Gemeindebrief Frühjahr 2014

Titelseite des Gemeindebriefes Frühjahr 2014
Titelseite des Gemeindebriefes Frühjahr 2014

Liebe Gemeindeglieder!
Liebe Leserin! Lieber Leser!

Vor kurzem auf dem Schulhof. Eine Schülerin sagt zu einer anderen: „Du, ich mag dich gern leiden.“ Ich war erstaunt über diesen Satz. Nicht über die Aussage an sich, sondern über die Formulierung. „Du, ich mag dich gern leiden.“ Das sagt doch heute eigentlich keiner mehr aus der jüngeren Generation. Ich tippe mal, das Mädchen hat diese Redewendung irgendwo von ihren Eltern oder Großeltern aufgeschnappt und sie gleich bei passender Gelegenheit bei der Freundin angebracht.

Diese Formulierung hat mich daran erinnert, wie uns unsere Sprache manchmal auf tiefere Geheimnisse hinweist. „Du, ich mag dich gern leiden“, sagen Menschen, die einander mögen und lieben. Und damit sagen sie etwas Wesentliches über die Liebe – vielleicht sogar ganz unbewusst: Liebe ist mehr als ein angenehmes Gefühl, echte Liebe umfasst auch das Leiden. Das Leiden an und mit dem anderen lässt die Liebe wachsen. Darin besteht für mich auch das Geheimnis der Passionszeit, die wir jetzt in den Monaten März und April wieder begehen. In diesen sieben Wochen vor Ostern bedenken Christinnen und Christen weltweit das Leiden und Sterben Jesu. In dieser Zeit kann neu deutlich werden, dass sich die Liebe Gottes in ihrer wahren Größe nur erahnen lässt, wenn wir das Leiden Gottes an und mit uns Menschen mit einbeziehen.

Die Passionszeit lädt dazu ein, sich nicht nur an den Sonnenseiten des Lebens zu erfreuen und auf diese zu achten, sondern bewusst auch die Schattenseiten mit zu bedenken. Unser Leben gewinnt doch seine ganze Fülle erst, wenn wir die dunklen Momente unseres Lebens nicht verdrängen. Es gibt keine Liebe ohne Leiden, keine Freude ohne Trauer, kein Leben ohne Abschied. Die Passionszeit bietet also die Chance, über das Leben in seiner ganzen Fülle nachzudenken.
Sehr viele Menschen üben in den sieben Wochen vor Ostern bewusst Verzicht. Die Aktion „Sieben Wochen Ohne“ unserer evangelischen Kirche gibt dazu jedes Jahr Tipps und Ideen. Manche verzichten auf Alkohol oder Fleisch, probieren ohne Süßes oder Knabbersachen auszukommen oder schalten den Fernseher für diese Wochen nicht ein. Viele entdecken in dieser Zeit: Der Verzicht kann ein Gewinn sein, ein Schritt zu intensiverem Leben. Wer sieben Wochen lang die Routine des Alltags hinterfragt, nimmt in dieser kurzen Zeit oft schon eine neue Perspektive ein und spürt worauf es im Leben ankommt.

Auch unsere Gottesdienste und Passionsandachten in diesen Wochen sind ein Angebot, dem Leben neu auf die Spur zu kommen. Sie bereiten uns auch vor auf das Osterfest, das wir dann am Ende dieser sieben Wochen feiern. Wir dürfen uns dann wieder mitfreuen über Gottes Sieg über den Tod. Über seine Verheißung, bei uns zu sein, auch durch schwere Zeiten in unserem Leben hindurch.

So wünsche ich Ihnen und euch allen eine gesegnete Passionszeit und ein frohmachendes Osterfest.

Mit den besten Grüßen
Ihr und euer Alexander Klein

Veröffentlicht von

Team Gemeindebrief

Gemeindebriefredaktion der evangelischen Kirchengemeinde Garbenteich und Hausen/Petersweiher