die Natur. Dabei müssen die Füße nicht weit gehen, das Herz ist gefragt, d.h. man sieht die Welt mit dem Herzen und mit der Seele. Tiere wie der Storch, die Glucke oder die Bienen, Pflanzen wie der Weizen, die Bäume und Blumen werden im Lied zum Zeichen dafür, wie gut Gott es mit uns meint und wie sehr er uns das Leben in Fülle schenkt. Aufmerksamkeit für die Wunder der Natur lassen uns staunen und wir können uns über die Vielfalt des Lebens freuen. Kinder sind übrigens gute „Achtsamkeitsbegleiter“, denn sie können sich noch über vieles freuen und staunen, was für uns schon längst selbstverständlich geworden ist.

Auch Jesus war äußerst achtsam, er hat zum Beispiel die Lilien auf dem Felde und die Vögel am Himmel zum Zeichen dafür gemacht, wie gut er für uns sorgt und dass wir unser Leben ihm immer wieder anvertrauen können.

Ich wünsche uns allen wunderbare achtsame Momente und Pausen gerade in diesen Sommermonaten. Dass wir Muße haben genau hinzuschauen, dass wir Wunder der Liebe und Kraft Gottes entdecken und dann die Freude finden, nach der das Herz sucht.

Es grüßt Sie herzlich
Pfarrerin Jutta Hofmann-Weiß

Gemeindebrief Frühjahr 2019

Gedanken von Marisa Mann

Titelbild Gemeindebrief Frühjahr 2019
Titelbild Gemeindebrief Frühjahr 2019

Liebe Gemeindebriefleserinnen und -leser, kennen Sie den Ausspruch: „Seid friedlich!“?
Mir ist er als Kind begegnet und ich habe ihn nach längerer Zeit an so mancher Stelle selbst gebraucht. „Seid friedlich!“.

Denn in einigen Fällen kann schon ein Wort oder sogar eine Geste einen Vulkan auslösen. Da fällt es schwer einfach darüber hinwegzuhören oder -zusehen und schon ist die kurze Zündschnur angefeuert und der augenscheinliche Frieden vorbei. Denn es gibt sie überall, diejenigen, die mit Begeisterung darauf warten, verborgen wieder ein Kämpfchen anfangen zu können. Dann ist die Provokation da und der liebe Friede gefährdet. Da hinein wird es gesprochen, das kleine Machtwort „seid friedlich“.

Beim näheren Hinsehen fällt auf, Frieden zu wahren ist nicht einfach, sich in einem friedlichen Miteinander zu bewegen nicht selbstverständlich. Sei es in unseren Familien, Freundeskreisen oder in Kirchen und Gemeinden, Stolperfallen auf dem Weg zum Frieden gibt es überall. Zerbrechlich ist er und auch oft genug viel zu leicht aufs Spiel gesetzt.

„Suche Frieden und jage ihm nach!“, fordert David im 34. Psalm. Dies ist die gewählte Jahreslosung für das schon angebrochene Jahr 2019. Doch diese Losung ist bedeutungsschwanger, denn sie geht an die Grundfesten von Beziehungsgeschehen und ist daher aktueller denn je.
Vielfach wird von Frieden geredet: „Den Frieden wahren“; „Um des lieben Friedens willen“; „Den Weg des Friedens gehen“. Und es ist gut darüber zu reden, denn die allgemeine gesellschaftliche Großwetterlage zeigt momentan eher Bruch – statt Beistand, eher die harte, kalte Schulter – statt Schulterschluss. Es zeigt sich, viele sehnen sich nach Frieden. Doch Anspruch und Wirklichkeit klaffen oft weit auseinander. Wie oft sind der neidvolle Blick auf andere oder unterschwellige Sorgen, im Leben zu kurz zu kommen, Ursachen für Streit und Auseinandersetzungen.

