Kraft tanken in der Natur

„Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben.“ So beginnt das fröhliche Sommerlied von Paul Gerhardt, das einen Spaziergang durch die Natur beschreibt und in den Sommergottesdiensten nicht fehlen darf. (Evangelisches Gesangbuch 503)

Da geht jemand mit Achtsamkeit spazieren und nimmt die Bäume wahr, die im vollen Laub stehen, die Lerche, die sich in die Lüfte schwingt, die Bienenschar auf der Suche nach Nektar und vieles mehr. Und derjenige, der da spazieren geht, kann gar nicht anders, als Gott zu loben und darum heißt es im Lied: “ich singe mit, wenn alles singt.“ Ich mache immer gerne Spaziergänge und in dieser Zeit der Pandemie sind sie mir noch einmal besonders wichtig geworden. Darum freue ich mich wie in kaum einem anderen Jahr auf schönes Wetter und meine Spaziergänge.

Ich tanke Kraft durch das Beobachten der Natur. Die Natur hat eine heilsame Wirkung auf meine Seele.

Ich staune, wie vielfältig und wunderbar Gott seine Schöpfung gemacht hat, die immer wieder neues Leben hervorbringt. So spürt man in der Natur Gottes Kraft, die diese Erde bewegt. Bei einem kleinen Spaziergang kann ich mich ein wenig erholen von den betrüblichen Seiten, die das Leben in der Pandemie so mit sich bringt. So erging es Paul Gerhard auch, als er das Lied geschrieben hat. Es klingt so fröhlich und man könnte glauben, er wäre ein glücklicher unbeschwerter Mensch gewesen. In Wirklichkeit aber prägt der dreißigjährige Krieg sein Leben. Dörfer und Städte liegen in Schutt und Asche. Dem Krieg folgt der schwarze Tod, die Pest. Paul Gerhardt muss geliebte Menschen gehen lassen – ein Leben lang. Schon als Kind verliert er seine Eltern. Vier seiner fünf Kinder muss er zu Grabe tragen, ebenso seine Frau. Der Pastor und Barockdichter zieht sich oft zurück in seine „Schwermuthöhle“, wie er es nannte. Aber sein Glaube gibt ihm Kraft und Hoffnung – über den Tod hinaus.

Dieses Vertrauen in Gott wird gestärkt beim Sommerspaziergang. Auch dann, wenn nicht bei allen Spaziergängen das Beobachten der Natur im Mittelpunkt steht, sondern eher das, was uns Menschen gerade an Sorgen im Herzen bewegt. Ich habe mich gerade in diesen Pandemiezeiten ganz bewusst mit Freundinnen oder Gemeindemitgliedern zum Spaziergang verabredet. Ein schöner Ausgleich für die fehlenden Kontakte. So manches Problem kann bei einem gemeinsamen Spaziergang eine Lösung finden. So manchen Kummer kann man sich von der Seele reden. Manchmal vielleicht noch besser, wie wenn man sich in einem Raum gegenübersitzt. Wie oft bin ich gestärkt von einem solchen Spaziergang im vergangenen Jahr schon zurückgekommen, mit viel Freude und neuem Mut im Herzen. Wie schön, dass es Sommer ist.

Ich freue mich auf neue Spaziergänge und wünsche auch Ihnen Zeit und Muße draußen in der Natur, in der Sie Kraft tanken können.

Es grüßt Sie herzlich

Jutta Hofmann-Weiß
Pfarrerin der Ev. Kirchengemeinde
Watzenborn-Steinberg

Endlich Sommer

Zu dieser Ausgabe

Ein bisschen Normalität scheint auch in unseren Kirchengemeinden in greifbare Nähe zu rücken. Seit Pfingsten feiern wir wieder Gottesdienste in den Kirchen in Garbenteich und Hausen. Vorläufig weiter mit Abstand und Masken.

Die Jugendlichen, die am 12. September konfirmiert werden, treffen sich wieder  in den Gemeindehäusern. 

Einige der Konfis werden vor fünf oder zehn Jahren vielleicht an einem Samstag in Hausen bei „Bibel auf. Hereinspaziert!“ dabei gewesen sein, bei einem Krippenspiel eine Rolle übernommen, im Kinderchor mitgesungen oder Spaß bei den Ferienspielen gehabt haben. Liebevoll vorbereitet war das alles von Beate Korf und Birthe Steiß. Beide haben zuletzt in den Monaten der Pandemie intensiv auf verschiedenen Wegen die Beziehung zu Kindern aufrechterhalten. Unterstützt von zahlreichen Jugendlichen.

Nun hören sie im Sommer nach vielen, vielen Jahren auf. Eine Ära der Kinder- und Jugendarbeit geht zu Ende. Wir blicken zurück.

Zugleich blicken wir voraus auf die nächsten sechs Jahre. Für diesen Zeitraum werden am 13. Juni in Hausen und am 5. September in Garbenteich Kirchenvorsteher:innen gewählt, die Verantwortung für die Zukunft der Gemeinden übernehmen.

Sollten Sie als Hausener:in noch einen Stimmzettel im roten Umschlag zuhause haben … bis um 18 Uhr am Wahltag können Sie ihn im Gemeindehaus einwerfen. Dann wird ausgezählt!

Matthias Hartmann

Für die Gemeindebrief-Redaktion

Der HERR ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!

Andacht von Pfarrerin Claudia Kuhn

Mit diesem traditionellen Ostergruß grüße ich Sie ganz herzlich!

Was für eine Botschaft: „Der HERR ist auferstanden!“ .

