Andacht zur Ausgabe Weihnachten 2021/2022

Liebe Leserin, lieber Leser,

der Herbst ist da! Vorbei sind die „goldenen“ Herbsttage mit angenehmen Temperaturen und mildem Sonnenschein. Nun kommen vermehrt Tage mit dunklem Nebelgrau und auch der Winter ist schon nicht mehr weit.

Wie geht es in dieser Zeit unserer Seele? Wonach sehnen wir uns? Nach wohliger, kuscheliger Wärme? Nach einem – auch innerlich wärmenden – Getränk oder deftigem Essen? Nach mehr Licht und Sonnenschein? – Mit den zunehmend dunklen Tagen sehnen wir uns nach et-was, was uns gut tut – körperlich und ebenso auch seelisch. Aufmerksame Worte, die uns innerlich aufrichten und unsere evtl. niedergedrückte Stimmung aufhellen, können da zu einem wahren Lebenselixier werden.

„Mache dich auf und werde licht!“ – Vielleicht haben Sie diese Worte schon einmal gehört, kennen das gleichnamige Lied als Kanon oder gar die „Originalverse“ aus der Bibel?

Im Alten Testament, im Buch des Propheten Jesaja, heißt es in Kapitel 60:

„Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir! Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. Und die Völker werden zu deinem Lichte ziehen und die Könige zum Glanz, der über dir aufgeht.“

– Was für ein Zuspruch! Ganz besonders in den vergangenen tristen, nebligen, düsteren Novemberwochen und den nachfolgenden dunklen Dezembertagen.

Wer nun mit persönlicher Betroffenheit aus dem „dunklen Land der Trauer“ vom Totensonntag herkommt: da scheint – bei manchen Gräbern auch äußerlich durch Grablichter angedeutet –mit den Worten des Propheten Jesaja schon das Licht auf, das uns aus der Dunkelheit, der Trauer und der Todverfallenheit einen Lichtblick hinschenkt in die Denkrichtung „Ewigkeitssonntag“; denn für Christen hat nicht der Tod das letzte Wort, sondern Gott kommt uns in Jesus Christus als dem Auferstandenen und dem „Licht des Lebens“ entgegen und mit ihm haben wir die Verheißung am „ewigen Leben“ teilzuhaben.

Aber auch wenn wir nicht direkt in der Trauer um einen verstorbenen Menschen stehen, so sind auch wir von mancherlei anderen Finsternissen (Sorgen,
Krankheit, …) umfangen.

In welcher Art von Finsternis wir nun gerade leben – ob in Trauer oder in Sorgen – lassen wir uns doch mit den Worten des Propheten Jesaja einladen: „Mache dich auf und werde licht – denn: DEIN LICHT KOMMT!“ Wir sind eingeladen, uns in Hoffnung und Zuversicht auf Gott hin auszurichten, der uns mit seinem Licht der Liebe, der Versöhnung und des Segens unser Leben erhellen, ja „hell machen“ will.

Unabhängig von „emotionalen“ seelischen Finsternissen (Trauer, Sorgen, Krankheit, …) geht unser Leben dabei mit dem Rhythmus der Natur. Winter- und Sommersonnenwende prägen die jeweilige Tageshelligkeit und -dunkelheit.

Was setzen wir in diesen dunklen Zeiten für ein Zeichen? Na klar doch: Ein Licht! Besser noch: Mehrere Lichter! Licht(er) gegen die Dunkelheit! Licht(er) gegen die astronomische ebenso wie die emotionale „innere, seelische“ Dunkelheit! Offen-sichtlich wird dies z.B. auch am Adventskranz. Mit jeder Woche der zunehmenden astronomischen Dunkelheit setzen wir eine brennende Adventskerze entgegen. Damit es in unserem Leben nicht nur räumlich hell(er) werden möge, sondern auch emotional und seelisch! Getoppt wird die zunehmende Lichterfülle dann wenige Tage nach der Wintersonnenwende mit den vielen Lichtern am Weihnachtsbaum. Natürlich stehen auch diese vielen Weihnachtsbaumlichter als „Lichterbaum“ für eine „emotionale“ Wende: Trotz aller Dunkelheit(en) um uns herum: Es wird hell! Das Licht siegt gegen alle Dunkelheit und Finsternis. Es siegt gegen astronomische wie gegen emotionale Finsternis.

So erinnert uns jede Advents- und Weihnachtskerze daran: Es wird licht und Licht in unserem Leben, denn: Gott kommt uns entgegen, wird Mensch und schenkt uns in seinem Sohn Jesus „das Licht der Welt und des Lebens“.

Mit diesem Wissen wird es hell in unserem Leben!
Welch ein Grund zur Freude!
Deshalb:

„Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir!“

Eine gesegnete Licht-Zeit
wünscht Ihnen Pfarrerin
Claudia Kuhn