Daher eine tiefgründige Jahreslosung, die aber auch ein zusagendes „Machtwort“ ist. Denn sie bringt eines der facettenreichsten Worte wieder ins Gespräch: Frieden! Auf Hebräisch Schalom, was nach Gesenius und bibelwissenschaft.de u.a. „ungefährdetes Wohlergehen, Glück, Ruhe und Sicherheit“, „lebensfördernde Geordnetheit der Welt“ oder auch „Zufriedenheit“ unter dem Schirm Gottes bedeuten kann.
Renate Karnstein drückt es so aus: „ ‚Schalom‘ meint eine tiefe Sehnsucht nach einer heilen, unversehrten Welt, in der keine Gefahr mehr droht. ‚Schalom‘ ist die unverbrüchliche Hoffnung auf ein gerechtes und alle Feindschaft überwindendes Miteinander der ganzen Schöpfung.“

Der Friede bzw. ‚Schalom‘ ist also für die allgemeine Großwetterlage eine Grundfeste. Sei es also in unserer Beziehung zu Gott, in persönlichen Beziehungen oder auf der Großen Weltbühne, überall kann ein Stück des Schalom werden bzw. ich ihm nachjagen. Im Kleinen z.B. indem ich mich frage, gibt es etwas, was eine Beziehung zum Zerbrechen gebracht oder gestärkt hat? Was im Handeln lähmt oder bereichert? Oder auch im Großen mit dem kritischen Blick, tut es Not immer auf die populistischen Laute zu hören oder spitzt man doch lieber mal die Ohren für die Zwischentöne des Friedens?
Einfach ist es nicht, aber es lohnt sich. Ich selbst kann aktiv werden, mich einbringen, Frieden suchen und ihm nachjagen. So wünsche ich Ihnen und uns allen ein gutes Jahr 2019 mit vielen Begegnungen, die ein Stück von der heilen Welt Gottes auf Erden spürbar werden lassen.

Es grüßt herzlich, Marisa Mann

Gemeindebrief Winter 2018/2019

Gedanken von Frank Paulmann

Titelbild Gemeindebrief Winter 2018/2019
Titelbild Gemeindebrief Winter 2018/2019

