Gemeindebrief 04/2011

Leben unter extremen Bedingungen

Titelseite des Gemeindebriefes 04/2011
Titelseite des Gemeindebriefes 04/2011

Mein Mann und ich waren zum Sommerurlaub in Südtirol und dazu gehörte für uns auch das Wandern in den Bergen. Neben der fantastischen Aussicht auf die Berge, begeisterten mich auch die vielen Blumen auf den Bergwiesen: Feuerlilie, Türkenbund, Knabenkraut waren die besonderen Schönheiten, die ich so bei uns in den Wiesen noch nicht gesehen habe. Aber auch Margeriten, Glockenblumen, Arnika und viele andere häufig anzutreffende Blumen haben mir gefallen. Manchmal wusste ich gar nicht, wo ich zuerst hinsehen sollte, so üppig blühte es auf den Bergwiesen.

Am meisten beeindruckt hat mich aber eine kleine Blume, die dort wächst, wo sonst kaum eine andere Pflanze gedeiht. Mitten im Geröll, in einer Art Mondlandschaft aus weißem Dolomitengestein, da wächst ganz überraschend der rhätische Alpenmohn, der auch gelber Mohn genannt wird. Die Pflanze wirkt mit ihren dünnen Stängeln und den durchscheinenden Blütenblättern sehr zart und empfindlich, kaum zu glauben, dass sie in so unwirtlichem Gelände wächst und gedeiht. Sie wächst aber auch nur dort, nur im Geröll, im steinigen, trockenen Boden. Auf den Wiesen sucht man diesen Mohn vergebens. Dieser Mohn, der im Geröll wächst, da wo Leben kaum möglich scheint, hat meine Gedanken beschäftigt. Ich musste an Menschen denken, die mir in unseren Gemeinden begegnen. Auch da staune ich immer wieder über Menschen, die unter schwierigen Bedingungen leben und dabei Lebensfreude und Zufriedenheit ausstrahlen. Vielleicht kennen sie ja auch solche Menschen oder gehören selbst zu ihnen. Ich staune immer wieder, dass oft die, die Grund zum Jammern und Klagen hätten, das nicht tun, sondern versuchen so gut wie möglich mit ihrer Lebenssituation zurecht zu kommen und trotz allem die schönen Seiten ihres Lebens sehen und genießen können. Sie erinnern mich an den rhätischen Mohn, der im steinigen Boden gedeiht und üppig blüht.

Das wünsche ich mir auch für mich, dass ich auch unter schwierigen Bedingungen leben und mich am Leben freuen kann. Ich denke, das ist zum einen eine Frage der Einstellung und hoffe, dass ich daran arbeiten und es lernen kann. Zum anderen ist es wohl auch ein Geschenk Gottes um das ich ihn bitten kann und darf. Mir fallen Jesu Worte aus der Bergpredigt ein: „Lernt bei den Lilien auf dem Feld und seht zu, wie sie wachsen. Sie mühen sich nicht. Sie spinnen nicht. Ich sage euch: Nicht einmal Salomo in all seiner Pracht war gekleidet wie irgendeine von ihnen. Wenn aber Gott das Gras – das heute steht und morgen ins Feuer fällt – so kostbar kleidet, wird er nicht noch viel mehr für euch sorgen, ihr Anfänger im Glauben?“

Mit diesen Worten Jesu im Ohr wird der rhätische Mohn, der mich im Urlaub so beeindruckt hat, zu einer Erinnerung daran, dass Gott auch Leben unter extremen Bedingungen möglich macht. Nicht nur kärgliches Leben, sondern blühendes.
Ihre Christine Specht

Veröffentlicht von

Team Gemeindebrief

Gemeindebriefredaktion der evangelischen Kirchengemeinde Garbenteich und Hausen/Petersweiher