Gemeindebrief Herbst 2016

Durst

Titelseite des Gemeindebriefes Herbst 2016
Titelseite des Gemeindebriefes Herbst 2016

Die Taube auf dem Marktplatz in Weikersheim hat Durst. Und sie weiß, wo und wie sie ihren Durst stillen kann. Wasser im Überfluss bietet der Brunnen. Auf einen Tropfen mehr oder weniger kommt es nicht an.

Wie gut das tut, wenn man Durst hat und es gibt Wasser im Überfluss.

Das hat mich schon als Kind besonders beeindruckt, wenn ich mit meinen Eltern in den Bergen wandern war. Und als Kind war Wandern für mich nicht immer nur die reine pure Freude. In der Sonne schwitzend bergauf. Immer zwei Schritte machen müssen, wo meinen Eltern einer reichte. Und dann waren auch noch die Getränke rationiert – zumindest kam es mir so vor: „Trink nicht alles auf einmal aus, der Tag ist noch lang!“ Ich habe die Worte meiner Mutter noch im Ohr.

Wie paradiesisch erschien es mir dann, wenn wir an einen der häufigen Brunnen kamen. Als Tränke für das Vieh gefasst oder vielleicht wirklich auch für durstige Wanderer. Oder auch an eins der klarer Bächlein, die auch meine Eltern für sauber genug hielten, dass ich daraus trinken durfte: Trinken ohne sparen zu müssen. Trinken, dass es dabei gluckerte und spritzte, dass das ganze Gesicht nass wurde und manchmal noch mehr. Das tat gut. Das machte Lust auf mehr: Vorneweg laufen und schauen, wo es die nächste Möglichkeit gab, so den Durst zu stillen.

Manchmal mache ich das heute noch, wenn ich Durst habe: Ich drehe den Wasserhahn auf und halte die Hand unter und den Mund und trinke direkt aus dem fließenden Wasserstrahl.

Und ich erwische mich dabei, dass ich bei jedem Brunnen, an den ich komme, als erstes schaue, ob da Trinkwasser fließt. Ob ich die Hand hineinhalten und wenigstens mal probieren kann, wie das Wasser schmeckt, selbst wenn ich gar keinen Durst habe.

Denselben Durst wie auf Wasser habe ich auch manchmal auf Worte: Ich suche, ich sehne mich nach Worten, die gut tun, die erquicken, wieder lebendig machen. Spritzige, erfrischende Worte für mein Leben.

Wie gut tut es mir, wenn mir andere solche Worte sagen können. Worte der Liebe und des Verstehens. Worte der Ermutigung und der Motivation. Worte, die mich bereichern und anspornen. Die mich manchmal vielleicht auch kritisieren und wieder neu in die richtige Spur bringen.

Wo sind solche Worte zu finden? Worte, die man weitersagen kann. Worte, die weiterhelfen. Worte, die länger halten als die tägliche Wörter-Flut, die sich aus allen Kanälen über uns ergießt?

Der Evangelist Johannes hat es festgehalten: Jesus sagte: Wen dürstet, der komme zu mir und trinke! (Joh 7,37)

Hier gibt es Worte der Ermutigung und des Verständnisses. Worte der Liebe und der Versöhnung. Worte zur Orientierung und zum Weitersagen. Worte, die helfen, meinen Durst nach einem gelingenden Leben zu stillen, weil sie von Gott selbst kommen. Und Gott hat seine Worte noch immer auch in die Tat umgesetzt.

„Bei dir, Gott, ist die Quelle des Lebens“, stellt der Psalmbeter fest (Ps 36,10) – Ich wünsche Ihnen, dass auch Sie bei Gott Worte finden, die Ihnen für Ihr Leben gut tun.

Ihr
Pfarrer Andreas Specht

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u.v.m.

Veröffentlicht von

Team Gemeindebrief

Gemeindebriefredaktion der evangelischen Kirchengemeinde Garbenteich und Hausen/Petersweiher