Liebe Leserin, lieber Leser,
irritierend: Was haben denn bloß diese vielen Fahrräder auf dem Bild mit Weihnachten zu tun?
Wenn Sie diese Zeilen lesen, dann sind es vielleicht noch vier Wochen bis Weihnachten.
Bekommen Sie schon Panik?
Als wir mit der Familie in Holland waren, sind wir viel mit dem Fahrrad unterwegs gewesen. Wie Sie an dem Bild sehen, waren wir nicht die einzigen Fahrradfahrer. Die Fahrradständer waren manchmal, wenn wir unsere Fahrräder wieder abholen wollten, total überfüllt, ganz so wie zu sehen ist.
Und natürlich stellt sich die Frage, wie man in diesem Chaos seinen „Drahtesel“ wieder finden kann.
Vier Wochen bis Weihnachten.
Für uns läuft also der Countdown. Und alle Jahre wieder stellt sich bei vielen Menschen die bange Frage: „Bekomme ich bis zu den Festtagen alles hin?“
Zwei Antworten gibt es darauf: Ja oder nein.
Wenn alles klappt, dann ist es gut. Weihnachtsgrüße wurden rechtzeitig verschickt, für jeden sind die richtigen Geschenke schon ausgewählt. Der Essensplan und die Einkaufsliste sind geschrieben. Ja, alles ist gut geplant und vorbereitet. Die Wohnung, wie sollte es auch anders sein, ist oder wird aufgeräumt und auf Hochglanz gebracht.
Was aber, wenn es nicht gut geht? Was, wenn die letzten Tage vor Weihnachten das Chaos ausbricht? Sollte man sich da noch mal schnell Druck machen? Sollte man sich da noch mal abhetzen „bis zum geht nicht mehr“? Warum eigentlich?
Wie wäre es, wenn sie gerade die letzten Tage vor Weihnachten, wenn das Chaos ausbrechen „will“, genießen und sich Zeit für sich nehmen.
Zeit nehmen dafür was Ihnen wichtig und wesentlich ist.
Für eine Tasse Kaffee oder Tee, einen Spaziergang, den Besuch einer guten Freundin oder eines guten Freundes, die Lektüre eines guten Buches oder, oder, oder…Sie werden garantiert mehr Atem am Heiligen Abend haben und ausgeglichener sein.
Freunde, Verwandte und Familie, wenn sie einen wirklich lieb haben, verstehen, dass es ein einfacheres Essen gibt.
Sie verstehen es, dass Küche und Wohnung so aussieht, dass man sieht und merkt, hier wird gewohnt, hier wird gelebt.
Sie verstehen es, dass Geschenke noch nicht eingepackt oder auch mal ein paar Tage später, nach Weihnachten überreicht werden – bei einem urgemütlichen Treffen bei einer Tasse Kakao oder Kaffee. Vielleicht zwischen den Jahren und dann mit ganz viel Zeit. Was macht es denn?
Das Christkind liegt in der Krippe. Im Stall ist es zwar warm aber es mieft von den Tieren, vom Ochsen und vom Esel. Schafe bringen Schmutz, Unruhe und einen scharfen Geruch mit in die gute Stube. Die Hirten geben sich alle Mühe, leise zu sein, aber sie scheppern und poltern wahrscheinlich unüberhörbar und auffällig. Und die Weisen? Ja, die Weisen haben total die Orientierung verloren und müssen sich erst nach dem rechten Weg erkundigen.
Liebe Gemeinde, der liebe Gott hat ein Herz für das Chaos, aus dem regelmäßig etwas ganz Wunderbares wird – wie schon am Anfang der Welt. Mag es manchmal auch noch so turbulent und hektisch zugehen vor dem Fest: Es wird Weihnachten. Verlassen Sie sich einfach darauf und genießen Sie es.
Und stellen Sie sich vor: Aus dem Fahrrad-Chaos in Holland haben wir unsere „Tretrosse“ nach einigem Suchen wieder herausgefischt. Es hieß Ruhe bewahren, ein wenig Abstand nehmen, den Blick schweifen lassen und darauf vertrauen, dass es schon gut wird. Siehe da, da waren sie ja unsere guten Stücke! Wie schon gesagt, der liebe Gott hat ein Herz für das Chaos (und für die Fahrradfahrer)!
Eine gesegnete Zeit wünscht Ihnen
Ihr Pfarrer Frank Paulmann

Gemeindebrief Herbst 2018

Sich erinnern

Titelbild Gemeindebrief Herbst 2018
Titelbild Gemeindebrief Herbst 2018

Ich hoffe, das Titelbild unseres Gemeindebriefes hat sie neugierig gemacht. Worum könnte es in diesem Gemeindebrief wohl gehen? Um Gedichte? Um die Schulzeit? Fast richtig. Es geht um verschiedene Facetten des Erinnerns. Wer ein Poesiealbum oder auch ein Fotoalbum in die Hand nimmt, taucht in eine Zeit ein, die vergangen ist. Wenn man den Vers liest und den Namen des Menschen, der ihn aufgeschrieben hat, dann sind da auf einmal ganz viele Erinnerungen. Man erinnert sich an Schulfreundinnen und -freunde, an schöne Erlebnisse, auch an Ärger. Es fällt einem auf, was sich seitdem alles verändert hat. Wie man sich selbst verändert hat. Manchmal denkt man „Gut, dass ich das hinter mir habe.“ Ein anderes Mal seufzt man „Es war doch eine schöne Zeit.“

Erinnern tut gut. Schöne Erinnerungen machen glücklich, zufrieden und dankbar. Erinnerungen an schwere Zeiten, lassen einen daran denken, wie man mit dieser Situation zurecht gekommen ist und machen Mut, wenn es im Leben wieder einmal schwer ist. „Damals habe ich es ja auch geschafft …“ Manchem fällt auch ein, wo und wie Gott geholfen hat und das lässt ihn hoffen, dass Gott ihm auch jetzt beisteht.

