Gemeindebrief Herbst 2019

Gedanken von Frank Paulmann

Titelseite Gemeindebrief Herbst 2019
Titelseite Gemeindebrief Herbst 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,
wenn Sie diese Zeilen lesen, dann liegt der Sommer hinter uns und wir gehen mit großen Schritten auf den Herbst zu. Noch mögen die Sonnenstrahlen des Spätsommers unsere Herzen erfreuen, aber das Ende des Spätsommers ist absehbar.

Jedoch der Herbst hat auch seine schönen Seiten. Es ist die Zeit, in der die Tage kühler, kürzer und auch stürmischer werden. Die besondere Schönheit bildet sich heraus in der Farbenpracht der reif gewordenen Früchte und in der Blätterfärbung der Bäume. Das Morgenlicht und Abendlicht im Herbst lässt die Natur in seiner eigenen unverwechselbaren Farbenpracht erscheinen.

Die Natur schmückt sich nochmals in voller Pracht bevor dann alles kahl und trist wird.

Der Herbst ist auch die Zeit der vielen Feste. Angefangen im September und Oktober mit den Weinfesten, über die zunehmend gefeierten Apfel-, Kartoffel- und Kürbisfeste bis hin zum Erntedankfest.

Das Erntedankfest lenkt unseren Sinn darauf, dass Gott der Schöpfer ist, der mich versorgt mit allem was ich zum Leben brauche, ja weit über das Nötigste hinaus. Gerade der letzte Sommer mit seiner extremen Hitze hat uns mehr denn je spüren lassen, wie eingebunden und abhängig wir Menschen vom Kreislauf der Natur sind.

Mit dem Erntedankfest erinnern wir Christ*innen an den engen Zusammenhang von Mensch und Natur. Die Kirchen werden festlich mit Feldfrüchten ausgeschmückt und es gibt uns Anlass dem Schöpfer Dank zu sagen. Darüber hinaus bietet das Erntedankfest die Möglichkeit, den Blick auf die Verantwortung des Menschen für die Schöpfung zu schärfen.

Wenn wir weiter auf das Kirchenjahr schauen, erleben wir, dass nach der Sommerzeit mit der langen kirchlichen Trinitatisphase im Herbst das kirchliche Gemeindeleben auch wieder bunter und reichhaltiger wird. Wir feiern das Erntedankfest, den 9. November mit der Friedensdekade, den Reformationstag und ein von Kindern besonders geliebtes Ereignis, den St.-Martins-Tag. Es folgt der Buß- und Bettag und mit dem Ewigkeitssonntag schließt sich der Kreislauf des Kirchenjahres.

Nicht nur in der Natur erleben wir unsere Eingebundenheit von Werden und Vergehen, sondern das Kirchenjahr spiegelt es uns mit dem ihm eigenen Feier- und Gedenktagen wieder.

Wenn das Kirchenjahr mit dem Ewigkeitssonntag seinen Schlusspunkt setzt, dann wird an diesem Gedenktag besonders deutlich, dass Gott meine Zeit in seine Hände nimmt. Der Psalm 36 bringt das mit seiner Aussage „Meine Zeit steht in deinen Händen“ auf den Punkt.
Diese Getragensein von Gott, vom Anfang bis zum Ende, in guten wie in schwierigen Lebensphasen hat der Kabarettist Hanns Dieter Hüsch in seinem Gedicht „Ich bin vergnügt, erlöst, befreit“, in wunderbaren Worten aufgenommen und in einer Leichtigkeit beschrieben, die Trost und Hoffnung gibt. Dieses lyrische Werk mag ein Trost sein, wenn die Natur nach dem Herbst ihr Farbenkleid abwirft und die Tage trister und dunkler werden.

Es mag unsern Geist in jener Zeit erfrischen.

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit.
Gott nahm in seine Hände meine Zeit,
mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Verzagen,
das Elend und die Zärtlichkeit.
Was macht, dass ich so fröhlich bin
in meinem kleinen Reich?
Ich sing und tanze her und hin
vom Kindbett bis zur Leich.
Was macht, dass ich so furchtlos bin
an vielen dunklen Tagen?
Es kommt ein Geist in meinen Sinn,
will mich durchs Leben tragen.
Was macht, dass ich so unbeschwert
und mich kein Trübsinn hält?
Weil mich mein Gott das Lachen lehrt
wohl über alle Welt.
Ich bin vergnügt, erlöst, befreit.
Gott nahm in seine Hände meine Zeit,
mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Verzagen,
das Elend und die Zärtlichkeit.

Hanns Dieter Hüsch

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gute und erlebnisreiche Herbstzeit. Möge Gott unser Fragen und Suchen, unser Tun und Lassen in seine Hände nehmen.

Mit segensreichen Grüßen
Pfarrer Frank Paulmann

Veröffentlicht von

Team Gemeindebrief

Gemeindebriefredaktion der evangelischen Kirchengemeinde Garbenteich und Hausen/Petersweiher