Und was für eine Bestätigung: „Er ist wahrhaftig auferstanden!“

So beginnt Ostern. Mit neuer Hoffnung und Zuversicht. Wo vorher Enttäuschung, Tod und Trauer waren, bekommen wir von Gott „Rettung“. Gott erweckt Jesus vom Tod. „Tod, wo ist dein Stachel?“

Mit Karfreitag hat Jesus den Todesstachel mit in den Tod genommen. Der Todesstachel bleibt dort. Jesus aber nicht. Gottes Auferweckung schenkt Jesus, dem Christus, neues Leben ganz anderer Art. Und wir, die wir daran glauben und darauf vertrauen, werden in diese Auferstehung mit hineingenommen. Auch wir dürfen uns über dieses neu geschenkte Leben freuen und daran teilhaben. Ein Grund zur Freude, zum Jubel und Jubilieren.

„Lasst uns lobsingen vor unserem Gott, der uns erlöst hat aus Sünde und Tod.“Ja, Christus ist erstanden, halleluja!  Eine neue Perspektive, eine neue Lebensperspektive wird uns geschenkt. „Siehe, ich mache alles neu!“ Diese Verheißung (Offb. 21,5) beginnt mit Ostern.

Die liturgischen Wochen der Passionszeit und der Karfreitag liegen hinter uns. Eine Zeit, die uns sowohl an Jesu Leidenszeit erinnert als auch an unsere Sorgnisse. Die Passionszeit erinnert somit auch uns jedes Jahr wiederkehrend an unsere Schuldhaftigkeit, an Schweres und Belastendes in unserem Leben und lädt uns ein, auf das Wesentliche im Leben zu schauen.

Das führen uns all die vergangenen Monate mit Corona auch wieder ganz deutlich vor Augen. Auch dieses vergangene Corona-Jahr  hat für uns – in ganz unterschiedlichem Maße und ganz unterschiedlicher Weise – gar manche Veränderungen gebracht. Auf manches, was uns lieb und wichtig war, mussten wir verzichten. Ein Leben auf Distanz und mit Distanz war – und ist zunächst noch weiterhin – angesagt.

Von manchen Menschen mussten wir sogar coronabedingt Abschied nehmen. Ja, auf sehr unterschiedliche Weise haben wir seit und in dieser Zeit gelitten. Jene Corona-Zeit ist in gewisser Hinsicht ebenfalls eine Passionszeit für uns, in der uns vieles schmerzlich bewusst wird. Und auch hier dürfen wir hoffen: auch nach dieser Corona-Passionszeit gibt es ein Ostern.

Die Zeit der Corona-Impfungen hat begonnen. Vertrauen wir den neuen Wegen, die uns damit eröffnet werden! Sehen wir diesem Ostern, das uns nach dieser Corona-Zeit geschenkt wird, hoffnungsvoll und zuversichtlich entgegen. Jedes jährliche Osterfest erinnert uns daran: Gott ist mit uns. Gott ist für uns. Mit jedem Osterfest kommt er uns neu entgegen. Darum: Vertrauen wir den neuen Wegen seit Ostern und mit Ostern. Wandern wir mit Ostern in die neue Zeit, „die Tore stehen offen, das Land ist hell und weit“ (EG 395).  

Ein neues Land liegt pfarramtlich nun auch vor Ihnen. Für die nächste Zeit werde ich als Pfarrerin vertretungsweise bei Ihnen Dienste übernehmen. Ähnlich wie bei meinem Vertretungsdienst für Pfrn. Marisa Mann in Watzenborn-Steinberg wird mein Aufgabengebiet bei Ihnen dabei die Bereiche Seelsorge, Gottesdienst und kirchliche Amtshandlungen umfassen.

Auf ein Kennenlernen mit Ihnen freue ich mich. Scheuen Sie sich nicht, mich zu kontaktieren, auch wenn Corona manches zunächst noch erschwert.

Zu meiner Person: Ich bin verheiratet mit Jürgen Kuhn, Gemeindepfarrer in Großen-Buseck. Wir wohnen im dortigen Pfarrhaus und haben drei Kinder. Neben der Pfarrstelle meines Mannes bin ich in Großen-Buseck mit einer halben Pfarrstelle im Dienst. So ist es mir nun möglich, vertretungsweise hier bei Ihnen und in der Kirchengemeinde Watzenborn-Steinberg zur Entlastung mitzuarbeiten.

Vertrauen wir Gottes Wegen und sehen neuen Wegen hoffnungsvoll entgegen. Mit Ostern steht uns eine neue Zuversicht und verheißungsvolle Zukunft offen, „das Land ist hell und weit“. Denn, es gilt: „Der HERR ist auferstanden!  Er ist wahrhaftig auferstanden!“

Pfarrerin Claudia Kuhn

Von Umbrüchen und Aufbrüchen

Dieser Gemeindebrief spiegelt Abbrüche und Umbrüche, aber auch Aufbrüche im Leben der Kirchengemeinden in Garbenteich und Hausen/Petersweiher wie der gesamten evangelischen Kirche wider.

Obwohl seit einem Jahr wegen Corona der Ausnahmezustand herrscht, gelingt es Beate Korf, den Kontakt zu Kindern in der Gemeinde zu halten.

Stadtjugendpfarrer Alexander Klein führt Jugendliche aus unseren Gemeinden wie auch aus Watzenborn-Steinberg in persönlichen Begegnungen und Video-Konferenzen zur Konfirmation, die im Herbst gefeiert wird. Zugleich hat er in den letzten Monaten mit zahlreichen jugendlichen Mitarbeiter:innen die Junge Kirche Gießen eröffnet.

