Gemeindebrief 03/2011

Staunen über das Besondere

Titelseite des Gemeindebriefes 03/2011
Titelseite des Gemeindebriefes 03/2011

Nein, das auf dem Foto unten ist nicht die Mandelblüte in Italien, die ich im Urlaub so oft fotografiert habe. Das ist auch kein Blaustern aus dem wunderbaren Blütenteppich in Montagnola, keine Kamelie von der Uferpromenade in Lugano und auch keine Strelizie aus dem Palmengarten, sondern ein einfacher gelber Krokus aus unserem Vorgarten in Garbenteich. Dort reckte er sich im März der Frühlingssonne entgegen. Und auch wenn es keiner der tief violetten Sorte war mit dem leuchtend orangen Stempel, die ich so gerne mag, war dieser Krokus doch etwas Besonderes: Er war nämlich einfach so gewachsen, genau zwischen zwei Buchsbäumchen, ohne dass jemand die Zwiebel gesteckt hätte. Und dieser kleine Krokus war nicht der Einzige, der sich selbst seinen Platz bei uns im Garten gesucht hatte: Sogar mitten im Lavendel war ein Fleck leuchtend gelber Krokusse aufgegangen. Und nicht nur die Hummeln und Bienen, sondern auch wir haben uns daran erfreut.

So geht es mir manches Mal – nicht nur beim Fotografieren, sondern auch bei der Arbeit in der Gemeinde und wohl auch so manches Mal im Leben: Ich staune über die wunderbaren, manchmal fast exotischen Blüten, die anderswo aufgehen und denke: So etwas müsste es bei mir oder bei uns auch geben. Und dann entdecke ich auf einmal, dass da hier vor meinen Füßen etwas entsteht, das so von mir gar nicht geplant war, das vielleicht sogar meine vorgesehene und gewohnte Ordnung stört – und das beim genaueren Hinschauen trotzdem gut und schön ist.

Da bleibt mir eigentlich nur, mich darüber zu freuen, dass Wachsen und Gedeihen nicht allein in meiner Hand liegen. Dass meine Rolle – auch in der Kirchengemeinde – oft genug einfach die des staunenden und dankbaren Zuschauers ist, der dann vielleicht noch ein bisschen hegen und pflegen, düngen und gießen kann – obwohl das ja gerade bei einem Krokus nicht wirklich viel Sinn macht.

Ich finde, es tut gut zu erleben, dass es auch ohne mein Zutun grünt und blüht. Natürlich ist auch mein Einsatz nötig. Aber das, was ich tue und tun kann, ist bei weitem nicht alles. Und es ist eine gute Erfahrung, dass auch ohne mich schöne Blüten aufgehen, über die ich staunen und für die ich einfach danke sagen kann.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie das auch so erleben können: Dass Ihr Planen und Tun wichtig ist. Dass es aber auch Stellen gibt, an denen ohne Ihr Zutun neue Pflänzchen entstehen und Blüten aufgehen, über die Sie sich vielleicht wundern, über die Sie dann hoffentlich aber staunen und für die Sie danke sagen können.
Ihr Andreas Specht

Veröffentlicht von

Team Gemeindebrief

Gemeindebriefredaktion der evangelischen Kirchengemeinde Garbenteich und Hausen/Petersweiher