Fahrräder in Holland

Gemeindebrief Winter 2018/2019

Gedanken von Frank Paulmann

Titelbild Gemeindebrief Winter 2018/2019
Titelbild Gemeindebrief Winter 2018/2019

Liebe Leserin, lieber Leser,
irritierend: Was haben denn bloß diese vielen Fahrräder auf dem Bild mit Weihnachten zu tun?
Wenn Sie diese Zeilen lesen, dann sind es vielleicht noch vier Wochen bis Weihnachten.
Bekommen Sie schon Panik?
Als wir mit der Familie in Holland waren, sind wir viel mit dem Fahrrad unterwegs gewesen. Wie Sie an dem Bild sehen, waren wir nicht die einzigen Fahrradfahrer. Die Fahrradständer waren manchmal, wenn wir unsere Fahrräder wieder abholen wollten, total überfüllt, ganz so wie zu sehen ist.
Und natürlich stellt sich die Frage, wie man in diesem Chaos seinen „Drahtesel“ wieder finden kann.
Vier Wochen bis Weihnachten.
Für uns läuft also der Countdown. Und alle Jahre wieder stellt sich bei vielen Menschen die bange Frage: „Bekomme ich bis zu den Festtagen alles hin?“
Zwei Antworten gibt es darauf: Ja oder nein.
Wenn alles klappt, dann ist es gut. Weihnachtsgrüße wurden rechtzeitig verschickt, für jeden sind die richtigen Geschenke schon ausgewählt. Der Essensplan und die Einkaufsliste sind geschrieben. Ja, alles ist gut geplant und vorbereitet. Die Wohnung, wie sollte es auch anders sein, ist oder wird aufgeräumt und auf Hochglanz gebracht.
Was aber, wenn es nicht gut geht? Was, wenn die letzten Tage vor Weihnachten das Chaos ausbricht? Sollte man sich da noch mal schnell Druck machen? Sollte man sich da noch mal abhetzen „bis zum geht nicht mehr“? Warum eigentlich?
Wie wäre es, wenn sie gerade die letzten Tage vor Weihnachten, wenn das Chaos ausbrechen „will“, genießen und sich Zeit für sich nehmen.
Zeit nehmen dafür was Ihnen wichtig und wesentlich ist.
Für eine Tasse Kaffee oder Tee, einen Spaziergang, den Besuch einer guten Freundin oder eines guten Freundes, die Lektüre eines guten Buches oder, oder, oder…Sie werden garantiert mehr Atem am Heiligen Abend haben und ausgeglichener sein.
Freunde, Verwandte und Familie, wenn sie einen wirklich lieb haben, verstehen, dass es ein einfacheres Essen gibt.
Sie verstehen es, dass Küche und Wohnung so aussieht, dass man sieht und merkt, hier wird gewohnt, hier wird gelebt.
Sie verstehen es, dass Geschenke noch nicht eingepackt oder auch mal ein paar Tage später, nach Weihnachten überreicht werden – bei einem urgemütlichen Treffen bei einer Tasse Kakao oder Kaffee. Vielleicht zwischen den Jahren und dann mit ganz viel Zeit. Was macht es denn?
Das Christkind liegt in der Krippe. Im Stall ist es zwar warm aber es mieft von den Tieren, vom Ochsen und vom Esel. Schafe bringen Schmutz, Unruhe und einen scharfen Geruch mit in die gute Stube. Die Hirten geben sich alle Mühe, leise zu sein, aber sie scheppern und poltern wahrscheinlich unüberhörbar und auffällig. Und die Weisen? Ja, die Weisen haben total die Orientierung verloren und müssen sich erst nach dem rechten Weg erkundigen.
Liebe Gemeinde, der liebe Gott hat ein Herz für das Chaos, aus dem regelmäßig etwas ganz Wunderbares wird – wie schon am Anfang der Welt. Mag es manchmal auch noch so turbulent und hektisch zugehen vor dem Fest: Es wird Weihnachten. Verlassen Sie sich einfach darauf und genießen Sie es.
Und stellen Sie sich vor: Aus dem Fahrrad-Chaos in Holland haben wir unsere „Tretrosse“ nach einigem Suchen wieder herausgefischt. Es hieß Ruhe bewahren, ein wenig Abstand nehmen, den Blick schweifen lassen und darauf vertrauen, dass es schon gut wird. Siehe da, da waren sie ja unsere guten Stücke! Wie schon gesagt, der liebe Gott hat ein Herz für das Chaos (und für die Fahrradfahrer)!
Eine gesegnete Zeit wünscht Ihnen
Ihr Pfarrer Frank Paulmann

Veröffentlicht von

Team Gemeindebrief

Gemeindebriefredaktion der evangelischen Kirchengemeinde Garbenteich und Hausen/Petersweiher