Gemeindebrief Winter 2012

Titelseite des Gemeindesbriefes Winter 2012
Titelseite des Gemeindesbriefes Winter 2012

„Es gibt Tage, da wünscht ich, ich wär mein Hund …“ – Reinhard Mey hat das so gesungen und auch ich denke mir manchmal, das müsste auf jeden Fall spannend sein: Da laufe ich mit unserer Bella durch den Wald und dauernd geht ihre Nase hierhin und dorthin, auf dem Boden nach rechts und dann wieder nach links. Dann hebt sie auf einmal den Kopf und schnuppert hoch oben in der Luft, bevor sie sich plötzlich ins Gebüsch stürzt – so weit ihre Leine eben reicht.

Das müsste spannend sein, mitzubekommen, was der Hund so alles riecht. Mäuse, Rehe und Hasen, andere Hunde und auch Menschen und ich weiß nicht, was noch alles. Eine ganze Welt scheint es da zu geben, die mir als Menschen verschlossen ist. Und mir geht auf, wie vieles um mich herum offensichtlich Tag für Tag geschieht, von dem ich überhaupt nichts mitbekomme, weil ich die vielen Spuren nun einmal nicht erschnuppern kann.

Nur im Winter – dann, wenn es frisch geschneit hat: Dann kann ich wenigstens sehen, was der Hund erschnuppert: Spuren von Kaninchen und Mäusen, von Amseln und Katzen, von einem Fuchs – oder auch, dass der Marder wieder um unser Auto geschlichen ist.

Ja, es gibt vieles, was Tag für Tag um mich herum geschieht – ohne dass ich es sehe oder höre oder gar rieche. Und dann ist es für mich als Mensch gar nicht einfach, trotzdem herauszubekommen, wer oder was da meinen Weg gekreuzt oder mich gar eine Weile begleitet hat.

So sitze ich manches Mal auch da mit den trauernden Angehörigen eines Verstorbenen und wir machen uns auf die Suche nach den Spuren, die von Gottes Hilfe und Begleitung in diesem zu Ende gegangenen Menschenleben zu entdecken sind. Und dann wünschte ich mir schon, ich könnte wie ein Hund solche Spuren erschnuppern und einfach riechen, dass sie da sind. So aber ist es oft eine mühsame Kleinarbeit:

Damals hatte er einen Unfall, und es hieß schon, er sei gestorben – aber wie durch ein Wunder hat er überlebt … Eigentlich hatte er beruflich etwas ganz anderes vor – aber dann wären wir uns nie begegnet und hätten nicht heiraten und eine Familie gründen können … Er war immer wieder krank und saß nachher oft in seinem Sessel – aber trotzdem war er eigentlich immer zufrieden … Es war immer jemand von uns da, der sich um ihn gekümmert hat – ich weiß gar nicht, wie wir das geschafft haben …

Ja, Gott ist dabei und wenn wir uns ein bisschen Mühe machen, dann können wir die Spuren seiner Begleitung und seines Wirkens zwar nicht riechen oder sehen – aber wir können sie zumindest erspüren. Wir brauchen dafür also nicht Nase oder Augen, sondern vor allem erst einmal unser Herz.

Das hat schon vor langer Zeit der Prophet Jeremia festgehalten, wenn er in Gottes Namen verspricht: Ihr werdet mich suchen und finden; denn wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen, spricht Gott. (Jer 29,13f)

Ich wünsche es Ihnen und mir, dass uns ab und zu das Herz aufgeht und wir erspüren können, wie oft Gott unseren Weg kreuzt oder neben uns her geht. Dass wir erleben können: Ja, Gott ist da.

Ihr Andreas Specht

Veröffentlicht von

Team Gemeindebrief

Gemeindebriefredaktion der evangelischen Kirchengemeinde Garbenteich und Hausen/Petersweiher