Für mich ist besonders der Herbst eine Zeit des Erinnerns. Wenn die Blätter bunt werden, die Sonne noch mal warm scheint, erinnere ich mich an schöne Sommertage, an Urlaub und gute Zeit. Am Erntedankfest erinnern mich die Blumen und Früchte daran, wie gut es mir geht und dass ich allen Grund habe Gott zu danken. Im November kommen dann mit dem Volkstrauertag und dem Ewigkeits- oder Totensonntag die Tage, die mich daran erinnern, dass jeder Mensch sterben muss – auch ich. Ich denke an die Menschen, die mir fehlen und die mein Leben geprägt haben und auch an die, die in den Kriegen ihr Leben verloren haben und heute unter Krieg leiden. Ich bin dankbar, dass ich in Frieden leben kann, und weiß, das ist nicht selbstverständlich.

Schöne und schwere Erinnerungen machen mich darauf aufmerksam, was ich in meinem Leben Gott verdanke. Wo er mich begleitet, was er mir Gutes geschenkt hat. Diese Erinnerungen bestärken mich in meinem Vertrauen, dass Gott für uns da ist. Komme was wolle.

Er vergisst uns nicht, er denkt an uns. Beim Propheten Jesaja in Kapitel 49,14-16 lesen wir: „Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn? Und selbst wenn sie ihn vergessen würde: Ich vergesse dich nicht. Siehe her: Ich habe dich eingezeichnet in meine Hände.“

Es tut gut, sich das immer wieder ins Gedächtnis zu rufen. Mir gibt es jedenfalls viel Sicherheit zu wissen, dass Gott mich sieht und an mich denkt.

