Mach in mir deinem Geiste Raum, dass ich dir werd‘ ein guter Baum, und lass mich Wurzel treiben….

Eine Andacht von Pfarrerin Marisa Mann zu Paul Gerhardts „Geh aus mein Herz“, Strophe 14

Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn sie diesen Gemeindebrief in ihren Händen halten, stehen die Bäume des Waldes sicherlich noch in vollem Grün. Doch schon in ein paar Wochen werden die ersten Blätter fallen, bis dann der Baum in den herbstlich, winterlichen Monaten majestätisch kahl sein Dasein fristet, bevor er dann im nächsten Frühjahr neue Jungblätter treibt.

Der jahreszeitliche Kreislauf ersichtlich am Baum hat auch christlich eine große Symbolkraft.

Das Motiv des Baumes durchzieht die ganze Bibel. Es beginnt mit den Bäumen im Garten Eden und endet mit dem Baum in der himmlischen Stadt Jerusalem, der zwölfmal Früchte trägt und an dem Strom gepflanzt ist, der die Stadt durchfließt. Das Motiv Baum prägt wohl auch deshalb so stark, weil er ein Symbol für das Leben überhaupt ist.

Auch in dem musikalischen Sommergesang, dem bekannten und beliebten Lied „Geh aus mein Herz und suche Freud“ von Paul Gerhardt, geht der Theologe und Liederdichter so weit, dass er sich als Mensch dazu anhält, symbolisch ein guter Baum im Paradiesgarten Gottes zu werden.

Ein schönes Bild, unsereins als guter Baum in Gottes Garten.

Doch was müssen wir als guter Baum im Lebensalltag alles aushalten? Die Stürme des Lebens mit allem Gegenwind, der sich in vielen Bereichen des Lebens auftut, sei es in der Politik, Gesellschaft oder auch im Privaten. So manches Mal lässt sich ein Baum auch biegen, um den Sturm gut durchstehen zu können. Ein anderes Mal, bricht der Stamm, weil er nicht mehr standhalten kann, oder wird sogar entwurzelt.

So stellt sich nicht nur bei einem Baum die Frage, wie stark er ist? Sondern auch bei uns. Wie fest sind wir verwurzelt, so dass wir gut und standhaft werden oder bleiben können in den allumfassenden Bereichen des Lebens. Doch was braucht es zu gutem Wurzelwerk, das den Baum stark machen kann?

Natürlich Wasser, Sonne, guter und nährstoffreicher Boden. Viele Stoffe dringen durch das Wurzelwerk in den Stamm. So auch bei uns. Viele Gegebenheiten formen uns zu dem Menschen, der wir sind. Doch wie beim Baum braucht es neben den äußerlichen Dingen, wie Sonne und Wasser auch bei uns einen guten Grund, aus dem wir Kraft gewinnen können und der uns stark macht.

Unser Untergrund, in dem wir unser Wurzelwerk schlagen lassen können, ist der Glaube an den Dreieinigen Gott. Dessen Kraft kann uns in den Herbststürmen des Lebensalltags durchströmen, unseren Wurzeln Halt geben, den Stamm versorgen und bis hinauf in die kleinsten Verästelungen vordringen, sodass wir selbst auch gespeist aus seiner Kraft wieder selbst davon Fruchtknospen anlegen können.

Gott ist unser Grund, von dem wir zehren, der uns erblühen und austreiben lässt, der uns Kraft gibt in den heutigen unsicheren und verletzlichen Zeiten und wie auch Paul Gerhardt den Stürmen des Lebens zu trotzen.

So wünsche ich uns allen von Gottes Kraft durchdrungen zu werden, sodass wir Stärkung erfahren können und Liebe, Mut und Besonnenheit als Früchte unseres persönlichen Baumes ernten und weitergeben können.

Es grüßt Sie herzlich,

Ihre Marisa Mann