Dass der grundlegende Auftrag der Kirche, Nächstenliebe durch persönliche Seelsorge, während der Pandemie möglich ist, wird in den Berichten von der Klinikseelsorge sowie der Telefonseelsorge und dem Besuchskreis sichtbar.

Schon lange vor Corona zeichnete sich ab, dass unsere Kirche zukünftig deutlich kleiner sein wird. Weniger Mitglieder, das bedeutet weniger Kirchensteuern, mithin Reduzierung und Konzentration kirchlicher Aufgaben. An dieser Stelle danken wir Ihnen, die Sie an der Kirchenmitgliedschaft festhalten und dafür einen Beitrag oder Spenden zu entrichten bereit sind, ausdrücklich!

Mittlerweile ist allen Verantwortlichen deutlich, dass nur Zusammenarbeit zwischen benachbarten Gemeinden die kirchliche Arbeit sichert.

Die Kirche bleibt auch zukünftig im Dorf. Doch bedeutet das nicht, dass es in jedem Ort kirchliche Präsenz in dem Umfang gibt, den wir in den zurückliegenden Jahrzehnten des Wachstums gewohnt waren. In Pohlheim und Fernwald beginnen wir konkret mit einem gemeinsamen Gemeindebüro.

Verantwortlich für die Umgestaltung und Zukunftssicherung der Gemeinde sind die Kirchenvorsteher und Kirchenvorsteherinnen . Am 13. Juni wählen die Hausener Gemeindemitglieder den Kirchenvorstand für die nächsten sechs Jahre neu; wegen Corona in Allgemeiner Briefwahl. Sie müssen sich um nichts kümmern, die Wahlunterlagen werden Ihnen automatisch mit der Post zugesandt. In Garbenteich wird im September gewählt, weil die erforderliche Anzahl von Kadidierenden jetzt nicht erreicht werden konnte.

Auch persönliche Veränderungen kennzeichnen Umbrüche und Aufbrüche in Garbenteich und Hausen. Pfarrer Merten Teichmann verabschiedet sich von den Gemeinden. In den kommenden Monaten wird Pfarrerin Claudia Kuhn aus Großen-Buseck Gottesdienste feiern, Kinder taufen, Paare trauen oder Verstorbene bestatten sowie seelsorgerlich tätig werden. Bis die freigewordene Pfarrstelle wieder neu besetzt ist, übernimmt Dekan André Witte-Karp als Vakanzvertreter Verantwortung, um die beiden Kirchenvorstandsvorsitzenden, Angelika Weis und Stefan Brenne, zu entlasten.

Helmut Johanns folgt Markus Dobler als Küster in Hausen. Andrea Aff übernimmt die Aufgaben der Hausener Gemeinde-Sekretärin von Sabine Hickmann, die nach Watzenborn-Steinberg gewechselt ist. In Garbenteich steht die Neubesetzung im Gemeindebüro noch aus.

Über all das können Sie auf im Gemeindebrief lesen.

Frohe Ostern wünscht Ihnen im Namen der Gemeindebrief-Redaktion

Matthias Hartmann

Weihnachten findet statt! – Sondergemeindebrief

Weihnachten geschieht auch ohne menschliches
Zutun in diesem Jahr für uns und diese Welt.
Freut euch und fürchtet euch nicht!

GESEGNETE WEIHNACHTEN!

Weihnachten findet statt!

Auch in Garbenteich und Hausen finden Weihnachten keine Gottesdienste statt. Diese Entscheidung ist den Mitgliedern der Kirchenvorstände sehr schwer gefallen, aber in Verantwortung für die Gesundheit der Menschen haben wir uns für die Absage der Gottesdienste bis in den Januar hinein entschieden. Wir hoffen auf das Verständnis all derer, die sich wie wir auf  Gottesdienste gefreut haben.

„Wir müssen Weihnachten retten.“

Das habe ich in letzter Zeit oft gehört. Nein, Weihnachten braucht keine Rettung, Weihnachten rettet uns!

Weihnachten geschieht auch in diesem Jahr ohne menschliches Zutun für uns und diese Welt!

Es hat zweitausend Jahre überstanden. Ist in vielen Kriegen gewesen. War bei den Kranken zahlloser Seuchen. Hat sich an die Seite der Verfolgten gestellt und sich nicht darum gekümmert, ob Lametta am Baum hing.

Weihnachten hängt nicht davon ab, ob fünf oder zehn zusammenkommen; auch nicht davon, dass wir Gottesdienste feiern können.  Weihnachten lässt sich nicht machen.

Denn die Geschichte ist da. Der Stern ist da. Menschen sind da, an vielen verschiedenen Orten – die meisten dieses Jahr wohl zuhause.

Vor allem die Geschichte ist da. Das scheint mir wichtig zu sein.

Sie können sie unten lesen.

Von Hoffnung erzählt diese kleine göttliche Geschichte: Vor allem davon, dass es keinen Winkel in der Welt gibt, keine Sekunde unseres Lebens gibt, die ohne Gott ist. „Fürchtet euch nicht! Euch ist der Heiland geboren.“

Uns wird in der Geburt Jesu versichert: Du bist nicht allein, du hast einen Beistand, einen Helfer, einen Heiland. Die himmlischen Mächte haben in Jesus Gestalt angenommen und sind in die Sphäre des Irdischen eingegangen. Alles soll neu werden – auch bei dir. Hab Zuversicht in das, was morgen kommt!