Es grüßt Sie ganz herzlich
Ihre Christine Specht

Gemeindebrief Sommer 2018

Gedanken von Marisa Mann

Titelbild Gemeindebrief Sommer 2018
Titelbild Gemeindebrief Sommer 2018

Liebe Gemeindebriefleserin, lieber Gemeindebriefleser
Sommerzeit. Urlaubszeit. Mal aus dem Alltag ausbrechen, sich andere Länder, Kulturen und Eindrücke verschaffen. Mal was anderes sehen oder einfach mal den Alltag entschleunigen, sich in die Sonne setzen und den Tag genießen. Oder sich von diesem unbeschreiblichen Gefühl berauschen lassen, das einen überkommt, wenn man ans Meer fährt, die Meeresluft in vollen Zügen einatmet, den Sand unter den Füßen spürt und diese unbändige Kraft spürt, die das Meer in sich birgt. Dieses Gefühl von Unendlichkeit.
Wenn man nicht ans Meer oder in den Urlaub fahren kann – aus welchen Gründen auch immer – sucht man sich oftmals Rückzugsorte, z.B. im heimischen Garten, dem Baggersee oder dem Schwimmbad. Ganz keck sprach neulich auch eine junge Frau, Teamerin in der Konfiarbeit, vom Urlaub auf Balkonien.
Leider sind diese Orte meistens zu nahe an unserem eigenen Alltag, sodass es schwerfällt, diesen völlig aus seinem Kopf zu streichen. Geht es Ihnen auch so?
Was oftmals kurzerhand hilft, um den Alltag mal in weite Ferne rücken zu lassen, ist das Aufsetzen einer Sonnenbrille. Vielleicht so einer, wie sie auf dem Titelblatt abgebildet ist. Sonnenbrille auf die Nase und schon sieht die Welt ganz anders aus.
Sie lässt einen dieses Gefühl von sehnsüchtigem Urlaubsgenuss und sehnsüchtigem Innehalten mitten im Alltag so ein kleines bisschen spüren.
Muss man also, um dieses Gefühl von Unendlichkeit in den Alltag zu bekommen, diesem entfliehen? Oder können wir es auch schaffen im Alltagstrott einzuatmen, sich selbst zu spüren, und der Unendlichkeit, und so auch Gottes schöpfungsumspannender Liebe ganz nahe zu fühlen?
Setzen wir die Sonnenbrille auf, sorgt sie an sonnendurchfluteten Tagen für den nötigen „Durchblick“ und lassen uns mal einen ganz anderen Blick auf die Welt erhaschen.
Überall verbirgt sich etwas, aber wir sehen selten hin. Nach jedem Schöpfungstag wird über Gott gesagt: „Und Gott sah, dass es gut war!“
Wagen wir doch mal etwas. Indem wir einfach mal die „Sonnenbrille Gottes“ aufsetzen und versuchen, die Schöpfung aus seinem Blickwinkel zu betrachten und mit genau diesem Gefühl für einen kurzen Moment auf die Welt zu blicken. Da geht es schon los! Einfach mal unter dem geschützten, getönten Blick vor den anderen, den neuen Blick gewinnen. Ich fange an im eigenen Alltag die kleinen Wunder zu sehen, die einen umgeben.
Erstmal das „Ich“ wahrnehmen, mit allem was ich grade tue oder lasse – ein Wunder. Menschen, die einen umgeben, die mit einem lachen, weinen, streiten, mich akzeptieren, lieben, mit mir diskutieren – ein Wunder. Das Werden und Vergehen eingebettet in Gottes Schöpfung, die einen umgibt – ein Wunder. So viel im Alltag, was so wunderbar ist, das uns überwältigen, erstaunen und befreien kann. So, dass wir ein Hauch von Unendlichkeit spüren können und Gott ganz nahe sind. Also, gewinnen wir mal den „neuen“ Blick auf die ganz alltäglichen Dinge durch ein paar getönte Gläser und vielleicht entdecken wir… ein kleines Wunder.
Es grüßt Sie herzlich,
Marisa Mann

Gemeindebrief Frühjahr 2018

Der Herr ist mein Hirte

Titelseite des Gemeindebriefes Frühjahr 2018
Titelseite des Gemeindebriefes Frühjahr 2018

Hirte – Schafe, das war in der Fotogruppe die erste Assoziation zu Psalm 23. Wo ein Hirte ist, da muss es Schafe geben. Schafe wie auf dem Titelbild. Versehen mit einer Nummer oder sogar einem eigenen Namen. Dass es auch Hirten gibt für Ziegen und Rinder, für Schweine und Gänse und für manch andere Tiere – das dämmerte uns erst etwas später. Dabei: Ganz egal, wo auf der Welt Tiere draußen gehalten werden – überall gibt es Menschen, die sich um sie kümmern. Die mit Sachverstand und Überblick und einer gehörigen Portion Know-How dafür sorgen, dass die Tiere es gut haben. Dass Sie versorgt sind und ihnen möglichst wenig zustoßen kann. Und dass sie Hilfe bekommen, wenn Ihnen doch einmal etwas passiert ist. Gute Hirten eben, die sich kümmern. Und denen die Tiere am Herzen liegen.

Und wie ist das bei uns Menschen – brauchen wir auch so einen Hirten?
Mein erster Impuls ist: Wofür brauche ich einen Hirten, ich habe doch mein Leben selbst im Griff und weiß, was gut für mich ist und was nicht. Ich kann und will selbst entscheiden.

Und dann schaue ich manchmal zurück auf das, was ich alles schon erlebt habe. Welchen Menschen ich begegnet bin. An welchen Orten und auf welchen Wegen ich unterwegs war. Und wenn ich ehrlich bin, kann ich nur feststellen: Das Wenigste, von dem, was meinen Werdegang und mein Leben ausmacht, habe ich selbst entschieden. Und trotzdem ist so vieles so erstaunlich gut geworden.

