Das Osterwort heißt Hoffung

Was ich an Ostern mag: es fällt in eine Zeit, in der sich die Natur von ihrer schönsten Seite zeigt: Die kalten Winde aus dem Osten und Norden blasen nicht mehr, T-Shirt-Wetter kommt; dann das zarte Grün an Büschen und Bäumen, überall blüht es, Schmetterlinge und Bienen fliegen.
Kurz, eine Zeit, in der die Seele auflebt und sich erheben kann.
Für mich die schönste Zeit im Jahr.

Was mir an Ostern nicht gefällt: es ist für unseren Glauben so schwer zu fassen.
Theologisch steht im Zentrum von Ostern natürlich die Auferstehung.
Die Auferstehung Jesu bezeugt die Bibel vielfach.
Vor 2000 Jahren hat sie sich ereignet – sicher für die Jünger eine unglaublich große und erhebende Erfahrung.
Nur, wie soll ich mir sie vorstellen und was bedeutet sie für mich?

Meine eigene Auferstehung von den Toten, an die ich glaube, steht hoffentlich noch nicht so bald an, denn noch will ich mich weiter am Leben freuen.  An Ostern zum Beispiel.
Es gibt aber ein Wort, das für mich beides verbindet: das sehr sichtbare und fühlbare Aufblühen neuen Lebens in der Natur einerseits, und andererseits die Unanschaulichkeit von Ostern in meinem Glauben. Dieses Wort ist: Hoffnung. Von ihr heißt es: „Sie stirbt zuletzt.“ Das ist ein trauriger und ein schöner Spruch zugleich!

Einerseits traurig: Denn wenn die Hoffnung zuletzt stirbt, dann ist ja schon anderes vorher gestorben: der Lebensmut, die Lebensfreude vielleicht, die Kräfte, die Zuversicht, Pläne, die man hatte oder im schlimmsten Fall ein Mensch, der einem nahestand.
Und zum Schluss erst die Hoffnung. 
Und das ist das Schöne an dem Satz: Dass trotz allem, was dunkel, traurig ist oder einen verzweifeln lässt, dass da noch etwas lebendig ist, das einen auf einen guten Ausgang, eine positive Wendung oder guten Fortgang des Lebens glauben lässt.

Für mich ist Hoffnung das Osterwort.

Denn uns wird verkündet, dass Gott mit der Auferweckung Jesu die Macht des Todes, des Bösen und Dunklen endgültig gebrochen hat. So betont es die Bibel an vielen Stellen.
Man sollte dem Tod die Macht nicht wieder zurückgeben, indem man resigniert und keine Hoffnung mehr hat. Wo sich die Überzeugung durchsetzt, dass keine Hoffnung mehr ist oder sie stirbt, da haben der Tod und das Dunkle gewonnen.
Ich weiß natürlich, man kann die Hoffnung nicht herbeireden, und keinen zur Hoffnung überreden, der sie nicht hat. Aber ich will mir die Hoffnung auch nicht von Pessimisten, Bedenkenträgern und Schwarzsehern kaputtreden und auch nicht ausreden lassen.
Denn die Hoffnung ist in dieser Welt, weil Gott selber sie hineingepflanzt hat.
Mit der Auferweckung Jesu durch Gott hat jede dunkle Nacht einen hellen Morgen bekommen!
Davon zeugt jedes Morgenrot und auch jeder Mensch, der gesund wird.
Und darauf will ich setzen, bei jedem Krankenbesuch und auch in meinem eigenen Leben.
Auch das Corona-Virus wird besiegt werden. So traurig das ist, es werden auch weiter Menschen an Viren sterben.

Doch das Leben wird irgendwann nach Ostern wieder aufblühen.
Überall!

Ihr

Pfarrer Merten Teichmann