Ein Anfang ist mit Jesus gemacht. Himmel und Erde, Gott und Welt haben sich miteinander verbunden. Nichts auf der Welt ist ohne Gott, seine Gnade und seinen Frieden.

Das kommt auch in diesem Jahr genau richtig: Hoffnung in der Coronazeit!

Hoffnung, dass alles wieder gut wird?

Kaum und schwer zu glauben. Doch:

„Hoffen heißt darauf vertrauen, dass es sinnvoll ist, was wir tun. Hoffnung ist Widerstand gegen Resignation, Mutlosigkeit.“ So sagt es der Theologe Fulbert Steffensky.

Der Theologe und Evangelist Lukas erzählt von Zeichen: Die Geburt eines Kindes in dunkler Nacht, von Hirten und von singenden Engeln.

Das sind Zeichen dafür, dass es neben der rauen Wirklichkeit, von der etwa die Tagesschau erzählt, noch eine ganz andere gibt: Dass diese Welt nämlich von Gott beseelt ist.

Lukas erzählt von Zeichen, in denen wir das Große ahnen und lesen sollen: „Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.“

Es ist nicht leere Hoffnung, sondern hat einen guten Grund, was wir uns in diesen Tagen wünschen:

Frohe und gesegnete Weihnachten!

Ihr Pfarrer Merten Teichmann und die Vorstände der Kirchengemeinden Garbenteich und Hausen/Petersweiher

Spendenaufruf

Die jährlichen Sammlungen in den Weihnachtsgottesdiensten sind ein wichtiger Teil der Einnahmen von „Brot für die Welt“ für notleidende Menschen. Die Weihnachtskollekten fehlen ausgerechnet in einem Jahr, in dem die Not durch Corona weltweit massiv gestiegen ist und die Partnerorganisationen Hoffnung auf unsere Hilfe setzen. Wir bitten Sie ganz herzlich darum, Spenden zu überweisen oder im Internet zu spenden.

„Brot für die Welt“ : DE10 1006 1006 0500 500 500

Dem Anfang Advent verteilten Gemeindebrief lag ein Überweisungsschein bei

Krippenspiel

Das Krippenspiel der  Hausener Kinder finden Sie als Video unter https://www.kirche-miteinander.de/es-war-einmal-krippenspiel-2020/

Mediale Angebote

Das ZDF überträgt Heiligabend, 19.15 Uhr, eine Christvesper aus der Evangelischen Saalkirche Ingelheim mit dem Kirchenpräsidenten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Dr. Volker Jung.

Im Hörfunk überträgt hr2 Heiligabend um 22.15 Uhr die katholische Christmette aus der St. Bonifatius-Kirche in Gießen mit dem katholischen Dekan Hans-Joachim Wahl.

Das Evangelische Dekanat Gießen und Innenstadtgemeinden haben einen Online-Gottesdienst mit Dekan André Witte-Karp ins Internet gestellt. Sie finden ihn und weitere Informationen unter

www.giessen-evangelisch.de

Die Weihnachtsgeschichte nach Lukas

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt.

Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.

Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.

Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten.

Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

Lukas-Evangelium 2, 1-20

Weihnachten findet statt!

Zu dieser Ausgabe

Es wird anders sein in diesem Jahr. Aber, Weihnachten findet statt! Wir laden Sie ein, gemeinsam die Geburt Christi zu feiern. In oder vor Ihrer Kirche in Garbenteich und in Hausen.

Auch jetzt bei Druck dieses Gemeindebriefes vor dem 1. Advent steht einiges unter Vorbehalt.

Auf vieles, was uns viel bedeutet, mussten wir in den zurückliegenden Monaten verzichten.

Unbefangene Gemeinschaft und gemeinsamer Gesang durfte nicht sein. Besonders hart trifft das den Chor und die Senioren. Aber auch die Arbeit mit Kindern war nur eingeschränkt möglich. Die Konfirmationen mussten auf September verschoben werden. Der Hausener Kirchenvorstand tagte in den Bänken der Kirche, weil der Gemeindesaal nicht den nötigen Abstand ermöglichte.

„Es werden Dinge abbrechen und es werden Dinge aufbrechen. Besonders schwierig ist, dass wir noch nicht einmal wissen, was tatsächlich abgebrochen sein wird nach dieser langen Krise.“ Das sagt Dekan André Witte-Karp im Interview in diesem Gemeindebrief. Zugleich beobachtet er in den Gemeinden in und um Gießen Aufbrüche.

Auch bei uns blühte Kreativität auf. Beate Korf, Birthe Steiß, Tessa Schäfer sowie Rie und Julius Schöffmann improvisierten im Lauf des Jahres , damit sich Kinder unbeschwert an oder in der Kirche treffen konnten.  Immer wieder stellten sie ihr Engagement kurzfristig auf die aktuelle Situation ein und hielten während des Lockdowns mit den Kindern Kontakt. Sie sind es auch, die in den Wochen vor Weihnachten unter besonderen Corona-Vorkehrungen ein Krippenspiel der Kinder üben und vor der Videokamera aufführen. Gezeigt wird es beim Familiengottesdienst vor der Kirche am Heiligen Abend.

Die Gottesdienste sind kürzer geworden. Hygienepläne wurden ausgearbeitet, um die Infektionsgefahr zu verringern. Seit November müssen die Mund-Nase-Bedeckungen aufbehalten werden.  Seit Beginn der Pandemie durfte nicht gemeinsam gesungen werden. Und trotzdem  erklangen die Melodien und Worte aus dem Gesangbuch. Wie? Das können Sie in diesem Gemeindebrief nachlesen.

Improvisiert wird ebenso in den Konfirmandenstunden mit den neuen Konfis, die wir Ihnen vorstellen.