Der Herr ist mein Hirte – dieser Satz, dieser ganze Psalm hält für mich fest, dass ich als Mensch keine Laune der Natur bin, kein Zufall in der Evolutionsgeschichte, sondern Gottes Absicht. Und weil Gott mich als sein Gegenüber und als seinen Ansprechpartner will, deshalb lässt er mich auch nicht einsam und alleine durch die Welt stolpern, sondern kümmert sich. Das bin ich ihm offensichtlich wert.

Mir tut es gut, dass mich der Psalm mit seinen Worten und Bildern immer wieder daran erinnert: Gott ist da. Auch für mich. So wichtig bin ich ihm.
Deshalb stimme ich gerne zu: Ja, der Herr ist auch mein Hirte.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie das so auch für sich entdecken und sagen können.

Ihr Andreas Specht

Gemeindebrief Winter 2017/2018

Wintertraum

Titelseite des Gemeindebriefes Winter 2017/2018
Titelseite des Gemeindebriefes Winter 2017/2018

Alle Jahre wieder wünsche ich mir einen kalten Winter mit Schnee und Eis.
Adventssonntage an denen es Freude macht die Kerze am Adventskranz anzuzünden, in Ruhe Tee zu trinken und es zu genießen in einer gemütlichen Wohnung zu sitzen, während es draußen kalt ist.

Ich wünsche mir klare, kalte Wintertage mit blauem Himmel und Sonnenschein, die dazu einladen spazieren zu gehen. Ich möchte dann einen zugefrorenen Teich oder Bach fotografieren und festhalten, wie die Eiskristalle im Licht blitzen. Spuren im Schnee sind auch sehr fotogen und einen Schneemann zu bauen, macht auch Spaß. Mit Bing Crosby träume ich von einer „weißen Weihnacht“ und erwische mich dabei dass ich „I m dreaming of a white christmas“ vor mich hin summe.

Warum eigentlich? Was steckt hinter diesem Weihnachts-Winter-Traum?

Der Winter bringt manches mit sich, was mir gut tut, wonach ich mich sehne.

Wenn Schnee liegt, ist alles leiser. Der Schnee dämpft die Geräusche. Man hört ganz deutlich, dass es draußen leiser ist als sonst. Mir tut das gut.

Der Schnee bremst auch meine Geschwindigkeit. Wenn ich draußen zu Fuß oder mit dem Auto unterwegs bin, bin ich vorsichtiger als sonst. Ich kann nicht mal eben schnell noch etwas erledigen. Ich werde durch Schnee und Eis entschleunigt. Ich gebe zu, manchmal erhöht das auch meinen inneren Druck und macht Stress, aber andererseits könnte ich es ja auch einfach genießen, dass alles seine Zeit braucht und auch hat.

Die Natur erlebt ihre Winterruhe und ich habe das Gefühl, diese Ruhe, die brauche ich auch.

Wenn draußen alles von Schnee bedeckt ist, sieht die Welt ganz verändert aus. Diese Veränderung ist wie ein Hinweis auf die große Veränderung, die wir an Weihnachten feiern. Gott wird Mensch und das verändert alles.

Ja, ich glaube, hinter meinem Weihnachts-Winter-Traum steckt der Wunsch, mich auf Weihnachten vorbereiten zu können. Ich wünsche mir, dass ich neu entdecke, wie Gott durch die Geburt seines Sohnes alles verändert und was er uns damit schenkt.

Und was mache ich, wenn es in der Advents- und Vorweihnachtszeit nicht schneit?

Dann muss ich selbst dafür sorgen, dass ich all das bekomme, was mir der Winter sonst beschert: etwas mehr Ruhe;Tempo rausnehmen; für Veränderungen sorgen, die mich auf Weihnachten einstimmen. Ich könnte zum Beispiel Advents- und Weihnachtslieder summen und dabei auch einen Blick auf den Text werfen. Es gibt da ganz viel zu entdecken.

