Andacht zum Gemeindebrief Frühling 2022

Spot an!

Vor gerade mal 4 Jahren waren wir im Rahmen einer Konfifreizeit zu Gast in einem namhaften Fernsehstudio in Mainz.

Momentan leider kaum denkbar. Doch eindrucksvoll wirkt es bis heute allemal nach, wenn es dort dann hieß „Spot an!“ Der Scheinwerfer surrte und „ZACK“, das was in Szene gesetzt werden sollte – war im Fokus und hell erleuchtet.

Ein Wechselspiel zwischen Licht und Schatten, zwischen hell und dunkel.
In einem solchen Wechselspiel bewegen wir uns auch in unserem Kirchenjahr. Höhen und Tiefen werden abwechselnd von einem „Spotlight“ in Szene gesetzt.
Der Scheinwerfer schwenkt dabei zwischen Himmel und Erde hin und her oder konkret gesprochen zwischen Mensch und Gott.

In der Weihnachtszeit hat man das Gefühl, dass nicht nur ein Spotlight den Himmel erleuchtet, sondern ganze Heerscharen den Blick gen Himmel wenden. Denn in der weihnachtlichen Botschaft heißt es, Gottes Liebe soll unter uns Menschen wohnen und zu uns auf Erden kommen!

Doch sobald die weihnachtliche Zeit vorbei ist, scheinen die Scheinwerfer verschwunden und der Schatten bemächtigt sich des Kirchenjahres.

Die Passionszeit hat nichts Glanzvolles auf den ersten Blick. Sie fristet ihr Dasein im Stillen, in sich gekehrten, bedächtigen. Doch gerade dort im Verborgenen finden sich die Eckpunkte, die es verdienen ebenso in Szene gesetzt zu werden. Ist nicht gerade die Zeit der Passion eine Zeit, die sich hier auf Erden unter uns Menschen abspielt? Also der Scheinwerfer auf uns, die Menschen, gerichtet. Das was uns berührt, womit wir ringen oder gar was uns innerlich aufwühlt und bewegt. Eine Zeit die das Schwere ins Licht rückt. Eine Zeit die Spannung aufbaut, indem wir in jedem neuen Kirchenjahr erspüren sollen, Christus, der Mensch wurde, ist auch in unserem Leid an unsere Seite und ist uns nah, wenn wir die Welt als hart und ungerecht empfinden. Hier liegt das verborgene Licht, der göttliche Funke unter uns Menschen. Nach 40 Tagen Zeit der Passion, schwenkt der Scheinwerfer erneut und erleuchtet das Dunkel. Die Ostertage, an denen der Sieg des Lebens über den Tod gefeiert wird, werden zum Lichtfest. Im „Spotlight“ nun wieder der Himmel, von dem wir Hilfe erwarten können.

Gerade in der Passions- und Osterzeit berühren sich Himmel und Erde, das Menschliche und das Göttliche besonders. Denn in der Auferstehung hat Christus das Licht in die ganz persönliche Dunkelheit gebracht und er schenkt neues Leben – neues Licht. Nicht von Ungefähr findet auch gerade an Ostern die neue Osterkerze ihren Platz im Kirchraum, im Gedenken an den Sieg des Lebens über den Tod, den Sieg des Lichts über das Dunkel.

Himmel und Erde – hell und dunkel- immer im Wechsel ausgeleuchtet von den Scheinwerfern des Kirchenjahres und wir mittendrin in den Höhen und Tiefen des Lebens.

Verwurzelt auf der Erde und in den Zusammenhängen unseres Lebens (er)leuchtet Gott unseren Weg, gibt Zuversicht und Kraft, richtet uns auf und erhält uns.
Ich wünsche Ihnen und uns allen, dass Gottes Kraft zwischen Himmel und Erde, zwischen dem Hell und Dunkel in allen Lebenslagen, Ihr und unser persönliches Spotlight ist. Der helle Schein von Ostern möge Ihnen und uns leuchten und die österliche Hoffnung immer wieder ganz persönlich ins Szene setzen.

Eine gesegnete Passions- und österliche Zeit wünscht Ihnen und Euch,
Marisa Mann