Die Kirchenvorstände unserer Gemeinden bereiten sich für das gemeinsame Gemeindebüro in Garbenteich vor. Auch aus Albach,  Steinbach und Watzenborn-Steinberg wurde Zustimmung signalisiert. Eine Projektgruppe traf und trifft sich unverdrossen von den Einschränkungen mit und ohne Maske, in Video-Konferenzen, oft persönlich im großen Saal der Gemeinde Watzenborn-Steinberg.

Dass die Kirchenvorstandswahl im Juni 2021 unter besonderen Bedingungen stattfindet, ist absehbar. Corona verändert alle Regeln. Selbst wenn wir in diesem Gemeindebrief noch zur Gemeindeversammlung im Januar einladen, ist es wahrscheinlich, dass kurz nach Druck die Kirchengesetze geändert worden sind. Dann sind die Kandidatenlisten auch ohne Versammlung während der Pandemie gültig.

Aktuell informieren wir Sie in den „Pohlheimer Nachrichten“ oder im Internet kirche-miteinander.de

Eine frohe Advents- und Weihnachtszeit wünscht Ihnen für die Gemeindebrief-Redaktion

Matthias Hartmann

Weite Wege

Liebe Gemeinde,

„Sie haben einen weiten Weg vor sich.“ Das sagte mir zu Beginn meiner Reha, sechs Wochen nach dem Schlaganfall, die aufnehmende Ärztin.
Ermutigt hat mich der Satz nicht.

Zum Propheten Elia hat diesen Satz ein Engel gesagt, so erzählt es die Bibel, als Elia am Ende seiner Kräfte war: Der Engel des HERRN rührte Elia an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir (1. Buch der Könige 19,7).

Was war geschehen?
Elia hatte nicht nur einen weiten Weg vor sich, sondern bereits eine lange Strecke zurückgelegt. Die biblische Geschichte über Elia nimmt uns hinein in die Zeit des 9. Jh. vor Chr:  König Ahab, der König Israels, heiratet die phönizische Prinzessin Isebel, die den Gott Baal verehrt.
Die Menschen des damaligen Nordreiches Israel geraten in Zweifel, wem sie vertrauen, auf was sie hoffen dürfen, dem Gott Baal oder Jahwe.
Der Prophet Elia, ein glühender Verehrer Jahwes, will durch ein Gottesurteil beweisen, dass Jahwe der wahre Gott ist. Elia versammelt 450 Propheten des Gottes Baal auf einem Berg. Beide Parteien sollen bei ihren Göttern Feuer erbitten, um ein Brandopfer zu entzünden. Elias Rechnung geht auf. Während sich die anderen Propheten vergebens mühen, schickt Jahwe das erbetene Feuer vom Himmel.

Das Gottesurteil ist vollzogen. Das ganze Volk bekehrt sich zu Jahwe, dem Gott Israels. 
Doch Elia will ein für alle Mal Schluss mit der Verehrung Baals machen und lässt alle Baalspropheten töten. Isebel tobt vor Wut und lässt Elia verfolgen, um ihm das Gleiche anzutun, was der ihren Propheten angetan hat.

Elia flieht in die Wüste. Nach vielen Tagen auf der Flucht sinkt er unter einem Ginsterstrauch müde zu Boden und betet: „Es ist genug. So nimm nun, Herr, meine Seele. Ich bin nicht besser als meine Väter.“
Erschöpft schläft er ein. Gott schickt ihm einen Engel,  so erzählt es die Bibel, der ihm mehrmals etwas zu essen und zu trinken vorsetzt und ihn auffordert, sich zu stärken, mit der Begründung: „Du hast einen weiten Weg vor dir.“

Stärkung für weite Wege

Wer weite Wege zurücklegen muss, braucht Stärkung. Elia gab die Speise so viel Kraft, dass er vierzig Tage und Nächte hindurch zum Berg Horeb gehen konnte, bei dem er eine Gottesbegegnung hatte und den Auftrag bekam, einen neuen König für Israel zu salben.
Wer weite Wege zurücklegen muss, braucht Stärkung. Menschen, die jemanden verloren haben, brauchen so eine Stärkung, um zurück ins Leben zu finden. Kranke Menschen auch.
Und uns allen dürfte längst klar geworden sein, dass auch der Weg aus der Corona-Krise heraus ein langer Weg sein wird.

Wer weite Wege zurücklegen muss, braucht Stärkung. Wie gut, dass wir wieder Gottesdienste feiern dürfen, in denen Gott uns mit seinem Wort berührt und stärkt.
„Gott ist mein Hirte, er weidet mich auf grüner Aue und erquickt die Seele“, so singt es der berühmte Psalm.
Viele erleben das im Gottesdienst. Er gibt ihnen Kraft, um die Krise, in der sie stecken, durchzustehen, um zu kämpfen, um sich auf den Weg in die Zukunft zu machen.
„Wenn du glaubst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her.“ Dieser Spruch ist wohl genau so bekannt wie der Psalm.
Dabei wird sicher auch an ein ‚Licht von oben‘ gedacht, an die Hilfe, die durch Gott geschickt wird, vielleicht durch einen leibhaftigen Engel, vielleicht auch durch einen Menschen, durch ein Wort aus der Bibel, einen wohltuenden Gottesdienst oder auch durch das Lächeln und gute Worte oder die liebevolle Zuwendung eines Anderen.