Aber vielleicht habe ich ja Glück und es schneit doch…

Ich wünsche uns allen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und dann ein gutes neues Jahr.
Ihre Christine Specht

Gemeindebrief Herbst 2017

Alles hat seine Zeit

Titelseite des Gemeindebriefes Herbst 2017
Titelseite des Gemeindebriefes Herbst 2017

Ein Gemeindebrief für drei ganz verschiedene Monate: Für die Einen sind im September die Ferien schon Wochen her – und damit auch der Urlaub. Andere freuen sich noch auf einen schönen Spätsommer an der See oder in den Bergen.
Es kommt das Erntedankfest in den Blick – und in so mancher Küche wird Gelee und Marmelade gekocht oder einfach Saft gepresst. Und beim Genießen des reichhaltigen Angebots kommt oft die Dankbarkeit von selbst, dass wir es hier so gut haben.
Die ersten Kürbisse werden reif und verlocken Kinder und Jugendliche, Fratzen hineinzuschneiden und Laternen damit zu basteln, während manche Erwachsenen lieber kulinarische Delikatessen daraus zaubern.
Währenddessen ist draußen der Spätsommer längst vergangen. Es gibt vielleicht noch ein paar Tage Goldenen Oktober. Aber die ersten Nachtfröste sind schon da. Und dann kommt auch der Nebel. Die Tage werden trüber und dunkler. Viele verknüpfen in ihrer Erinnerung diese Zeit um das Reformationsfest, um Allerheiligen, Volkstrauertag und Ewigkeitssonntag mit tristem Novembergrau. Auf dem Friedhof werden die Gräber für den Winter gerichtet. Und dann steht schon der Advent vor der Tür.
So viele ganz unterschiedliche Ereignisse und Stimmungen in so kurzer Zeit. Sind es zu viele? Zu viele Jahreszeiten, zu viele Themen für einen einzigen Gemeindebrief?
Andererseits: Ist das nicht das ganz normale Leben? Liegen nicht ganz oft an ein und demselben Tag Arbeit und Pause, Freude und Enttäuschung, Glücklich-Sein und Ärger, Begrüßung und Abschied dicht beieinander – und noch vieles mehr.
So wie es schon der Prediger Salomo in seinen bekannten Worten beschreibt (Buch des Predigers Salomo, Kapitel 3): Alles hat seine Zeit. – Und dann zählt er auf, noch weit mehr Situationen und Lebenslagen als hier in diesem einen Gemeindebrief Erwähnung finden. Und sein Fazit ist: Ja, das alles kommt im Leben vor. Das alles macht die Fülle und den Reichtum menschlichen Lebens aus und manchmal auch seine Probleme und Schwierigkeiten. Wichtig ist nur, dass man sich als Mensch jeweils auf das einlässt, was eben im Moment gerade dran ist. Dass man sich die Zeit nimmt, den Augenblick zu leben und zu erleben. Dann kann man in seinem Leben auch Gottes Gegenwart, seinen Segen erfahren. Oder wie es der Prediger Salomo formuliert: Wer jedem Ding die Zeit einräumt, die es braucht, der kann dabei das Stück Ewigkeit erleben, das Gott dem Menschen ins Herz gelegt hat.
Um das hinzubekommen, muss man als Mensch manchmal einen Moment Pause machen zum Überlegen. Einen Schritt zurücktreten aus dem normalen Trubel, sich in Ruhe hinsetzen, zurücklehnen, die Gedanken ziehen lassen, um dann wieder entscheiden zu können, was jetzt dran ist.
Ich wünsche Ihnen, dass auch Ihnen das gelingt: Zu erkennen, was in Ihrem Leben, was hier und jetzt gerade dran ist. Und dem dann auch die Zeit einzuräumen, die es dafür braucht. So dass Sie die ganze Fülle Ihres Lebens im wahren Sinn des Wortes „erleben“ und so bei allem zugleich Gottes Begleitung und seinen Segen.
Ihr Andreas Specht

Weitere Inhalte aus dem Gemeindebrief:
Unsere neue Organistin
Ups, ich spreche ja Englisch
Luther
u.v.m.

