Andacht zum Gemeindebrief Sommer 2022

Der Duft des Sommers….

Im Juni und Juli ist er besonders intensiv, der Duft der Rosenblüten rund um das Pfarrhaus Ich liebe diesen Duft von zart bis gewaltig süßlich. Wenn die Zeit gekommen ist, dann stehe ich am Rand des Gartens und schaue, ob sich eine neue Knospe geöffnet hat und gehe dem Duft des Sommers nach.

Eine Vielzahl von Blumen gibt es und alle sind wundervoll, doch die Rose ist schon besonders. Denn sie ist es auch, die in vielfacher Weise mit dem Christentum in Verbindung gebracht wird.

„Maria durch ein Dornwald ging“, eines der beständigsten Weihnachtslieder, nimmt diese schöne Blume auf und endet mit „Als das Kindlein durch den Wald getragen, da haben die Dornen Rosen getragen“. Ein Sinnbild für das aufblühende Leben von Jesu durch Maria.

Oder auch der bekannte Ausspruch etwas „durch die Blume sagen“. Gemeint ist eigentlich der sehr alte Brauch „sub rosa dictum“, also „etwas unter der Rose zu sagen“ und demnach Verschwiegenheit zu beweisen oder ein Geheimnis zu bewahren. Damit spielt auch der Roman Umberto Ecos „Der Name der Rose“. Die Rose eine spannende Blume, die auch ganz in unserer Nähe einen legendären Stellenwert genießt.

Vielleicht ist Ihnen die Legende von Elisabeth von Thüringen bereits bekannt. Die junge Prinzessin, nach Marburg verheiratet, nahm sich stark den Armen und Bedürftigen an. Manchmal auch zum Leidwesen ihres Gatten, der seine Frau gern öfter an seiner Seite wusste. Als er sie eines Tages fragte, was sie in ihrer von Brot gefüllten Schürze hatte, antwortete sie „das sind Blumen“! Als er nachsah, waren es plötzlich Bündel von Rosen. In dieser Legende treffen sich die Rosen und auch das, wofür sie stehen: für die Nächstenliebe und Hingabe, und zeigen somit auch ein Teilausschnitt des christlichen Glaubens. Diese Legende ist übrigens im Gesangbuch unter dem Lied „Wenn das Brot das wir teilen“ in der ersten Strophe verewigt worden. „Wenn das Brot, dass wir teilen als Rose blüht und das Wort, das wir sprechen als Lied erklingt, dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut, dann wohnt er schon in unserer Welt….“

Ein schönes Lied, das ebenso wie die Legende versucht, alles miteinander zu verknüpfen. Denn bei aller Schönheit dieser Erde, dürfen wir nicht vergessen, wie schwierig es ist das alles zu erhalten, oder dafür Sorge zu tragen, dass diejenigen, die abgehängt sind, nicht zu kurz kommen.

Ein gesundes Gleichgewicht zwischen Schöpfung und Geschöpf. Daran erinnert diese Legende und ruft uns zugleich unser Verantwortungsbewusstsein in den Hinterkopf. Zum einen die Rohstoffe aus der guten Schöpfung mit Maß und Ziel zu gebrauchen und zu bewahren und zum anderen unseren Nächsten im Blick zu behalten, so dass er/ sie auch Teilhabe erfahren kann.

Ein Verantwortungsbewusstsein, das nicht „sub rosa dictum“ geschieht, sondern frei und offen. Denn dann blühen die Rosen aus dem Lied nochmal auf, denn „Ja, dann schauen wir heut schon Gottes Angesicht in der Liebe die alles umfängt, in der Liebe die alles umfängt.“

So wünsche ich Ihnen und Euch eine schöne Zeit, die durchdrungen ist von dem Duft des Sommers und der Nächstenliebe.

Er grüßt Euch und Sie herzlich,

Marisa Mann