Um Gottes Segen bitten

Ich weiß aus Erfahrung heraus, dass es gut tut, bei Geburtstagsbesuchen und Telefonaten um Gottes Segen zu bitten. Und dabei vertraue ich darauf, dass Gott dem Geburtstagskind die Kraft und das Licht gibt, die er auch mir für den langen Weg damals gegeben hat.

Gott segne und stärke Sie für den Weg, der vor Ihnen liegt!


Pfarrer Merten Teichmann


Gedanken zum Pfingstfest

Liebe Gemeinde,

ich weiß, es ist allgegenwärtig! Vieles hat sich verändert, das vor wenigen Monaten noch undenkbar schien.

Nun leben wir schon eine ganze Weile mit den veränderten Bedingungen, ausgelöst durch Corona. Abstandsregeln, Shutdown, Lockerungen. Hygieneschutzmaßnahmen wurden erstellt, die uns in diesem Spannungsfeld sicherlich noch eine Weile begleiten.

Sie spüren, das geht natürlich auch an uns als Kirchengemeinde nicht spurlos vorbei. Trotz der vielen Einschränkungen und Bestimmungen, die es zu beachten gilt, bin ich frohen Mutes über das, was in den Gemeinden während dieser Wochen alles auf die Beine gestellt wurde. Kirchenöffnungen mit Mitnehmandachten, digitaler Konfi-Kontakt und verschiedene Formen der Kommunikation, wie z.B. der Ostergemeindebrief etc.

Diese Veränderungssituation erinnert mich an ein Ereignis, an dem Gottes Geist eine große Rolle spielt.                          

Pfingsten!

Denn als Geburtstag der Kirche angesehen ist es ein Fest mit großem Potential und Wirkungsgeschichte – bis heute.

Begeben wir uns auf Spurensuche:

Was haben die Jünger Jesu nicht schon alles erlebt seit er gewirkt, gekreuzigt, auferstanden und dann zum Himmel aufgefahren ist. Ein Wechselbad der Gefühle zwischen dem, was man erfahren und erlebt hat, und dem, was möglicherweise auf einen zu kommt. Das auszuhalten ist nicht leicht. So gerade bei uns, als auch bei den Jüngern.

Belebende Unruhe

Viele von ihnen sind durch Christus in den Glauben hineingewachsen, doch als er fortging und er nicht mehr persönlich bei ihnen sein konnte, wurde es schwer sich auch den drängenden Fragen und Anfechtungen zu stellen. Eine Unruhe erwächst, die nochmal ganz neu zum Tragen kommt.

Am Pfingstfest in Jerusalem sind sie alle beisammen, verschiedene Menschen verschiedener Länder mit verschiedenen Sprachen.

Da kommt Gottes Geist über sie und sie verstehen einander in ihrer jeweiligen Sprache. Petrus ergreift das Wort und spricht: „Da will Gott ausgießen von seinem Geist auf alles Fleisch.“ (Apostelgeschichte 2, 17)

Ungewohntes geschieht, in Jerusalem und heute hier. Aber in und aus dieser Veränderung entsteht Neues. Die Jünger begannen miteinander neu zu kommunizieren und versuchten, die jeweiligen Bedürfnisse und Glaubensansätze zu verstehen.

„Kirche“ wird geboren. Auch in der Corona-Situation haben wir uns als „Kirche miteinander“ auf kreative Art und Weise von Gottes Geist begleiten lassen und damit schon hoffnungsvoll erlebt, wie wir mit Veränderungen umgehen können.

Gottes Geist, er bringt in Bewegung, schafft neue Formen, so wie wir neue Formen finden müssen um miteinander im Kontakt zu sein und zu bleiben oder neue Formen des Miteinanders entwickeln.

Ideen dazu gibt es schon hier in diesem Gemeindebrief und den Ausblick, gerade zu diesem Fest unsere Kirchen wieder zu öffnen.

Lassen wir uns anstecken vom Geist Gottes und neben dem alltäglichen Ballast auch dankbar sein für seine Begleitung und für die Chancen, die er uns auftut.

Es grüßt sie herzlich

Ihre Spurensucherin

Pfarrerin Marisa Mann

Das Osterwort heißt Hoffung

Was ich an Ostern mag: es fällt in eine Zeit, in der sich die Natur von ihrer schönsten Seite zeigt: Die kalten Winde aus dem Osten und Norden blasen nicht mehr, T-Shirt-Wetter kommt; dann das zarte Grün an Büschen und Bäumen, überall blüht es, Schmetterlinge und Bienen fliegen.
Kurz, eine Zeit, in der die Seele auflebt und sich erheben kann.
Für mich die schönste Zeit im Jahr.

Was mir an Ostern nicht gefällt: es ist für unseren Glauben so schwer zu fassen.
Theologisch steht im Zentrum von Ostern natürlich die Auferstehung.
Die Auferstehung Jesu bezeugt die Bibel vielfach.
Vor 2000 Jahren hat sie sich ereignet – sicher für die Jünger eine unglaublich große und erhebende Erfahrung.
Nur, wie soll ich mir sie vorstellen und was bedeutet sie für mich?

Meine eigene Auferstehung von den Toten, an die ich glaube, steht hoffentlich noch nicht so bald an, denn noch will ich mich weiter am Leben freuen.  An Ostern zum Beispiel.
Es gibt aber ein Wort, das für mich beides verbindet: das sehr sichtbare und fühlbare Aufblühen neuen Lebens in der Natur einerseits, und andererseits die Unanschaulichkeit von Ostern in meinem Glauben. Dieses Wort ist: Hoffnung. Von ihr heißt es: „Sie stirbt zuletzt.“ Das ist ein trauriger und ein schöner Spruch zugleich!