Gemeindebrief Sommer 2017

Begeistert sein!

Titelseite des Gemeindebriefes Sommer 2017
Titelseite des Gemeindebriefes Sommer 2017

Liebe Gemeinde,
so manche Kanzel habe ich in meinem zu Ende gehenden Vikariat betreten. Eindrucksvoll bleibt mir aber vor allem die Garbenteicher Kanzel im Gedächtnis. Es war und ist immer ein besonderes Gefühl im „Schrank“ zu verschwinden, die kleine hölzerne Treppe hinaufzusteigen und dann dort oben anzukommen. Bevor ich aber herunterschauen kann und mit meiner Predigt beginne, fällt mein Blick auf etwas, das oben im Kanzeldeckel aufgemalt ist. Es ist die kleine weiße Taube, wie Sie sie auf dem Titelbild des Gemeindebriefes sehen. Die Taube ist im Christentum das Symbol für den Heiligen Geist. Oder anders gesagt: Ein Bild für Gott. Warum finden wir aber gerade dieses Gottesbild über der Kanzel? Die Taube dient uns hier als ein Zeichen. Die Taube soll uns an etwas erinnern. Sie zeigt uns, dass das was auf der Kanzel passiert – die Predigt! – nicht einfach nur eine herkömmliche Rede ist. Etwa so, wie wir sie etwa aus der Politik und den Wahlkämpfen kennen oder den Kommentaren am Ende der Tagesschau. Die Predigt will und soll etwas Besonderes sein. Sie soll als eine besondere Art der Rede über Gott verstanden werden. In der Predigt wirkt der Heilige Geist. Der Heilige Geist will es sein, der im Zuhörer das Verstehen weckt für das, was ich oder was andere Pfarrerinnen und Pfarrer in der Predigt sagen. Das klingt – zugegebener Maßen – erstmal ziemlich gewöhnungsbedürftig. Woran soll man nun so etwas wie das Wirken des Heiligen Geistes erkennen?
Der Apostel Paulus hat betont, dass es der Heilige Geist ist, der uns lebendig macht und uns dazu befähigt die Geister zu unterscheiden. Jede Predigt ist anders und soll anders sein. Hauptsache ist aber, dass eine Predigt uns von Gott und seinem Wirken in der Welt erzählt. Es geht also dabei nicht darum, dem „Zeitgeist“ nach dem Munde zu reden, sondern im Hier und Heute Gottes Spuren in unserem eigenen Leben zu entdecken. Eine Predigt kann also im wahrsten Sinne des Wortes „begeistern“. Das gelingt nicht immer auf Anhieb oder noch gleich im Gottesdienst am Sonntagmorgen. Manchmal braucht es ein wenig Zeit, sich vom Heiligen Geist überzeugen zu lassen. Das kann den Hörer der Predigt auch entlasten. Niemand muss gleich auf das gepredigte Wort laut mit einstimmen. Vielmehr geht es darum die Worte bei sich zu behalten – sie im Herzen zu bewegen. Sie abzulehnen – oder zuzustimmen. Und auch ich als Prediger bin entlastet. Nicht jeden kann ich mit den Worten meiner Predigt begeistern. Einen Teil muss und will ich dem Heiligen Geist überlassen. Wie gut also, dass er ganz nahe über mir ist, wenn ich oben auf der Kanzel stehe!
Komm Heiliger Geist mit deiner Kraft, die uns verbindet und Leben schafft!
Ihr Vikar Johannes Lohscheidt

Weitere Inhalte aus dem Gemeindebrief:
Vikariat
Wie ist das bei euch in Spanien?
Fastenwoche
u.v.m.