Einerseits traurig: Denn wenn die Hoffnung zuletzt stirbt, dann ist ja schon anderes vorher gestorben: der Lebensmut, die Lebensfreude vielleicht, die Kräfte, die Zuversicht, Pläne, die man hatte oder im schlimmsten Fall ein Mensch, der einem nahestand.
Und zum Schluss erst die Hoffnung. 
Und das ist das Schöne an dem Satz: Dass trotz allem, was dunkel, traurig ist oder einen verzweifeln lässt, dass da noch etwas lebendig ist, das einen auf einen guten Ausgang, eine positive Wendung oder guten Fortgang des Lebens glauben lässt.

Für mich ist Hoffnung das Osterwort.

Denn uns wird verkündet, dass Gott mit der Auferweckung Jesu die Macht des Todes, des Bösen und Dunklen endgültig gebrochen hat. So betont es die Bibel an vielen Stellen.
Man sollte dem Tod die Macht nicht wieder zurückgeben, indem man resigniert und keine Hoffnung mehr hat. Wo sich die Überzeugung durchsetzt, dass keine Hoffnung mehr ist oder sie stirbt, da haben der Tod und das Dunkle gewonnen.
Ich weiß natürlich, man kann die Hoffnung nicht herbeireden, und keinen zur Hoffnung überreden, der sie nicht hat. Aber ich will mir die Hoffnung auch nicht von Pessimisten, Bedenkenträgern und Schwarzsehern kaputtreden und auch nicht ausreden lassen.
Denn die Hoffnung ist in dieser Welt, weil Gott selber sie hineingepflanzt hat.
Mit der Auferweckung Jesu durch Gott hat jede dunkle Nacht einen hellen Morgen bekommen!
Davon zeugt jedes Morgenrot und auch jeder Mensch, der gesund wird.
Und darauf will ich setzen, bei jedem Krankenbesuch und auch in meinem eigenen Leben.
Auch das Corona-Virus wird besiegt werden. So traurig das ist, es werden auch weiter Menschen an Viren sterben.

Doch das Leben wird irgendwann nach Ostern wieder aufblühen.
Überall!

Ihr

Pfarrer Merten Teichmann

„Heimat“ greifbar machen

An einem Freitag Ende Januar sind in der Hausener Kirche alle Bänke eng besetzt. Kinder führen ein Musical auf. Die ersten Sätze des kleinen Erzählers umreißen die Spannungen im 2000-Seelen-Dorf. „Besonders in letzter Zeit gibt es ständig Ärger in der Schule. Immer wieder geraten Leute aus unterschiedlichen Ländern mit verschiedenen Religionen aneinander.  Nicht selten wird es handgreiflich. Manchmal kann man überhaupt nicht verstehen, warum sich Leute streiten, die nur verschiedene Religionen haben!“

Vordergründig erzählt das Singspiel von der Sklaverei und der Flucht, die Moses und die Israeliten vor Jahrtausenden erlebt haben. Doch um die biblische Geschichte herum hat Beate Korf aus Hausen den Alltag in Kindergarten und Schule verwoben. Seit vielen Jahren leitet sie gemeinsam mit Birthe Steiß die Arbeit mit Kindern in der Kirchengemeinde. Nun hatte die Grundschule Beate Korf gebeten, aktiv zu werden. Denn dort traten in letzter Zeit zunehmend Spannungen zwischen den Kindern auf, die die Lehrerinnen vor Herausforderungen stellen.

Seit Jahren wird Hausen, am östlichen Gießener Stadtrand gelegen, multi-kultureller. Zahlreiche aramäische Familien sind zugezogen, „weil sie ihre christliche, syrisch-orthodoxe Tradition und ihren Glauben in der Türkei oder in anderen muslimischen Ländern im Mittleren Osten ohne Diskriminierung nicht leben konnten“, erzählt Beate Korf. Nach 2015 flohen nun auch muslimische Familien vor dem Krieg in Syrien und dem Irak in eine für sie fremde Umgebung. Wie auch Menschen aus Afghanistan oder Nordafrika landeten sie in Hausen. Daraus erwachsen Spannungen und die zeigen sich zuerst in der Schule. In einer überschaubaren Einrichtung wie der Hausener Grundschule sind Kinder aus über zehn Nationen vertreten. „Heimat“, diese Kategorie ist im Wandel, global und genauso am Schiffenberg.

Im Musical werden die unterschiedlichen Perspektiven krass offenbar. Die Kinder singen: „Was wollt ihr hier in unsrem Land | hat euch wer von zu Haus verbannt? |Ihr seid ganz anders, seid uns fremd, |ich muss es sagen- ungehemmt!“ Ihnen wird geantwortet:  „Was soll‘n wir hier, es ist so kalt, | gibt wenig Freundschaft, viel Gewalt! | Versteh’n kein Wort hier, sind allein, | Soll das die neue Heimat sein?“

Beate Korf ist eine gute Vermittlerin. Seit vielen Jahren verantworten die Lehrerin Birthe Steiß und sie im Team in der Kirchengemeinde Hausen die Kinder- und Jugendarbeit. Beate Korf vermittelt Inhalte mit Musik. Die promovierte, aber nicht praktizierende Ärztin, die auch in Lich und Laubach aktiv ist, gestaltet seit 1998  gemeinsam mit der Birthe Steiß und einem Team aus Jugendlichen  die monatlichen Treffen „Bibel auf – hereinspaziert“.

Vor dem Hintergrund zunehmender Spannungen zwischen den Schülern  bittet die Schulleiterin Mareike Kollmann Beate Korf, die in der 1. und 2. Klasse der Hausener Grundschule Musik unterrichtet und den Schulchor leitet, um Unterstützung bei der Planung und Gestaltung der Projektwoche. Kollmann weiß von der Arbeit mit Kindern in der Kirchengemeinde  zum Jahresthema „Heimat“. Dieses Projekt wurde  2019 vom Evangelischen Dekanat Gießen gefördert, das Mittel für ein Jahresthema „Heimat. Lust auf Region“ ausgelobt hatte.

So entsteht das Musical „Fern der Heimat. Und wo sind Milch und Honig? Auszug aus Ägypten“. Beate Korf schrieb die Texte, ihre Tochter Johanna Korf, Kantorin in Mansfeld (Südharz), komponierte die Musik. Jahr um Jahr verfassen die beiden Musicals für die Ferienspiele im Sommer und für Weihnachten. Kinder vom Kindergartenalter bis zur 8. Klasse singen und spielen dabei mit.

„Unser Ziel war es, das Thema Heimat für Kinder greifbar zu machen. Dass sich Heimat verändert, dass Familien ihre Heimat verlassen mussten und im Ort neue Heimat finden mussten, ist uns in Hausen und Garbenteich vertraut.“ 

Deutlich wurde Beate Korf dabei, die Maßstäbe für Heimat sind zwar unterschiedlich und geprägt von der individuellen Biografie und doch bilden sie die gleichen ur-menschlichen Bedürfnisse nach Geborgenheit und Sicherheit ab. Heimat das ist in der Welt von Kindern Familie, Freunde, eine vertraute Sprache, gemeinsames Essen, das nach Kindheit schmeckt, Geschichten, Musik, religiöse Riten, angenehmes Klima und Landschaft.

In den Gesprächen nimmt sie viele Ängste vor dem Fremden wahr. Die Aramäer sorgen sich vor einer Zunahme von Muslimen. Die Muslime vor der Missionierung in einer christlich geprägten Umgebung. Und die alteingesessenen Hausener Familien fürchten den Verlust heimatlicher Traditionen, die seit Generationen das Leben am Schiffenberg prägen.

Beate Korf und Birthe Steiß machen die Erfahrung, dass die Kinder, die Freunde quer durch alle Kulturen haben, die Ängste der Eltern hören und teilweise übernehmen.

Birthe Steiß und Beate Korf arbeiten mit Kindern zwischen vier und sechzehn Jahren. Bevor sie die Texte des Musicals schreibt, hat sich Beate Korf eingearbeitet, Bücher gelesen und mit Eltern gesprochen.  „Wir haben versucht, Raum zu geben, um offen über die Spannungen zu reden.“  Auch die Kinder durften bei den „Bibel auf“-Terminen ungeschützt und ohne moralische Sanktionen sprechen. Sie haben durch das Miteinander in den Gruppen der Kirchengemeinde und in der Schule aber auch schon gelernt, die Unterschiede gelassener darzustellen.

Während der „Heimat“-Sommerspiele 2019 geht das Team nicht nur auf evangelische, sondern auch syrisch-orthodoxe und muslimische Kinder zu. Dass ihr Hauptdarsteller Mose eine über Konfessions- und Religionsgrenzen hinweg verbindende Gestalt ist, macht das etwas leichter. Wenn auch muslimische Eltern nicht zur Aufführung in der Hausener Kirche kamen, so besuchten sie doch das Sommerfest im Pfarrgarten, das gemeinsam mit dem „Lernraum“ Pohlheim und Flüchtlingshelfern aus Hausen gefeiert wurde. Beate Korf sagt: „Ich akzeptiere, dass Muslime die Kirche nicht betreten wollen. Ich vertrete deutlich meinen christlichen Glauben. Und doch suche ich nach Gemeinsamkeiten zwischen den Menschen, die hier leben.“ So heißt der Laternenumzug für die Hausener Grundschüler im November auch weiterhin St.-Martinsfest. Gefeiert wird es in einem Gottesdienst. Auch hier kommen nicht alle Eltern in die Kirche, sind aber beim anschließenden Fest im Gemeindesaal dabei.

An der Projektwoche mit dem Mose-Musical im Januar beteiligen sich rund ca. 75 Kinder und das gesamte Kollegium der Grundschule Hausen. Während Beate Korf mit der Theatergruppe  in vier Tagen die anspruchsvollen Texte und Lieder in der Kirche probt, üben die 1. und 2. Klässler ihre Auftritte als farbenfrohe Statisten. Zeitgleich werden in der Schule Kulissen gebaut, Kostüme genäht, Requisiten gebastelt und das Thema inhaltlich besprochen. Zum Abschluss jedes Projekttags kommen alle für eine Schulstunde in der Kirche zusammen, um gemeinsam die Refrains der Lieder zu singen und die Szenen mit den kleineren Theaterspielern zu proben.

Am letzten Projekttag ist die Hausener Kirche voll wie sonst am Heiligen Abend. Und in den Bänken sitzen als stolze Zuschauer christliche und muslimische Eltern einträchtig nebeneinander. Für die Lehrerinnen und Lehrer ein Hoffnungszeichen und für Beate Korf ein im Grund wunderbarer Abschluss ihrer langjährigen Kinder- und Jugendarbeit. Denn im kommenden Jahr wollen sie und Birthe Steiß aufhören.

Da wird etwas fehlen in Hausen.

22. März, 15 Uhr, Familiengottesdienst „Heimat“ in der  Hausener Kirche, anschl. Kaffee im Gemeindehaus.

Text: Matthias Hartmann